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Sotschi – Russkij-Kolummnijskij

15 Feb

Vor ein paar Tagen habe ich die Sportkolumne von den beiden russischstämmigen Redaktoren Anastasia und Gregory im Blick am Abend gelesen. Es geht eigentlich um Korruption. Um die Ausbeutung von Menschen. Um das Zerstören der Natur. Um die teuersten Winterspiele aller Zeiten. Darum, ob all dies zum Wohle gewisser Umstände akzeptabel ist. Und um eine etwas andere Sichtweise auf das Ganze, als wir es gewohnt sind.

Auf die Frage, was man denn in Russland von den teuersten Spielen aller Zeiten halte, antwortete eine Bekannte aus St. Petersburg: „Äh, hör doch auf. Es ist ja nicht so, dass diese 50 Milliarden – falls es nicht noch viel mehr sind – sonst dem Volk zugute gekommen wären. Vielmehr wären sie irgendwo auf Schweizer Bankkonten unserer Oligarchen verteilt worden. So haben wir wenigstens ein bisschen was davon.“ Irgendwie sinnbildlich für die emotionale Zwickmühle, in der sich die Russen in diesen Tagen befinden.

Wann immer Geld zuhauf für etwas ausgegeben wird, was in keinem Verhältnis zum Gebotenen steht und auch jeder Vernunft und Logik entbehrt, wenn dabei die Umwelt draufgeht und Menschen misshandelt werden, dann geht ein Aufschrei der Empörung durch die westliche Welt. Vielleicht in diesem Fall auch durch Russland. Zu Recht würde ich sagen.

Und doch: In der Kolumne wurde mit wenigen Worten ganz einfach eine Wahrheit auf den Punkt gebracht, die in ihrer Schlichtheit doch sehr aussagekräftig ist.

Ich glaube, über die Spiele könnte man Seiten füllen. Über Korruption auch. Indonesien ist eines der korruptesten Länder der Welt. Zum Nachteil, aber auch zum Vorteil vieler. Der Polizist in Bali, der vor Allem gerne ausländische Verkehrsteilnehmer „ausnimmt“? Von dieser Ergänzung zu seinem Lohn können seine Kinder vielleicht Studieren, was sie sonst nicht gekonnt hätten. Kim, die ihre abgelaufenen Motorradpapiere gegen einen kleinen Aufpreis bei einem Freund eines Freundes, der im Verkehrsamt arbeitet, ohne Busse und ohne stundenlange Wartezeit auf dem Amt neu ausstellen lässt?

Anyway, ich will gar nicht mehr dazu sagen, als dass die Welt ohne dieses Übel eine bessere Welt wäre, wir alle jedoch trotzdem schon in der einen oder anderen Weise davon profitiert haben.

Hoffen wir auf möglichst viele Schweizer Goldmedallien! Wenn schon, denn schon!

Geschrieben in Bali, morgens früh (um 8:00) nach einer 20-stündigen Reise, einem kleinen Ausflug ins balinesische Nachtleben und nur 4 Stunden Schlaf.

Source: www.iofp.de