Der nächste Tag war in Regen ertränkt. Wir nahmen dies zum Anlass, dem Manager des Guesthouses unsere Hoffnung auf Sonnenschein für den nächsten Tag kundzutun, worauf wir die lapidare Antwort „tomorrow never comes“ erhielten. Beim Frühstücken war gute Unterhaltung durch die lustigen Japaner geboten, die schon um 9 Uhr morgens mit der ersten grossen Bierflasche den Tag eingeläutet und dann auch den ganzen Rest vom Tag dem Alkoholkonsum gewidmet haben. Die Bierflaschen wurden alsbald von einer Whiskey-Flasche abgelöst. Dazu lautes Gelächter, japanisches Palaver und ausgiebiges Kartengespiele.
Als die Himmelschleusen für eine Weile genug Wasser ausgeschüttet hatten, haben wir die Chance gepackt, trockenen Fusses ins Dorf zu gelangen. Es war nicht viel los, die Stimmung war ruhig und beschaulich, wir genossen den Frieden. Nach soviel Gemütichkeit stieg abends dann die Lust auf mehr Lärm und Aktivität. Wir gingen deshalb frohen Mutes ins Irish Pub und schlugen uns zu Live-Musik den Bauch mit leckerem (und sehr unasiatischem) Essen voll. In kürzester Zeit haben wir auch eine Menge neuer Leute kennengelernt, darunter einen verrückten Engländer, der wie 14 aussah, eine junge Dame, die mit Mutter unterwegs war und fleissig Party machte (die Mutter war echt super gut drauf), zwei eher wortkarge, jedoch humorvolle Israelis, ein gesprächiger Deutscher und eine gemütliche Bernerin. Nach ausgiebigem Feiern war die gute Mütze Schlaf redlich verdient.
Am darauffolgenden Morgen lachte die Sonne vom Himmel. Es ist erstaunlich, wie Sonne und blauer Himmel aus einem an und für sich schon schönen Ort ein leuchtend grünes Paradies zaubern. Der warme Tag verlangte geradezu nach körperlicher Aktivität und so fuhren wir mit Rädern von zweifelhafter Qualität über Holperstrassen und Waldwege Richtung Berge. Unser Ziel: Höhlen mit Indoor- und Outdoorpool. Gesucht, gefunden. Mit zwei laotischen kleinen Jungs als unsere Führer spazierten wir durch eine atemberaubende Natur. Felder, Wälder, Berge und Teiche in perfektem Zusammenspiel. Meine Augen und meine Kamera konnten nicht genug davon kriegen. Unsere Guides führten uns in den Höhlen durch enge Gänge nach unten, an den Wänden waren Kalksteinklangkörper ausgebildet, die je nachdem, wo man drauf klopfte, verschieden hohe Töne von sich gaben. Man kann es sich als eine Art Höhlenxylophon vorstellen. Am Ende des Ganges dann ein Teich. Ich traute mich rein, fühlte mich aber nicht ganz wohl, denn der Grund war tief und es ist einfach ein bisschen beängstigend, irgendwo unter der Erde im Wasser rumzuplantschen.
Auf dem Rückweg hörten wir vertrautes Gelächter. Ah, auch die lustigen Japaner haben den Weg nach Draussen gefunden. Ich schätze mal, der vorherige Tag war genug des Bierfrönens. Auf dem Rückweg zu unseren Rädern musste ich dringend meine Blase leeren und fand ein einsames Toilettenhäuschen mitten im Feld. Irgendwie rührend, wie die WC-Schüssel einfach so da stand.
In Vang Vieng hatte die touristische Entwicklung bis zum letzten Jahr eine ungesunde Gestalt angenommen: Als Partyhochburg bekannt strömten Massen feierwütiger Trunkenbolde in das kleine Dorf mitten in den Bergen, um Alkohol und Drogen in rauen Mengen zu konsumieren, tagsüber in berauschtem Zustand den Fluss in alten Lastwagenreifen herunterzutreiben und nachts die zahlreichen Bars unsicher zu machen. Das wilde Treiben führte zu wüsten Verletzungen wie Knochenbrüchen und zu nicht wenigen Todesfällen. Nachdem es zu einem traurigen Rekord von 30 Toten innerhalb eines Jahres kam, wurde es den örtlichen Behörden zu bunt. Anfangs letzten Jahres wurden zahlreiche Bars abgerissen oder geschlossen und eine Nachtsperre eingeführt. Vang Vieng soll nicht für unzüchtiges, lästerliches Verhalten berühmt sein, sondern für die gemütliche Atmosphäre und die seltene Schönheit der umliegenden Natur. Vang Vieng verdient tatsächlich den Namen eines aussergewöhnlich schönen Naturparadieses.











