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Bali mit neuen Augen – Zuhause und andere Geschichten

15 Feb

Bin gerade mal 48 Stunden auf der Insel und ich habe das Gefühl, nie weggewesen zu sein. Es ist wunderschön, wieder in meinem zweiten Zuhause angekommen zu sein. Die Gerüche, die Hitze, die feuchte Luft, der ganze Lärm, das ganze Durcheinander, die Leute, das Meer. Einfach Alles. Mit jedem Blick, mit jedem Atemzug sauge ich ganz Bali in mich auf.

Und doch: Es ist wahnsinnig, in welcher Geschwindigkeit sich das Bild einer Strasse oder eines Ortes ändern kann. Bekannte Restaurants und Läden sind verschwunden, dafür neue entstanden. Es herrscht einfach ein unglaubliches Tempo. Als ich heute zu einem Freund fuhr, um meine gelagerten Sachen bei ihm abzuholen, fuhr ich auf einer Strasse, die ich monatelang mehrmals täglich gefahren bin. Und erkannte sie nicht wieder. Kein bisschen. Ich wusste, dass ich auf der richtigen Strasse fahre, aber es war nicht mehr der durchlöcherte Schotterweg von früher, sondern eine geteerte Strasse mit Mittelstreifen. Das hat mich dermassen verwirrt, dass mir mein eh schon nicht sehr ausgeprägter Orientierungssinn fast gänzlich abhanden gekommen ist.

Ist mir aber gelungen, das richtige Haus zu finden. Meine drei Bretter sind wieder bei mir. Frisch ausgepackt, gewachst, mit Finnen und Leash versehen.

Wollte gerade mal zum Strand runter fahren und schauen, ob es irgendwelche surfbare Wellen gab. Und da sitzt tatsächlich ein Balinese neben einer Barriere und will IDR 2’000 fürs Parken. Es sind zwar nur 20 Rappen, aber trotzdem. Jahrelang fuhr ich hierher und es war immer frei. Aber die Banjars (das sind die Verwaltungen der Dörfer), kommen immer mehr und mehr auf den Geschmack, wo immer möglich was dazuzuverdienen. Naja, solange das Geld der Dorfbevölkerung zugute kommt, aber man weiss ja nie, in welchen Taschen sonst so das Geld verschwindet. Wie kürzlich schon einmal bemerkt: Indonesien ist auf der Rangliste der korruptesten Länder auf einem Spitzenplatz.

Um meiner Empörung noch Stärke zu verleihen, entschied sich der Wind just in diesem Moment, ein paar Sturmböen zu schicken, so dass sich die Palmen bogen. Um noch eins drauf zu setzten, liess Petrus auch gerade noch eine schöne Portion Himmelswasser runter regnen. Wer sich mit Wellen ein bisschen auskennt, weiss, dass es zu diesem Zeitpunkt bestimmt keine Wellen gibt, also ging ich zurück auf mein Zimmer und machte es mir da gemütlich. Von meinem Sitzplatz aus kann ich nämlich die Spitze einer der Strandpalmen sehen, die mir von nun an als Windmesser dient. Je nach Schwankstärke der Palmenwedel kann ich etwa abschätzen, ob sich der Gang zum Strand lohnt oder nicht. Sehr praktisch.

Am späten Nachmittag war es tatsächlich soweit, dass ein paar kleine Wellen lockten. Ich wagte es als erstes ins warme Nass und hatte bis zum Einbruch der Dunkelheit total viel Spass. Ich verdränge jetzt mal, dass meine zurzeit ziemlich schwächlichen Arme und vor allem meine Rippen nach dem Aufwachen wahrscheinlich einige giftige Schmerzpfeile abschiessen werden.

Abends beim Nachtessen im Restaurant Bow in der Jalan Batu Belig (super schön und lecker) musste ich gefühlte literweise Tränen lachen. Und zwar wegen einer tragisch-komischen Liebesgeschichte, die sich ungefähr im Jahr 1989 zugetragen hat. Erzählt mit trockenem Humor unter noch mehr Lachtränen. Eine Geschichte, die so romantisch begann, verrückt ohne Ende war und absolut tragisch endete. Ein Typ, wie er romantischer nicht sein konnte, leider auch ein Typ, wie er egoistischer bzw. narzisstischer nicht sein konnte. Wenn ich die Erlaubnis von der Dame kriege, würde ich die Geschichte gerne einmal posten.

Meine Freundin und ich gingen dann später noch einmal ins Favela, weil ich ihr unbedingt die Location zeigen wollte. Bäume, die in den Räumen wachsen, eine Aussenterrasse wie aus dem Dschungel, viel Liebe zum Detail. Ich bin begeistert. Aber die beste Entdeckung war heute die Toilette: Eine frauengerechte Toilette. Ein riesiger Raum, mit Sofas zum plaudern und sich die Nase pudern (Frauen können einfach nicht alleine aufs WC), einem alten Zahnarztstuhl (oder war es ein elektrischer Stuhl? Schwer zu sagen) und einer altmodischen Waage, die man mit Gewichten selber einstellen muss (ist mir übrigens auch in nicht alkoholisiertem Zustand nicht gelungen. Das ganze hat ein angenehmes Wohnzimmerfeeling.Heute war die Bar leer (wir wollten eigentlich schöne Männer schauen gehen). Aber freitags ist immer Party. Und dann ist es brechend voll. Vielleicht nächsten Freitag.

Bali ist einfach interessant. An jeder Ecke, überall wo man hingeht, trifft man interessante neue Leute. Man hört so viele Lebensgeschichten, Erfahrungen, es gibt so viel zu diskutieren, zu bereden, zu lachen. Bali, die kleine Insel, bietet, so wage ich zu behaupten, die dichteste Dichte an einem bunten, kreativen, geschäftigen und eben höchst interessanten Menschenmix, den es auf dieser Welt gibt.

So, in weniger als vier Stunden muss ich wieder aufstehen, da ich gerne ins Morgenyoga in Bingin will. Ein weiter Weg für ein bisschen Yoga, aber es ist eben Ted’s Yoga. Das ist guuuuuut.

Und ja, ich glaube, ich habe heute während dem Schreiben mindestens 15 Schokobons verdrückt. Mein „Bettmümpfeli“, wie man auf gut „Züri-Düütsch“ sagt. Gute Nacht Welt.