Archiv | Short Trips RSS feed for this section

Flughafen, oh du holder Flughafen!

20 Apr

Gewisse Dinge ändern sich nie.

Zum Beispiel, dass ich für günstige Flugtickets immer Umwege fliegen muss (diesmal über Stuttgart, gefühlte 5 Flugminuten von Zürich entfernt, über meinen CO2-Fussabdruck will ich gar nicht nachdenken), dass ich immer viel zu früh am Flughafen bin (ich habe manchmal so unangenehme Alpträume, in denen ich aufgrund diverser Umstände erfolgreich davon abgehalten werde, rechtzeitig den Flieger zu erwischen), dass ich schon vor dem Start und bis zur Landung ins traumlose Schlafkoma falle (ohne Pillen, wohlverstanden) und dass ich die Transferzeiten dazu nutze, Blogeinträge zu schreiben. Solche Gewohnheiten haben aber auch etwas Schönes an sich, etwas heimeliges. Der Flughafen, egal welcher, wird so zu meinem Manchmal-Zuhause.

In Stuttgart sind mir die bis anhin schlecht gelauntesten Sicherheitskontrolleure untergekommen, die mir je in einem Flughafen begegnet sind. Und ich war schon in vielen Flughäfen. Die freundlich formulierte Frage der Dame hinter mir, ob sie ihren Gürtel ebenfalls ausziehen muss, wurde mit einem ruppigen „ziehen Sie erstmal Ihre Jacke aus, dann schauen wir weiter“ beantwortet, andere Passagiere wurden mit „warten Sie jetzt doch mal“ angeherrscht, dann stritt sie sich mit dem Sicherheitsmann hinter der Kontrolle, weil der anscheinend zu langsam war. Dieser stritt sich dann gleichzeitig mit seiner Mitarbeiterin über die Gründe, weshalb es nicht vorwärts geht und mit einem Passagier über den zulässigen und nicht zulässigen Inhalt seines Kulturbeutels. Die Diskussion war auch nach 10 Minuten noch immer in Gange. Streitlust pur.

Wenn ich es mir so überlege, fände ich es sowieso schrecklich, Flughafenmitarbeiter zu sein. Ständig verreisen alle irgendwohin während einem Passagier für Passagier vor Augen hält, dass man nicht zu diesen glücklichen Menschen gehört. Wo wäre da wohl die Anzeige in meinem Launenbarometer angesetzt?

Zum Glück sitze ich auf der anderen Seite des Zaunes und warte auf meinen Anschlussflug. In Palma muss ich dann noch meinen Transferbus finden, der mich 2h lang quer über die ganze Insel kutschiert und dann: Darf ich endlich wieder Sand zwischen meinen Zehen und Salz auf den Lippen spüren.

Was sind deine skurrilen, lustigen, anstrengenden oder schönen Flughafenerfahrungen?

P.S. Mein Gepäckstück kam nicht an. Bis jetzt (22:25 Uhr) habe ich mich mit dem Gedanken abfinden müssen, mit einem Paar Unterhosen, einer Jeans, einem Shirt, einem Pullover und meiner Zahnbürste ein Sport-Trainingslager überstehen zu müssen. Ich war extremst gelassen über diesen Umstand, muss ich stolz bemerken. Aber: Ende gut Alles gut. Meine Tasche wurde gefunden und wird mir morgen zugestellt. Ein Hoch auf die moderne Tracking-Technik!

P.P.S.

Und so hat es heute Abend vor meiner Haustüre ausgesehen:

Barcelona Beauty

8 Jan

Neujahr ist immer so eine Sache. Soll man wild feiern? Oder gemütlich zu Hause bleiben? Oder Neujahr gar verschlafen? Oder ignorieren? Dieses Jahr war mir nach „Er-LEBEN“ zu Mute. Deshalb hab ich vier Tage vor Jahresende ungeachtet der horrenden Ticketpreise einen Flug nach Barcelona gebucht. Da teure Hotelübernachtungen mein Budget definitiv gesprengt hätten, hab ich auf Couchsurfing nach einem kostenlosen Sofa gestöbert und auch gleich eines gefunden. Eine super Sache, die nicht nur den Geldbeutel schont, sondern auch gleich direkt Kontakte zu Locals schafft.

Leicht bepackt machte ich mich am 30.12.2013 abends auf den Weg zum Zürcher Flughafen. Wie erwartet hatten Tausende von Leuten die gleiche Idee und so herrschte ein reges Treiben. Vueling, bekannt dafür, Flüge zu überbuchen (hab ich mir sagen lassen) hat auch an meinem Abflugtag nicht enttäuscht: Ein Aufruf an Freiwillige, die erst am nächsten Morgen früh fliegen würden, bestätigte dies. Angeboten wurde eine Übernachtung im Hotel und eine Entschädigung von EUR 250. Lange überlegen musste ich nicht, denn Zeit hatte ich ja zur Genüge.

Eine gute Entscheidung. Nicht nur wegen des Geldes, denn eigentlich hat sich das Ganze wegen des unglaublichen Zeitaufwandes (2 h für alles Administrative, Umsteigen in Madrid, noch mehr Adminitratives in Spanien) gar nicht gelohnt, aber wegen meiner Mitfreiwilligen. Zwei hochinteressante Menschen, die durch ihre (harten und schmerzhaften) Erlebnisse in ihren Leben eine extrem positive Lebenseinstellung gewonnen haben. Inspirierende Begegnungen und ich hoffe, dass sich dieses erste Zusammentreffen zu einer fortdauernden Freundschaft entwickeln wird.

Am letzten Jahrestag abends habe ich meine beiden guten Bali-Freunde Gilles und Jordi getroffen. Wir gingen erstmal gemütlich in einem kleinen, charmanten, von Einheimischen frequentierten Restaurant essen. Eine Augenweide und eine Gaumenfreude war es.

Traditionellerweise schlagen zu Neujahr um Mitternacht die Glocken zwölfmal und zu jedem Glockenschlag ist eine Traube zu essen. Wir standen also kurz vor Mitternacht auf einem grossen Platz, in Erwartung eines Countdowns, der Glockenschläge und des Feuerwerkes, Trauben zum runterschlucken parat. Da Jordis Mutter erbarmen mit uns armen Touristen (Gilles und mir) hatte, die sich ja nicht gewohnt waren, so rasch so viele Trauben zu essen, hat uns diese geschält und entkernt.

Barcelona, eine Millionenstadt, ist doch überschaulich geblieben. Das Zentrum ist gut zu Fuss zu erkunden und so bin ich bestimmt mindestens gefühlte 10’000 km in meinen neuen (und einen Tick zu kleinen) Schuhen durch alle Gassen gelaufen. Liebhaber von alter Architektur kriegen hier einiges fürs Auge geboten: Wunderschön gestaltete, verschnörkelte und bemalte Fassaden, Antoni Gaudis Werke und pompöse Kathedralen und Stadtgebäude.

Barcelona Gaudi

Barcelona Fassade

In den engen Gassen sind Holztore und Eisenstore mit vielerlei Sprayereien „geschmückt“. Diese Kunstwerke sind zwar von wechselnder Qualität, tragen jedoch massgeblich zum Charme der Altstadt bei.

Auch kulinarisch hat Barcelona definitiv Köstliches zu bieten: Verschmäht man die stark frequentierten Touristenrestaurants auf der Shopping-Meile „La Ramblas“ oder in den grösseren Gassen und wendet sich stattdessen unscheinbaren einheimischen Tavernen zu, wird der Gaumen bestimmt staunen. Vollgeproppt mit Spaniern, teils mit Plastik-Stuhl-Charme, wird vergnügt Berge von Tappas verdrückt und dazu das leckere spanische Bier „Estrella“ getrunken. Das Bier gibts sogar in Frauen-Grösse, nämlich in 2 dl Flaschen, was es zu meinem Lieblingsbier für das Jahr 2014 macht.

Eine weitere Leckerei sind die „Churros“. Es scheint mir, dass diese traditionellerweise mit Chocolate und viel Sahne genossen werden. Eine Kalorienbombe sondergleichen, aber ein „Muss“ auf jedem Spanientrip. Meine Geschmacksnerven waren auf jeden Fall absolut verzückt.

Barcelona Churros full

Da der Wellengott einigermassen gnädig gestimmt war, hat er sogar ein paar Miniwellen nach Barcelona geschickt. Da ich auf ein kleines Surfvergnügen gehofft hab, hatte ich auch meinen Neoprenanzug mit dabei. Eine halbe Stunde und ein paar kleinen Wellen im kalten Wasser später war ich glücklich und hatte das Jahr 2014 zu einem guten Jahr deklariert.

Prost Neujahr!

In zwei Stunden um die Welt…

6 Jan

Wenn man will, kann man auch in zwei Stunden um die Welt reisen. 40’000 km sind das. Hab ich dieses Wochenende gemacht. Nämlich im Musuem Rietberg in Zürich. Ein wunderschönes, riesengrosses Völkerkundemusuem mit Ausstellungsstücken aus aller Welt.

Die Sonderausstellung „Sehnsucht Persien“ bringt dem Interessierten Kunst im persisch-europäischen Dialog (1590 – 1720) sowie Gegenwartskunst aus Teheran nahe. Vor allem beeindruckt war ich von der Klage-/Wunschmauer, die die israelische Klagemauer in Jerusalem und die Grenzmauer zum Gazastreifen verbindet sowie von den kunstvoll drapierten Haaren, die eigentlich die Läufe von Maschinengewehren verdecken. Leider weiss ich nicht mehr, welche Künstlerin das war, aber ich werde es posten, sobald ich die Info gefunden habe. Ich weiss eigentlich auch nicht mehr genau, welche Message die Künstlerin ausdrücken möchte, aber ich weiss, dass ich nur schon vom Anschauen der beiden Objekte extrem bewegt war.

_sehnsucht-persien-101-_1_

Auch die Sammlung, die Ausstellungsstücke sämtlicher Herren Länder zeigte, hatte einige interessante Objekte zu bieten. Vor allem uralte Objekte. Einige davon tausende von Jahren alt und immer noch in einwandfreiem Zustand. Oder 500-jährige Zeichnungen und andere erstaunliche Sachen.

Zum Schmunzeln gebracht hat mich der süsse Hintern von Balakrishna aus Indien (Krishna als Kleinkind) und die erigierten Brüste von Rati, der Göttin der Leidenschaft und Liebe aus Bali, Indonesien.

Ein gut investierter Sonntagnachmittag, obwohl man in den Räumen des Museums nichts vom Sonnenschein mitgekriegt hat.