Neujahr ist immer so eine Sache. Soll man wild feiern? Oder gemütlich zu Hause bleiben? Oder Neujahr gar verschlafen? Oder ignorieren? Dieses Jahr war mir nach „Er-LEBEN“ zu Mute. Deshalb hab ich vier Tage vor Jahresende ungeachtet der horrenden Ticketpreise einen Flug nach Barcelona gebucht. Da teure Hotelübernachtungen mein Budget definitiv gesprengt hätten, hab ich auf Couchsurfing nach einem kostenlosen Sofa gestöbert und auch gleich eines gefunden. Eine super Sache, die nicht nur den Geldbeutel schont, sondern auch gleich direkt Kontakte zu Locals schafft.
Leicht bepackt machte ich mich am 30.12.2013 abends auf den Weg zum Zürcher Flughafen. Wie erwartet hatten Tausende von Leuten die gleiche Idee und so herrschte ein reges Treiben. Vueling, bekannt dafür, Flüge zu überbuchen (hab ich mir sagen lassen) hat auch an meinem Abflugtag nicht enttäuscht: Ein Aufruf an Freiwillige, die erst am nächsten Morgen früh fliegen würden, bestätigte dies. Angeboten wurde eine Übernachtung im Hotel und eine Entschädigung von EUR 250. Lange überlegen musste ich nicht, denn Zeit hatte ich ja zur Genüge.
Eine gute Entscheidung. Nicht nur wegen des Geldes, denn eigentlich hat sich das Ganze wegen des unglaublichen Zeitaufwandes (2 h für alles Administrative, Umsteigen in Madrid, noch mehr Adminitratives in Spanien) gar nicht gelohnt, aber wegen meiner Mitfreiwilligen. Zwei hochinteressante Menschen, die durch ihre (harten und schmerzhaften) Erlebnisse in ihren Leben eine extrem positive Lebenseinstellung gewonnen haben. Inspirierende Begegnungen und ich hoffe, dass sich dieses erste Zusammentreffen zu einer fortdauernden Freundschaft entwickeln wird.
Am letzten Jahrestag abends habe ich meine beiden guten Bali-Freunde Gilles und Jordi getroffen. Wir gingen erstmal gemütlich in einem kleinen, charmanten, von Einheimischen frequentierten Restaurant essen. Eine Augenweide und eine Gaumenfreude war es.
Traditionellerweise schlagen zu Neujahr um Mitternacht die Glocken zwölfmal und zu jedem Glockenschlag ist eine Traube zu essen. Wir standen also kurz vor Mitternacht auf einem grossen Platz, in Erwartung eines Countdowns, der Glockenschläge und des Feuerwerkes, Trauben zum runterschlucken parat. Da Jordis Mutter erbarmen mit uns armen Touristen (Gilles und mir) hatte, die sich ja nicht gewohnt waren, so rasch so viele Trauben zu essen, hat uns diese geschält und entkernt.
Barcelona, eine Millionenstadt, ist doch überschaulich geblieben. Das Zentrum ist gut zu Fuss zu erkunden und so bin ich bestimmt mindestens gefühlte 10’000 km in meinen neuen (und einen Tick zu kleinen) Schuhen durch alle Gassen gelaufen. Liebhaber von alter Architektur kriegen hier einiges fürs Auge geboten: Wunderschön gestaltete, verschnörkelte und bemalte Fassaden, Antoni Gaudis Werke und pompöse Kathedralen und Stadtgebäude.
In den engen Gassen sind Holztore und Eisenstore mit vielerlei Sprayereien „geschmückt“. Diese Kunstwerke sind zwar von wechselnder Qualität, tragen jedoch massgeblich zum Charme der Altstadt bei.
Auch kulinarisch hat Barcelona definitiv Köstliches zu bieten: Verschmäht man die stark frequentierten Touristenrestaurants auf der Shopping-Meile „La Ramblas“ oder in den grösseren Gassen und wendet sich stattdessen unscheinbaren einheimischen Tavernen zu, wird der Gaumen bestimmt staunen. Vollgeproppt mit Spaniern, teils mit Plastik-Stuhl-Charme, wird vergnügt Berge von Tappas verdrückt und dazu das leckere spanische Bier „Estrella“ getrunken. Das Bier gibts sogar in Frauen-Grösse, nämlich in 2 dl Flaschen, was es zu meinem Lieblingsbier für das Jahr 2014 macht.
Eine weitere Leckerei sind die „Churros“. Es scheint mir, dass diese traditionellerweise mit Chocolate und viel Sahne genossen werden. Eine Kalorienbombe sondergleichen, aber ein „Muss“ auf jedem Spanientrip. Meine Geschmacksnerven waren auf jeden Fall absolut verzückt.
Da der Wellengott einigermassen gnädig gestimmt war, hat er sogar ein paar Miniwellen nach Barcelona geschickt. Da ich auf ein kleines Surfvergnügen gehofft hab, hatte ich auch meinen Neoprenanzug mit dabei. Eine halbe Stunde und ein paar kleinen Wellen im kalten Wasser später war ich glücklich und hatte das Jahr 2014 zu einem guten Jahr deklariert.
Prost Neujahr!








