Tag Archives: gedicht

Perspektive

4 Mär

Mit den Augen eines Kindes
Unschuldige Welt
Mit den Augen eines Kindes
In Träume getaucht

Tausend Gefühle
Springen mich an
Ein Monster im Schafspelz
Gigantische Flutwelle

Oder eine Quelle?

Geschrieben am 25.12.2014… Habe das Gedicht zufälligerweise jetzt, über zehn Jahre später in meinen Notizen gefunden. Keine Ahnung mehr, was da war, was ich gedacht oder gefühlt habe. Aber auch heute finde ich es immer noch wahr: Man kann etwas als einen Fluch oder einen Segen sehen. Ich entscheide mich für den Segen.

Heilung

5 Okt

Dein Innerstes von der Vergangenheit verzerrt,
im Käfig gefangen.
Keine Bewegung möglich,
eine Schutzmauer, die doch nur Gutes will.

Grenzen verletzt.
Der Geist gehetzt.
Der Körper entfremdet.
Die Hoffnung verendet.

Dein Innerstes mit neuer Vergangenheit geheilt,
dem Käfig entschwunden,
in Bewegung tanzend,
eine Schutzmauer, die es nicht mehr braucht.

Grenzen neu gestaltet,
der Geist nun inne haltend,
der Körper in Vertrauen getaucht,
die Hoffnung nie verbraucht.

Geschrieben kürzlich nach einer Sitzung, in welcher meine Klientin als Grund für ihr aktuelles Problem eine frühere Vergewaltigung erkannt hat. Sie ging mit einem Lächeln und hat auch danach wunderbare neue innere Bilder erlebt, mit welchen Sie das Trauma, welches sie bereits psychologisch aufgearbeitet hat, auf eine ganz neue heilende Art verarbeiten konnte.

Eine Sekunde – und das Tram ist weg.

15 Mär

Unsinngedicht Nr. 3

1 Sekunde
und das Licht ist aus
1 Sekunde
ich bin zu spät
1 Sekunde
das Tram ist weg

10 Sekunden
ich denke nach
10 Sekunden
ich steh noch immer da
10 Sekunden
ich geh zur Wartebank

100 Sekunden
meine Finger werden kalt
100 Sekunden
mein Hintern auch
100 Sekunden
blödes Tram

1000 Sekunden
ich höre was
1000 Sekunden
das nächste kommt
1000 Sekunden
diesmal steig ich ein.

Kennst du den Moment, wenn du noch einigermassen weit von der Haltestelle entfernt bist, das Tram (die Strassenbahn) kommen siehst, so schnell rennst wie du kannst, deinen Finger ausstreckst, das Licht des Türöffners ausgeht, wenn dein Finger noch genau EINEN Millimeter davon entfernt ist und das blöde Ding vor deiner Nase abfährt? Ah, wusste ich’s doch!

Gegangen

3 Mär

Die Sekunde, der Schock, die ernsten Gesichter
Weisser Raum, weisse Kittel, grelle Lichter
Eine einzige Sekunde verändert die Zeit
Eine einzige Sekunde birgt soviel Leid
Im Kopf, schwarze Monster, wuchern und fressen
Nichts kann sich je mit ihrem Fresswahn messen
Maximal ein Jahr, lassen wir uns sagen
Kann man so denn noch Hoffnung tragen?
OP, Chemo, ein Drogenberg
Tausende von Franken, Lebens-Wert?
Verzweiflung, Wut, schwarze Tränen in Strömen
Wir flehen Gott an, doch der ist nur am Gähnen
Niemand kann helfen, guter Rat ist selten
Alleine gelassen in anderen Welten
Alles ist Shit, was sollen wir nur machen
Sollen wir dem Krebs ins Gesicht reinlachen?

Das launische Leben spuckt uns manchmal vor die Füsse
Die rieselnde Zeit schickt uns fiese Todesgrüsse
Die fragende Vergangenheit zupft an unsrer Schuld
Die traurige Gegenwart erschöpft unsre Geduld

Vater, warum lächelst du noch immer?
Vater, hast du keinen Hoffnungsschimmer?
Vater, hast du keine Angst vor dem Gehn?
Vater, kannst du denn den Tod schon sehn?

Die Sprache verschwindet, das Leben wird schwerer
Dein Körper wird dünner, dein Geist immer leerer
Und doch bist du da, stark bis zum Schluss
Du zeigst uns deine Liebe, gibst uns einen Kuss
Der Tod schwebt über dir, mit ihm ist nicht zu scherzen
Der Tod und die Sense, sie sind nicht auszumerzen
Die Zeit ist begrenzt, sie ist das Schönste was wir haben
Wir halten uns fest, versuchen es zu wagen
Der Hoffnung einen neuen Namen zu geben
Den steinigen Weg mit Zuversicht zu ebnen
Statistiken und Mathe, was soll das denn schon heissen?
Wir wollen dich den tötenden Krallen entreissen
Du bäumst dich nochmal auf, kämpfst mit aller Kraft
Versuchst dich zu befreien aus der Krankheitshaft
Das Monster gewinnt, doch deine Seele findet Frieden
Du bist bei uns, für immer und in Liebe.

Das launische Leben spuckt uns manchmal vor die Füsse
Die rieselnde Zeit schickt uns fiese Todesgrüsse
Die fragende Vergangenheit zupft an uns’rer Schuld
Die traurige Gegenwart erschöpft uns’re Geduld

Wir, deine Kinder, brauchen dich noch
Wir, deine Family, vermissen dich doch
Wir, deine Liebsten, wollen dich sehn
Vater, warum musstest du schon gehn?

Im Andenken an meinen Vater, der im Alter von nur 62 Jahren am 23.3.2010 diese Welt verlassen hat, nachdem ihm nur 6 Monate Zeit blieben, gegen einen tobenden Hirntumor zu kämpfen. Eine harte Zeit, die jedoch auch voller schöner Momente war. Eine Zeit, in der wir erleben konnten, was Familie, Liebe und bedingungsloser Zusammenhalt bedeutet. Ich habe noch nie etwas über dieses Thema geschrieben, nur mal versucht, auf einem Post-it-Zettel ein paar schöne Erinnerungen in Stichworten zu notieren. Vor ein paar Tagen, im Flieger von Bali zurück nach Zürich, ist es mir das erste Mal gelungen, einige Zeilen zu schreiben. Es fühlt sich gut an. RIP Daddy.

Mein Vater, als er jung war.

Vergangen

10 Nov

Habe dieses Gedicht kürzlich geschrieben. Nicht weil ich aktuell unter Liebeskummer leide. Aber die Worte fliessen dann, wenn sie fliessen wollen. Da hab ich nicht so einen Einfluss drauf.

Hier nun Teil eins. Im zweiten Teil (der vielleicht irgendwann auch aus meiner Feder fliesst), wird es darum gehen, wie aus verbrannter Erde wieder ein schönstes Paradies entstehen kann. Also eigentlich ein positives Gedicht.

Ein Stich im Herzen
die Seele in Schmerzen
Das Glück vergangen, zerschlagen, geschunden
Was begonnen zerronnen, weit weg verschwunden.

Stillstand Stillstand – ein Kreis ohne Ende
Ein Kampf durch raues schneidendes Gelände
Verschwitzt und gehetzt
Die Liebe in Stücke zerfetzt.

Am Boden zerschellt liegt die Welt
in Scherben, zerbrochen, zersplittert
Wie ein Baum vom Blitz getroffen
verkohlt und verwittert.

Poem – Inner Journey

7 Nov

I wrote this poem last year, when I was sufferin a bit of a broken heart and thus feeling melancholic… German version below…

Inner Journey

My soul wanders along a winding trail
It’s destination unknown, hidden behind a misty veil
At times, the path is dipped in rays of sun, promising joyful delight,
Thereupon it’s dark and rocky, black, forever night.
My soul, however, carries on steadily, one step at a time
Over rough and smooth, following a silent chime.

To follow this soft melody, to nurture this songs seed
Is my souls quest, wherever the journey might lead.

Innere Reise

Die Seele wandert entlang gewundener Pfade
Das Ziel im Nebel, unbekannt und vage
Bald leuchted der Weg, ist und bunt und Freude versprechend
Alsdann ist er dunkel, voll Steine, schwarz und brechend
Doch tragen sie die Füsse sicher immer weiter
Bringt die Seele voran wie ein starkes Pferd seinen hehren Reiter
So fühl ich in meinem Leben die innere Reise
Lass mich leiten durch Höhen und Tiefen, ob laut oder leise

Die Reise ist hier in mir
Aber auch Aussen und draussen
Sie wird klein, dehnt sich aus, schwebt und fliegt,
Die Reise, wohin sie auch führt, ist meiner Seele lautes Lied.

(May 2011)

Poem – Lake of Zurich

7 Nov

I wrote this poem when I was sitting at the lake of Zurich on a beautiful warm sunny day. I had an afternoon off and enjoyed the freedom of just strolling around wherever I felt I could experience some nice quiet moments in the middle of town. (German version below)

Lake of Zurich

How splendid the water sparkles, aflame with golden light,
Gleams and glistens, enchanting the dazzling sight,
As i sit there on a rock, calmness and peace unfold.
I think about the lakes stories, the thousands of words untold.
A swan, undisturbed by my thoughts, ruffles it’s snowwhite dress
All the problems in the world, it couldn’t care less.
I look around, all is far away it seems
It is almost as if i’m lost in dreams
And then, I hear the murmur and laughing, peoples voice,
Reality claims my attention back, i have no choice.
Awake and alert i observe the magical water, the deep blue,
It whispers: keep on believing in yourself, as your heart is true!

Zürisee

Wie prächtig der See leuchtet im goldenen Sonnenlicht
Glitzert und glänzt, mit seiner Bläue besticht
Lässt mich ruhig und friedlich fühlen
Meine Augen verweilen, will mich nicht rühren
Ein weisser Schwan putzt in aller Ruhe sein Gefieder
Geniesst der Wellen säuselnde Lieder
So schweift mein Blick umher – auf das Wasser, die Steine und Bäume
Es ist, als sei ich versunken in ferne Träume
Um mich herum hör ich die Leute murmeln und lachen
Es lässt mich plötzlich aus meiner Versunkenheit erwachen
So betrachte ich das magische Wasser mit aufmerksamen Augen
Und siehe da – es zwinkert mir zu und sagt: Hör nicht auf an deine Träume zu glauben

(September 2011)