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Perspektive

4 Mär

Mit den Augen eines Kindes
Unschuldige Welt
Mit den Augen eines Kindes
In Träume getaucht

Tausend Gefühle
Springen mich an
Ein Monster im Schafspelz
Gigantische Flutwelle

Oder eine Quelle?

Geschrieben am 25.12.2014… Habe das Gedicht zufälligerweise jetzt, über zehn Jahre später in meinen Notizen gefunden. Keine Ahnung mehr, was da war, was ich gedacht oder gefühlt habe. Aber auch heute finde ich es immer noch wahr: Man kann etwas als einen Fluch oder einen Segen sehen. Ich entscheide mich für den Segen.

Heilung

5 Okt

Dein Innerstes von der Vergangenheit verzerrt,
im Käfig gefangen.
Keine Bewegung möglich,
eine Schutzmauer, die doch nur Gutes will.

Grenzen verletzt.
Der Geist gehetzt.
Der Körper entfremdet.
Die Hoffnung verendet.

Dein Innerstes mit neuer Vergangenheit geheilt,
dem Käfig entschwunden,
in Bewegung tanzend,
eine Schutzmauer, die es nicht mehr braucht.

Grenzen neu gestaltet,
der Geist nun inne haltend,
der Körper in Vertrauen getaucht,
die Hoffnung nie verbraucht.

Geschrieben kürzlich nach einer Sitzung, in welcher meine Klientin als Grund für ihr aktuelles Problem eine frühere Vergewaltigung erkannt hat. Sie ging mit einem Lächeln und hat auch danach wunderbare neue innere Bilder erlebt, mit welchen Sie das Trauma, welches sie bereits psychologisch aufgearbeitet hat, auf eine ganz neue heilende Art verarbeiten konnte.

Der Panther – von Rainer Maria Rilke

29 Jun

Als ich kürzlich in meinen alten Kisten, die im Keller lagern, herumgewühlt habe, habe ich mein Literaturbuch aus dem Deutschunterricht meiner Berufsmaturitätszeiten gefunden. Wie musste ich Grinsen. Ich blätterte darin herum und sah, dass ich damals (huch, schon ca. vor 16 Jahren war das) sogar fleissig viele Textstellen markiert und viele Randnotizen verfasst habe. Und als ich so im Buch stöberte, zog mich eine Seite besonders an und ich schaute genauer hin. Wieder einmal bin ich auf ein Gedicht von Rilke gestossen, das mich tief berührt. So richtig mitten im Herzen.

Der Panther
Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein grosser Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf-. Dann geht ein Bild hinein,
geht dur der Glieder angespannter Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

Zeit

27 Mai

In der Leere der Zeit
immer bereit
mehr Sinn zu geben
mehr Raum zu lassen
tausend Minuten zu verprassen

Im Sturm der Zeit
immer bereit
in der Ruhe zu stehen
inneren Frieden zu erlauben
an dich zu glauben

Im Schatten der Zeit
immer bereit
einen Schritt vorwärts zu machen
vergnügt zu rennen
vor Leidenschaft zu brennen

In der Mitte der Zeit
immer bereit.

Geschrieben heute nach 1 Uhr morgens, hellwach im Bett liegend, meditierend. Irgendwie schön, nach so langer Schreibruhe die Zeit für ein kleines neues Gedicht wieder gefunden zu haben.

Verborgen

8 Okt

Enttäuschungen verschwinden, wenn Erwartungen verblassen
Der Geist ist zufrieden, harmonisch und gelassen
Klingt nach Utopie, wie kann es anders sein
Erwartungslosigkeit ist auch nur Trug und Schein
Lass mich zurück, der Leere ausgeliefert
Von Verpflichtungen immer nur angewidert
Vom Freiheitsdrang zu Zweifeln verleitet
Das Reisen dir zuviel Freude bereitet
Das eigene Selbst ist auf dem Podest ganz oben
Ich werde von dir um dich betrogen
Du gibst mir zwar Gesellschaft und deine Zeit
Zweifelsohne eine echte Kostbarkeit
Doch der Schlüssel zu dir ist gut verborgen
Das Schloss dazu gar rostig geworden.

„Egal“ sagt eine Stimme
„Egal“ sagt eine andere
„Egal“ sagen alle
„Egal“ ist das Lied

„Egal“ denke ich
„Egal“ denkst du
„Egal“ denken alle
„Egal“ ist der Trieb

Die Vergangenheit kommt laut angedrängelt
Die Zukunft leise angeschlängelt
Dann klopft die Gegenwart lautstark an
An dem ganzen Knäuel ist einfach zu viel dran.
Entzaubert, erstarrt, dem Rhythmus entnommen
Das Wesentliche verhüllt, verklärt und verschwommen
Wo ist der Kern, der weisse Diamant
Geschliffen und glänzend, nie verbrannt
Gefangen und verheddert im Netz der Zeiten
Versunken im Schlamm alter Wirklichkeiten
Verschmiert vom Nebel künftiger Sorgen
Und doch: auf jedes Heute folgt ein nächstes Morgen

„Warum?“ fragt eine Stimme
„Warum?“ fragt eine andere
„Warum?“ fragen alle
Die Antwort ist das Lied

„Warum?“ denke ich
„Warum?“ denkst du
„Warum?“ denken alle
Die Suche ist der Trieb

Geschrieben am 27. Februar 2014 in Bali, nachdem ich nach einer gemeinsamen Zeit die letzten zwei Tage noch alleine da war und der Wahrheit ins Auge schauen musste. Und doch blieb Hoffnung. Viel Zeit ist mittlerweile vergangen und – wie sagt man so schön – Zeit bringt Rat. Und unser beider Weg hat sich nun vor uns aufgetan. Wir schauen beide in verschiedene Richtungen und gehen unseren Weg. Ich werfe einen Blick zurück und was ich sehe, erfüllt mich einerseits mit Wehmut und andererseits jedoch mit Zufriedenheit. Eine verlorene Liebe, eine verlorene Freundschaft: UND DOCH: Eine gute Zeit, eine wertvolle Zeit, trotz vieler Hürden. Deshalb: DANKE! Und dann schau ich wieder nach vorn. Vor mir liegt ebenfalls Hoffnung, Glück, Liebe. Mit raschen Schritten gehe ich darauf zu…

Drei Gedichte von Rainer Maria Rilke

19 Sept

Hab schon lange nichts mehr geschrieben und auch schon lange nichts mehr gedichtet. Heute habe ich drei Gedichte von Rainer Maria Rilke gelesen, die mir besonders nahe ginge. Warum? Weil ich rund um mich herum sehe, wie viele Leute (inklusive ich manchmal) mit ihrem Leben kämpfen. Die vielen Warums, Wieso, Wie, Wann, Wo. Statt sich einfach vom Leben tragen zu lassen und nicht immer Antworten und Sinn zu suchen.

Träume, die in deinen Tiefen wallen

Träume, die in deinen Tiefen wallen,
aus dem Dunkel lass sie alle los.
Wie Fontänen sind sie, und sie fallen
lichter und in Liederintervallen
ihren Schalen wieder in den Schoß.

Und ich weiß jetzt: wie die Kinder werde.
Alle Angst ist nur ein Anbeginn;
aber ohne Ende ist die Erde,
und das Bangen ist nur die Gebärde,
und die Sehnsucht ist ihr Sinn.

Du musst das Leben nicht verstehen

Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.

Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.

Habe Geduld gegen all das Ungelöste

Habe Geduld
gegen all das Ungelöste
in deinem Herzen und versuche
die Fragen selbst lieb zu haben,
verschlossene Stuben oder ein neues Buch
das in fremder Sprache geschrieben ist.

Forsche nicht nach Antworten,
die dir nicht gegeben sind,
weil du sie nicht leben kannst.

Und darum handelt es sich doch:
alles zu leben. Lebe jetzt deine Fragen!

Vielleicht lebst du dann,
eines neuen Tages ohne es zu merken
in die Antwort hinein.

Windgetöse

29 Mär

Eine zarte Blume wiegt sich im lauen Wind
Und zerreisst in einem wilden Sturm
Ein starker Baum raschelt im lauen Wind
Und zersplittert im Orkangeschrei
Ich steh wie ein Fels im lauen Wind
Und widerstehe der stärksten Bö‘
Im Traum.
Im wahren Leben?

Geschrieben in Zürich am 14.3.2014.

Eine Sekunde – und das Tram ist weg.

15 Mär

Unsinngedicht Nr. 3

1 Sekunde
und das Licht ist aus
1 Sekunde
ich bin zu spät
1 Sekunde
das Tram ist weg

10 Sekunden
ich denke nach
10 Sekunden
ich steh noch immer da
10 Sekunden
ich geh zur Wartebank

100 Sekunden
meine Finger werden kalt
100 Sekunden
mein Hintern auch
100 Sekunden
blödes Tram

1000 Sekunden
ich höre was
1000 Sekunden
das nächste kommt
1000 Sekunden
diesmal steig ich ein.

Kennst du den Moment, wenn du noch einigermassen weit von der Haltestelle entfernt bist, das Tram (die Strassenbahn) kommen siehst, so schnell rennst wie du kannst, deinen Finger ausstreckst, das Licht des Türöffners ausgeht, wenn dein Finger noch genau EINEN Millimeter davon entfernt ist und das blöde Ding vor deiner Nase abfährt? Ah, wusste ich’s doch!

Wenn Worte nur Worte wären…

11 Mär

Worte, Erleichterung
Worte, schwere Last
kratzen an der Oberfläche
sinken tief ein
schnell vergessen
für immer eingebrannt

Worte, Erklärung
Worte, stiften Verwirrung
helfen zu verstehen
verletzen und schmerzen
werfen Fragen auf
schenken Antworten

Worte im Überfluss
Worte fehlen
Sehnsucht nach Aufmerksamkeit
Angst vor Zurückweisung
füllen Leere
glänzen durch Abwesenheit

Worte

Geschrieben während der letzten Stunde der heutigen Weiterbildung, nach einem anstrengenden 13-Stunden-Tag, als ich einfach keine Worte mehr aufnehmen konnte und stattdessen dieses Gedicht gekritzelt hab.

Supersucks

3 Mär

Unsinngedicht Nr. 2:

Mein Blick schweift über die blaue Bucht
Mein Denken eine schwarze Kluft
Die Luft steht still, ist heiss und drückend
Fliege um Fliege die grasenden Kühe schmückend
Das Badezimmer ist der Sand
Das Toilettenpapier die grüne Wasserwand
Meine Freunde sagen, der Spot ist wie ein „Coliflower“
Da überläuft meine Haut ein kühler Schauer
Hermes singt ein Supersucks-Lied, nachdrücklich und laut
So dass es mich fast vom Stuhl runterhaut
„Supersucks really sucks“ meint er, da muss ich lächeln
Und mir gleichzeitig ganz viel Luft zufächeln
Der Schweiss rinnt, die Mücken stechen, die Fliegen surren
Doch für das schöne Surferleben erträgt man alles ohne Murren.

Geschrieben am 8. April 2012 in Sumbawa beim Surfspot „Supersucks“, irgendwo im Nirgendwo, keine Welle weit und breit.

Wenn die Welle läuft, sieht es so aus:

Supersucks