Die letzten beiden Tage waren einfach nur schön. Die Sonne schien strahlend vom blauen Himmel, das Wasser war glatt, die Wellen klein und sauber. Ich nahm mir viel Zeit für mich. Zeit, einfach zu sein, einfach zu geniessen, über Vielerlei nachzudenken, Bali noch einmal mit allen Sinnen in mich aufzunehmen.
Es ist mir sogar gelungen, einen kleinen Song zu schreiben. Gelernt habe ich von jemandem, der sein Handwerk ohne Zweifel bestens versteht. Vier Stunden Reimen, mit einem bestimmten Beat in den Ohren, leise vor mich hinmurmelnd, bis alles gestimmt hat. Es war und ist eine unglaubliche Befriedigung, als ich fertig war und noch ein letztes Mal die Worte mit dem Beat sprach.
Das Schreiben, ob in Form eines Textes, Gedichtes oder Liedes ist eine Art der Verarbeitung von Emotionen, die sehr tiefgreifend für mich ist, mir sehr viel Schwere von der Seele nimmt und mich mit Themen abschliessen lässt, die mich aus der Vergangenheit bis in die Gegenwart verfolgen. Darüber hinaus macht mir Schreiben einfach auch eine Menge Spass.
Bali gab mir die Zeit, die Umgebung und die Menschen um mich herum, die ich brauchte, um meiner Kreativität wieder auf einer bewussteren und ausschweifenderen Weise Raum zu geben.
Ich wurde in den letzten beiden Tagen auch verschiedentlich auf meinen Blog angesprochen. Das hat mich erstaunt und auch gefreut. Dabei wurden einige Fragen gestellt.
Schreibe ich aus einem bestimmten Grund?
Ja, tue ich. Einerseits, um meine Familie, Freunde und auch Fremde an meinen Erlebnissen und Gedanken teilhaben zu lassen, andererseits, weil es Spass macht und eben, wie oben erwähnt, um Emotionales zu verarbeiten.
Reise ich aus einem bestimmten Grund?
Hier verweise ich auf meinen Eintrag „the meaningfulness of traveling“. Gereist bin ich bisher aus verschiedenen Gründen und habe dabei verschiedene Phasen durchlaufen: Spass am Reisen, Abenteuern und Neuem entdecken, vor unerträglichen Situationen davonlaufen, Glück suchen, Sinn finden. Aktuell reise ich aus Spass und weil es mich nach einer bestimmten Zeit einfach wieder woanders hinzieht.
Was ist es, was mich nach Bali zieht?
Gute Frage. Ich kann nur mit einer Gegenfrage antworten: Warum verliebt man sich in Jemanden? Ich glaube, sich verlieben ist einfach etwas Irrationales, etwas Unerklärliches, etwas Unbegründbares. So ging es mir mit Bali. Ich setzte im Jahr 2005 erstmals meinen Fuss auf die Insel und war sofort und unerklärlich verliebt, obwohl ich noch gar nichts ausser dem Flughafen gesehen hatte. Die Liebe hält bis heute an. Sie hat sich verändert. Sie ist von der enthusiastischen Begeisterung eines ersten Verliebtseins mit Schmetterlingen im Bauch in eine reifere, erwachsenere Liebe gereift. In eine, die mich nicht Alles mit rosaroter Brille sehen lässt, sondern in eine, die die negativen und positiven Aspekte bewusst wahrnimmt und akzeptiert, die gereift tief in meinem Herz sitzt, unerschütterlich.
Ich habe mir kürzlich selber die Frage gestellt, ob ich hier wirklich leben könnte. Die Antwort ist schlicht und einfach „Ja“. Will ich hier leben? Die Antwort ist „Nein, jetzt nicht“. Mir ist bewusst geworden, dass meine Wurzeln in der Schweiz liegen, dass ich noch andere Orte entdecken möchte und dass ich wohl immer eine „Nomadin“ bleiben werde. Eine, die es öfters einmal in die Ferne zieht.
Deshalb ist und bleibt die Schweiz meine Basis, meine Heimat. Und der Rest der Welt mein Spielplatz.
Wo sehe ich mich in 10 Jahren?
Ganz ehrlich? Keine Ahnung. Es lohnt sich für mich überhaupt nicht, auch nur im Entferntesten soweit in die Zukunft zu denken. Weshalb? Weil ich genau weiss, dass sich meine Pläne innerhalb eines Lidschlages komplett ändern können. Das Wichtigste ist: Ich möchte immer zufrieden auf mein Leben zurückblicken können.
Und wenn ich jetzt auf mein bisheriges Leben zurückblicke, dann kann ich höchstzufrieden sagen, dass es bis anhin ein tolles Leben war (und hoffentlich auch bleibt). Ich befand und befinde mich auf einem Weg, der zwar oft mit Schlaglöchern und Hindernissen gespickt ist, jedoch auch von Schönheit und vielen positiven Überraschungen nur so strotzt. Ein Weg, der lehrt und ein Weg, der schenkt.
