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Gegangen

3 Mär

Die Sekunde, der Schock, die ernsten Gesichter
Weisser Raum, weisse Kittel, grelle Lichter
Eine einzige Sekunde verändert die Zeit
Eine einzige Sekunde birgt soviel Leid
Im Kopf, schwarze Monster, wuchern und fressen
Nichts kann sich je mit ihrem Fresswahn messen
Maximal ein Jahr, lassen wir uns sagen
Kann man so denn noch Hoffnung tragen?
OP, Chemo, ein Drogenberg
Tausende von Franken, Lebens-Wert?
Verzweiflung, Wut, schwarze Tränen in Strömen
Wir flehen Gott an, doch der ist nur am Gähnen
Niemand kann helfen, guter Rat ist selten
Alleine gelassen in anderen Welten
Alles ist Shit, was sollen wir nur machen
Sollen wir dem Krebs ins Gesicht reinlachen?

Das launische Leben spuckt uns manchmal vor die Füsse
Die rieselnde Zeit schickt uns fiese Todesgrüsse
Die fragende Vergangenheit zupft an unsrer Schuld
Die traurige Gegenwart erschöpft unsre Geduld

Vater, warum lächelst du noch immer?
Vater, hast du keinen Hoffnungsschimmer?
Vater, hast du keine Angst vor dem Gehn?
Vater, kannst du denn den Tod schon sehn?

Die Sprache verschwindet, das Leben wird schwerer
Dein Körper wird dünner, dein Geist immer leerer
Und doch bist du da, stark bis zum Schluss
Du zeigst uns deine Liebe, gibst uns einen Kuss
Der Tod schwebt über dir, mit ihm ist nicht zu scherzen
Der Tod und die Sense, sie sind nicht auszumerzen
Die Zeit ist begrenzt, sie ist das Schönste was wir haben
Wir halten uns fest, versuchen es zu wagen
Der Hoffnung einen neuen Namen zu geben
Den steinigen Weg mit Zuversicht zu ebnen
Statistiken und Mathe, was soll das denn schon heissen?
Wir wollen dich den tötenden Krallen entreissen
Du bäumst dich nochmal auf, kämpfst mit aller Kraft
Versuchst dich zu befreien aus der Krankheitshaft
Das Monster gewinnt, doch deine Seele findet Frieden
Du bist bei uns, für immer und in Liebe.

Das launische Leben spuckt uns manchmal vor die Füsse
Die rieselnde Zeit schickt uns fiese Todesgrüsse
Die fragende Vergangenheit zupft an uns’rer Schuld
Die traurige Gegenwart erschöpft uns’re Geduld

Wir, deine Kinder, brauchen dich noch
Wir, deine Family, vermissen dich doch
Wir, deine Liebsten, wollen dich sehn
Vater, warum musstest du schon gehn?

Im Andenken an meinen Vater, der im Alter von nur 62 Jahren am 23.3.2010 diese Welt verlassen hat, nachdem ihm nur 6 Monate Zeit blieben, gegen einen tobenden Hirntumor zu kämpfen. Eine harte Zeit, die jedoch auch voller schöner Momente war. Eine Zeit, in der wir erleben konnten, was Familie, Liebe und bedingungsloser Zusammenhalt bedeutet. Ich habe noch nie etwas über dieses Thema geschrieben, nur mal versucht, auf einem Post-it-Zettel ein paar schöne Erinnerungen in Stichworten zu notieren. Vor ein paar Tagen, im Flieger von Bali zurück nach Zürich, ist es mir das erste Mal gelungen, einige Zeilen zu schreiben. Es fühlt sich gut an. RIP Daddy.

Mein Vater, als er jung war.

Bürogummi

27 Feb

Unsinngedicht Nr. 1:

Im Sand am Strand
Surfbrett in der Hand
Der Blick auf die Wellen gerichtet
Alle Gedanken an die Arbeit vernichtet
Der Schweiss rinnt in Strömen runter
Bier und Magnum machen mich wieder munter
Ein bisschen Unsinn schreiben liegt auch drin
Denn Bali und die Hitze sind nicht schlimm
Da kommt mir gerade siedend heiss in den Sinn:
Schlimm ist, dass ich ein Bürogummi bin.

Geschrieben heute Mittag, nach einem super tollen Surf und einem Blick auf das heutige Datum. Das heutige Datum… Unglaublich nah an meinem Rückflug zurück in die Schweiz, zurück an meinen Bürotisch, zurück in ein geregeltes Arbeitsleben. Na Prost dann, ich geh jetzt erst mal was essen und mich massieren lassen.

Am Ende der Welt

5 Feb

Am Ende der Welt wo der Anfang beginnt
Am Ende der Welt wo die Zeit nicht verrinnt
Da sitze ich mit baumelnden Beinen
Sitze da und lass meine Gedanken reimen

Kann man am Ende der Welt noch weitere Schritte gehen?
Kann man am Ende der Welt noch weitere Horizonte sehen?
Oder ist die Welt genug der Welt, brauchen wir keine Neue?
Wenden wir uns ab oder halten wir ihr die Treue?

Am Ende der Welt wo nichts alles ist
Am Ende der Welt wo Wissen alles vergisst
Da sitze ich mit träumenden Augen
Sitze da und lass mir meine Sorgen rauben

Kann man am Ende der Welt einfach stehen bleiben?
Kann man am Ende der Welt den Stillstand vermeiden?
Oder ist die Ruhe genug der Ruhe, brauchen wir keine Eile?
Rennen wir rum oder bewegen wir uns mit Weile?

Am Ende der Welt wo Fragen Antworten sind
Am Ende der Welt wo wir denken wie ein Kind
Da sitze ich gemütlich auf dem Weltenrand
Sitze da und denke allerhand

Geschrieben heute nach Mitternacht, als ich schon längstens im Bett schlummern sollte.

Schwarzweiss

10 Jan

Die Freuden des Lebens liegen manchmal verborgen
Unter Tonnen begraben, bestückt mit Sorgen
Die Freuden des Lebens sind manchmal verschwunden
Um sie herum ein dunkles Netz gewunden

Träume, vor der Sonne versteckt, huschende Ratten
Träume, in den Tiefen der Nacht, umgeben von Schatten
Scherben, scharfe Kanten, du blutest rotes Leben
renn‘ so schnell du kannst, deine Träume sind vergeben.

Es ist als schwebst du hilflos unter Wasser
Die Luft wird knapp, die Seele immer nasser
Das Licht scheint an der Oberfläche, unerreichbar fern
Und dennoch hast du das Leben so unglaublich gern.

Deshalb jagst du die Schattengedanken hinfort
Kämpfst dich zurück ins Leben, Wort um Wort
Schreibst deine Gedanken auf, Musik in den Ohren
Die Schattengedanken können dir nicht mehr drohen.

Lächeln.
Lachen.
Kopfschütteln.
Noch mehr Lachen.

Schon liegen die Freuden des Lebens wieder vor deinen Füssen
Sie waren nur kurz fort, lassen freundlich grüssen.
„Was warst du bloss so verzweifelt“ fragen sie dich
Wir lassen dich doch niemals einfach so im Stich

Trockne deine nasse Seele, lass sie wärmen
Von der warmen Sonne umschwärmen
Auch deine Träume waren nie versunken
Vielleicht nur ein wenig von deiner Traurigkeit betrunken.

Das Leben besteht aus Bergen und Tälern
Du solltest es durch Nichts und Niemanden schmälern
Das Leben besteht aus Tag und Nacht, das sag ich dir.
Ich sag es nicht nur dir, ich sag es auch mir.

Heute geschrieben aus einer Laune heraus. Weil vieles so ist, wie ich es gerade nicht will… Und mein Leben doch trotzdem so viel Schönes birgt. Lachen ist die beste Medizin.

Ausgeträumt

7 Jan

Es war einmal, da schwebte ein kleiner Gedanke durch die Luft
Er hatte jemanden rufen hören und folgte seinem Duft
Der kleine Gedanke spitzte seine Ohren und reckte seine Nase
Er fand sie alle – duftende Traumseifenblase um Traumseifenblase
Bis er den Träumenden erreichte und in seinem Kopf versank
Ihn mit einer grossen Idee betrank
Und wachte der Schlafende nach diesem Besäufnis auf
Da begann der Traum seinen rasenden Lauf
Auf Beinen fest mit der Gegenwart verbunden
Ist er flink in die Wirklichkeit entschwunden.

Eines meiner älteren Gedichte, geschrieben im Februar 2012…

Grenzgänger

6 Jan

Eine Linie, gerade oder verknäuelt
Eine Linie, dünn oder breit
Eine Linie, egal welche Form.
Eine Linie, eine Grenze.

Geh ich links oder rechts davon?
Oder gar darauf?
Ist sie überhaupt da?
Oder ist sie eine Täuschung?
Kann ich sie wegwischen?

Eine Linie, gerade oder verknäuelt
Eine Linie, dünn oder breit
Eine Linie, egal welche Form.
Eine Linie, eine Grenze.

Was ist, wenn sie verschwindet?
Immerhin gibt sie Halt.
Die Linie.
Die Grenze.
Egal welche Form.

Geschrieben heute. Mit müden Augen. Es ist vier Minuten vor Mitternacht…

Zwischenwelt / In between worlds

18 Dez

Mönche im orangenen Gewand
Entlang dem Strassenrand
Die Körbe für Almosen ausgestreckt
Die Hälse der Touristen weit gereckt
Die Orangenen gleichmütig
Die Menge fotowütig
Die aufdringlichen Verkäuferinnen gierig.
Die Frage nach Moral schwierig.
Alsbald die Mönche von der Dämmerung verschluckt
Ist die Welt zurück in die Realität gerückt.

Geschrieben in Laos, nachdem ich Teil des Schauspiels war, wie Mönche jeden Morgen früh ihre Tour durch die Strassen von Luang Prabang machen. Als Gebende, als Fotowütige und als Kritisierende. Beschämt, dem Drang nachgegeben zu haben, diesen Moment fotografisch verewigen zu wollen und geehrt, Zeuge dieses ehrwürdigen Zeremoniells gewesen zu sein.

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Monks in orange robes
Walk on city roads
Baskets streched out, asking for alms
Tourists craning necks, no qualms
Scholars, even minded and serene
Tourists shooting pictures, upfront mean
Pushy vendors, greedy day in and day out
Morals and ethics? A delicate subject, no doubt
The monks, soon swallowed by the morning light
Make the world change back into reality’s sight.

Written after experiencing the beautiful morning ceremony of the monks in Luang Prabang, Laos. Giving them alms myself, craning my very own neck, taking pictures and criticizing it all at the same time. Ashamed to have given in to the urgence of wanting to perpetuate those moments and highly honored to have been given the chance to witness that sacred event.

Leben

6 Dez

Ich renn barfuss durch den Regen um lauthals zu lachen
Ich tanz wild durch die Nacht und lass es ordentlich krachen
Ich steig in den Flieger und reis 10’000 Meilen
um ein paar kostbare Tage mit dir zu teilen
Ich erlaube mir, glücklich zu sein, eine rosa Brille zu tragen
Ich erlaube mir zu geniessen ohne zu fragen
Ich möchte grenzenlos denken und bunt träumen
keine Facette des verrückten Lebens versäumen
Ich schwimm nicht mit oder gegen den Strom
nein, ich klink mich kurz aus, verharre in Ruhe
Suche mich in meiner inneren Truhe
Darin finde ich mich und die Freude am Leben
Sie gibt mir Sinn und Kraft nach mehr zu Streben
mich auf eine neue Reise zu begeben.

Das Leben ist zu kurz um in der Vergangenheit zu hängen.
Das Leben ist zu kurz um sich in der Zukunft zu verfangen
Die schönsten Dinge auf der Welt kann man nicht erklären
sondern nur mit dem Herzen sehen und hören.

Dürfen wir uns erlauben, unvollkommen zu sein?
Dürfen wir uns erlauben, albern zu sein?
Gib dem Leben die Hand und lass dich überraschen
lass das Leben deine Geschichte verfassen
Steig auf hohe Berge um zu staunen
Höre die Wolken Lieder raunen
Reise mit dir und mir in die Nähe und Ferne
Greif mit beiden Händen nach dem Licht der Sterne.
Kann man nicht den Ozean in einer Nussschale überqueren?
Darf man Bäume umarmen und Blumen verehren?
Dürfen wir in Musik und Worten versinken?
Uns mit dem grössten Unsinn betrinken?

Das Leben ist zu kurz um in der Vergangenheit zu hängen.
Das Leben ist zu kurz um sich in der Zukunft zu verfangen
Die schönsten Dinge auf der Welt kann man nicht erklären
sondern nur mit dem Herzen sehen und hören.

Verfasst von mir, heute nach Mitternacht, mit Chang-Bier im Blut und Curry im Bauch, in Zürich. For T.T.

Einfach so

28 Nov

Mein Herz treibt mich mitunter zu wunderlichen Taten
Da mag mein Kopf noch tausendmal raten
Was mich wohl zu solcher Unvernunft treibt?
Es ist das Leben, das die Geschichten schreibt.

Mein Herz lässt mich Verrücktes machen
Da mag mein Kopf noch tausendmal Lachen
Was mich wohl zu solcher Unbeschwertheit verleitet?
Es ist das Leben, das spontane Wege beschreitet.

Das Leben, kunterbunte Wundertüte.
Das Leben, farbige blühende Blüte.

Vom Träumen und Suchen

27 Nov

Das letzte Mal, als ich auf Reisen ging, hab ich von einer meiner Arbeitskolleginnen ein Gedicht gekriegt, das mich sehr berührt hat. Heute ist es mir wieder in den Sinn gekommen, während ich über meine Träume und Wünsche nachgedacht hab. Zusätzlich ist das Fernweh stark, meine Gedanken sind ständig woanders als hier, wo ich bin und wo mein Fokus auch liegen sollte…

Von Isolde Kunz:

Über ein Glück, das Du flüchtig besessen,
tröstet Erinnern, tröstet Vergessen,
tröstet die alles heilende Zeit.
Aber die Träume, die nie errungen,
nie vergessen, nie bezwungen,
nimmer verlässt Dir ihr sehnendes Leid.

Und da sind mir, wieder mal in der sonnigen Mittagspause, ein paar Worte eingefallen.

Ich.
Zürich.
Die Schweiz.
Europa.
Die Welt.
Das Universum.
Unendlichkeit.

Ich.
Klein.
Winzig.

Und doch ich.
Auf der Suche.
Nach mir.