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Eine überraschende Konversation mit einem balinesischen Taxifahrer

24 Mär

An meinem letzten Tag in Bali, das war Ende Februar, liess ich mich von einem balinesischen Taxifahrer an den Flughafen fahren. Hab mit ihm frisch und fröhlich geplaudert und gefragt, warum eigentlich viele Taxifahrer nicht mehr mit Taxameter fahren wollen (eine kleine Geschichte dazu in einem meiner früheren Posts „Bali mit neuen Augen – der erste Tag“.

Anscheinend gehört das grosse Taxiunternehmen Blue Bird einem stinkreichen Indonesier aus Jakarta, der so viel mit dem Unternehmen verdient, dass kürzlich die gesamte Flotte mit neuen bequemem Autos ausgestattet wurde. Die Taxifahrer jedoch verdienen – wie könnte es anders sein – praktisch nichts. Von dem wenigen Geld, dass sie sich pro Tag er-fahren, müssen sie erstens Lizenzgebühren bezahlen, das Benzin ebenfalls und nach einem Tag Gäste rumkutschieren bleibt praktisch nichts übrig. Aus diesem Grund hat er persönlich auch beschlossen, vor einigen Jahren privater Taxifahrer zu werden. Einiges lukrativer.

Da ich mir auch schon viele Male intensiv Gedanken über die Probleme Bali’s aus meiner Sicht gemacht habe, war ich neugierig, wie er als Balinese wohl darüber denkt und hab ihn mit noch mehr Fragen gelöchert.

Die Antworten waren überraschenderweise ganz anders erwartet.

Auf die Frage, wie er den wachsenden Tourismus und die damit verbundene Infrastruktur- und Müllproblematik bzw. die laufende Zerstörung Balis empfindet, meinte er nur lapidar, dass er seit 20 Jahren Fahrer ist, damit seine Familie ernähren kann und die Touristen deshalb toll findet.

Was ihn jedoch sehr beschäftigt, sind ganz andere Angelegenheiten. Zum Beispiel die mangelnde Bereitschaft der balinesischen Regierung, die eigene Kultur zu pflegen und zu schützen. Oder gar deren aktiven Bemühungen, die eigene Kultur zu untergraben.

Es war erst kürzlich oder ist vielleicht sogar noch die Diskussion in Gange, ob die balinesische Sprache von den Schulen verbannt werden soll. Zusätzlich sprechen viele Balinesen mit ihren Kindern nur noch Indonesisch, da sie der Meinung sind, dass das Kind erstens mit mehreren Sprachen überfordert ist (woher kommt das wohl, frage ich mich?) und Indonesisch ja nun die Landessprache ist, also viel wichtiger für Bildung und Karriere.

Ihnen ist vielmals nicht bewusst, dass ein Kind erstens ohne Probleme mehrsprachig aufwachsen kann und zweitens Sprache eine wichtige Grundlage der Kultur und eigenen Identität darstellt sowie Spiegel der eigenen Identität und Kultur ist.

Im weiteren ist die balinesische Sprache – ein äusserst komplexes Konstrukt aus drei verschiedenen Höflichkeitsebenen, die wiederum jede in drei weitere Ebenen unterteilt ist – schon so weit zerfallen, dass die meisten Balinesen heute praktisch nur noch zwei Ebenen beherrschen. Die übliche Umgangssprache und eine Ebene der Höflichkeitssprache. Nur die ältere Generation spricht mindestens drei oder mehrere Ebenen, die sich teils komplett voneinander unterscheiden.

Um kurz abzuschweifen – hier zwei interessante Artikel zum Thema Sprache und Kultur:

http://www.dw.de/sprache-ist-identität/a-3137816

http://www.alumniportal-deutschland.org/deutschland/land-leute/artikel/deutsche-sprache-identitaet.html

Weiter soll der Ogoh-Ogoh verboten werden, da die Regierung Angst vor Gewalt und Randalierern hat. Beim Ogoh-Ogoh, einem karnevalsähnlichen Umzug zum Einläuten des balinesischen Neujahres Nyepi, werden riesige, selbstgebastelte Statuen mitgetragen. Diese verkörpern die bösen Geister, die vertrieben werden müssen. Der Ogoh-Ogoh-Umzug ist nicht nur grosse Touristenattraktion, sondern vor allem ein wichtiges traditionelles, religiöses und auch gesellschaftliches Ereignis, welches tief in der balinesischen Kultur verwurzelt ist. Für meinen Taxifahrer völlig unverständlich, wie die Regierung überhaupt auf die Idee kommen kann, den Umzug verbieten zu wollen.

Auch der sich von der üblichen balinesischen Bauweise entfernende Baustil bereitet ihm einiges an Sorgen. Früher mussten sämtliche neu gebauten Gebäude dem balinesischen Baustil entsprechen. Heute darf gebaut werden, wie man will. Es gibt einige Regeln wie zum Beispiel, dass nicht höher als die Bäume oder nicht näher als 100 – 150 Meter an den Strand hin gebaut werden darf, aber mit den nötigen Beziehungen und Bestechungen können auch diese problemlos umgangen werden. Mein Taxifahrer findet es schade und bedrückend, dass man in vielen Strassen nicht einmal mehr erkennen kann, dass man in Bali ist, sondern irgendwo in Indonesien sein könnte.

Die Einwanderung muslimischer Indonesier billigt er teilweise ebenfalls nicht. Nicht aus religiösen Gründen, sondern weil dem Rest Indonesiens nicht Bali und ihre Traditionen wichtig ist, sondern rein wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen. Auch so wird vor allem in den Städten und dicht besiedelten Gebieten viel von der balinesischen Kultur verdrängt.

Für mich war das Gespräch sehr interessant und aufschlussreich, da mir einmal mehr bewusst wurde, dass Bali nicht nur von den Touristenströmen und daraus resultierenden Problemen belastet ist, sondern sich auch innerhalb der balinesischen und indonesischen Gesellschaft viele Dinge abspielen, die man als Ausländer und auch als Expat nicht einmal mitkriegt.

Ich möchte jedoch an dieser Stelle ebenfalls betonen, dass sich sehr viele Ausländer und auch Einheimische auf vielerlei Weise sehr intensiv um die Lösung oder Verbesserung vieler Problematiken bemühen. Dazu vielleicht bald mehr in einem neuen Post.

Bildnachweis: http://baliskytour.files.wordpress.com/2011/06/ogoh-ogoh.jpg

Bali mit neuen Augen – Rückblick und Reflexion

1 Mär

Die letzten beiden Tage waren einfach nur schön. Die Sonne schien strahlend vom blauen Himmel, das Wasser war glatt, die Wellen klein und sauber. Ich nahm mir viel Zeit für mich. Zeit, einfach zu sein, einfach zu geniessen, über Vielerlei nachzudenken, Bali noch einmal mit allen Sinnen in mich aufzunehmen.

Es ist mir sogar gelungen, einen kleinen Song zu schreiben. Gelernt habe ich von jemandem, der sein Handwerk ohne Zweifel bestens versteht. Vier Stunden Reimen, mit einem bestimmten Beat in den Ohren, leise vor mich hinmurmelnd, bis alles gestimmt hat. Es war und ist eine unglaubliche Befriedigung, als ich fertig war und noch ein letztes Mal die Worte mit dem Beat sprach.

Das Schreiben, ob in Form eines Textes, Gedichtes oder Liedes ist eine Art der Verarbeitung von Emotionen, die sehr tiefgreifend für mich ist, mir sehr viel Schwere von der Seele nimmt und mich mit Themen abschliessen lässt, die mich aus der Vergangenheit bis in die Gegenwart verfolgen. Darüber hinaus macht mir Schreiben einfach auch eine Menge Spass.

Bali gab mir die Zeit, die Umgebung und die Menschen um mich herum, die ich brauchte, um meiner Kreativität wieder auf einer bewussteren und ausschweifenderen Weise Raum zu geben.

Ich wurde in den letzten beiden Tagen auch verschiedentlich auf meinen Blog angesprochen. Das hat mich erstaunt und auch gefreut. Dabei wurden einige Fragen gestellt.

Schreibe ich aus einem bestimmten Grund?

Ja, tue ich. Einerseits, um meine Familie, Freunde und auch Fremde an meinen Erlebnissen und Gedanken teilhaben zu lassen, andererseits, weil es Spass macht und eben, wie oben erwähnt, um Emotionales zu verarbeiten.

Reise ich aus einem bestimmten Grund?

Hier verweise ich auf meinen Eintrag „the meaningfulness of traveling“. Gereist bin ich bisher aus verschiedenen Gründen und habe dabei verschiedene Phasen durchlaufen: Spass am Reisen, Abenteuern und Neuem entdecken, vor unerträglichen Situationen davonlaufen, Glück suchen, Sinn finden. Aktuell reise ich aus Spass und weil es mich nach einer bestimmten Zeit einfach wieder woanders hinzieht.

Was ist es, was mich nach Bali zieht?

Gute Frage. Ich kann nur mit einer Gegenfrage antworten: Warum verliebt man sich in Jemanden? Ich glaube, sich verlieben ist einfach etwas Irrationales, etwas Unerklärliches, etwas Unbegründbares. So ging es mir mit Bali. Ich setzte im Jahr 2005 erstmals meinen Fuss auf die Insel und war sofort und unerklärlich verliebt, obwohl ich noch gar nichts ausser dem Flughafen gesehen hatte. Die Liebe hält bis heute an. Sie hat sich verändert. Sie ist von der enthusiastischen Begeisterung eines ersten Verliebtseins mit Schmetterlingen im Bauch in eine reifere, erwachsenere Liebe gereift. In eine, die mich nicht Alles mit rosaroter Brille sehen lässt, sondern in eine, die die negativen und positiven Aspekte bewusst wahrnimmt und akzeptiert, die gereift tief in meinem Herz sitzt, unerschütterlich.

Ich habe mir kürzlich selber die Frage gestellt, ob ich hier wirklich leben könnte. Die Antwort ist schlicht und einfach „Ja“. Will ich hier leben? Die Antwort ist „Nein, jetzt nicht“. Mir ist bewusst geworden, dass meine Wurzeln in der Schweiz liegen, dass ich noch andere Orte entdecken möchte und dass ich wohl immer eine „Nomadin“ bleiben werde. Eine, die es öfters einmal in die Ferne zieht.

Deshalb ist und bleibt die Schweiz meine Basis, meine Heimat. Und der Rest der Welt mein Spielplatz.

Wo sehe ich mich in 10 Jahren?

Ganz ehrlich? Keine Ahnung. Es lohnt sich für mich überhaupt nicht, auch nur im Entferntesten soweit in die Zukunft zu denken. Weshalb? Weil ich genau weiss, dass sich meine Pläne innerhalb eines Lidschlages komplett ändern können. Das Wichtigste ist: Ich möchte immer zufrieden auf mein Leben zurückblicken können.

Und wenn ich jetzt auf mein bisheriges Leben zurückblicke, dann kann ich höchstzufrieden sagen, dass es bis anhin ein tolles Leben war (und hoffentlich auch bleibt). Ich befand und befinde mich auf einem Weg, der zwar oft mit Schlaglöchern und Hindernissen gespickt ist, jedoch auch von Schönheit und vielen positiven Überraschungen nur so strotzt. Ein Weg, der lehrt und ein Weg, der schenkt.

Bali mit neuen Augen: Die Verrücktheiten des Strassenverkehrs

23 Feb

Wer denkt, er könnte nie und nimmer eine Strasse flicken und ausbessern, der irrt sich gewaltig. Das kann jeder, ohne Zweifel. Zumindest in Bali. Wirklich JEDER! Und den Formen und Auswüchsen sind keine Grenzen gesetzt. Die einzige Regel: Die Flickstellen müssen möglichst gut sichtbar sein und den Rädern des Mopeds so viele Schwierigkeiten wie möglich bereiten. Dabei sollte auch die künstlerische und kreative Seite nicht zu kurz kommen: Wellig, hügelig, dellig – alles erlaubt, nur nicht flach und gerade.

Eine weitere Besonderheit im balinesischen Strassenverkehr sind die irren Überholmanöver. Als Mopedfahrer schwebt man in ständiger, ununterbrochener Lebensgefahr. Busse kommen einem hupend und dröhnend auf der eigenen Strassenseite entgegen im Wissen, dass sie mit ihrer Grösse in jedem Fall überlegen sind. Als einzige mögliche Reaktion bleibt nur noch das Ausweichen an den Strassenrand. Kurven sind in der Beliebtheitsskala der Überholorte bei Männern ganz oben. Ich wage mal zu behaupten, der Testosteron- und Adrenalinspiegel spielt dabei eine nicht ganz kleine Rolle.

An Ampeln ist es immer wichtig, die absolute Poleposition innezuhaben. Durchdrängeln um jeden Preis, bis man ganz zuvorderst steht, den Blick starr auf die Ampel gerichtet, um schon zwei Sekunden vor Grünschaltung mit Vollgas losrasen zu können.

Übrigens gibt es in Bali tatsächlich Geschwindigkeitsbegrenzungen. Nur hält sich erstens keiner dran und zweitens gibt es schlichtweg keine Geschwindigkeitskontrollen.

Polizeikontrollen gibt es jedoch zuhauf. Der Trick, einer Kontrolle aus dem Weg zu gehen (z.B. wenn man keinen internationalen Führerausweis mit dabei hat oder ohne Helm fährt), sich möglichst hinter einem Lastwagen verstecken, damit die Polizisten nicht sehen, dass ein Ausländer angefahren kommt. Und wenn sie trotzdem mit ihren Trillerpfeifen schrillen und einen rauswinken, den Blick einfach abwenden, stur weiterfahren, einen eleganten Bogen um den Polizisten herum fahren und einfach davon düsen. Wenn das einem dummerweise einmal nicht gelingt, immer freundlich lächeln, erzählen wie schön Bali ist, wie gut es einem gefällt und sich entschuldigen, dass man die nötigen Papiere nicht dabei hat oder ohne Helm gefahren ist, einen IDR 50’000-Schein (ca. EUR 5) hinstrecken, überschwänglich versichern, dass man sich gleich um die nötigen Massnahmen zur Erlangung der Gesetzestreue bemüht und nett fragen, ob man denn nun weiterfahren darf.

Stau ist auch ein oft gesehenes Übel auf balinesischen Strassen. Einerseits wegen engen oder löchrigen Strassen, auf denen zwei Autos nur ganz knapp und mit viel Manövrieren aneinander vorbeikommen, andererseits wegen Fahrern, die ihre Autos, Lastwagen oder Motorräder irgendwo am Strassenrand parken und keinen Gedanken daran verschwenden, dass sie so den flüssigen Verkehr erheblich erschweren. An Kreuzungen gibt es keine Vortrittsregel oder Reissverschlussprinzip, sondern es wird von allen Seiten gedrängelt, bis man irgendwie durchgekommen ist. Oder eben auch nicht. Dann geht einfach mal eine halbe Stunde nichts, weil niemand weder vor noch zurück kommt. Irgendwie entwirrt sich das Knäuel schlussendlich aber doch.

Absoluten Vorrang haben balinesische Zeremonien. Ganze Prozessionen gehen dann gemütlich in ihrem Tempo auf der Strasse entlang. Egal welche Strasse. Egal wie stark befahren. Egal, ob dadurch ein mindestens 3-stündiger Stau ausgelöst wird. Die Prozession hat Vorrang, die Strasse wird einfach gesperrt oder – falls es die breite der Strasse erlaubt – der Verkehr nur noch einspurig durchgelassen.

Gemäss Statistik sterben jeden Tag 8 Personen im balinesischen Strassenverkehr. Auf einer Insel, die flächenmässig nur ca. 1/8 der Schweiz ausmacht und über 3 Millionen Einwohner beherbergt, die Touristenströme nicht miteingerechnet. Zum Vergleich: Auf Schweizer Strassen stirbt pro Tag eine Person.

Und doch scheint das Chaos einer gewissen Ordnung zu folgen und der Verkehr funktioniert trotz Ignorieren der meisten Verkehrsregeln erstaunlich gut.

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Bali mit neuen Augen – Higheels in Bali

17 Feb

Highheels sind was schönes. Sexy. Ein unverzichtbares Accessoire für eine Frau. WENN man darin Laufen kann. Ich habe es nun das erste Mal in Bali gewagt, meine Highheels, die ich immer dabei hab, auch wirklich einmal anzuziehen.

Ich in Highheels: Wie auf Eierschalen, panisch nach jeder Möglichkeit suchend, sich irgendwo festhalten zu können, den Blick starr auf den Boden gerichtet.

Die anderen in Higheels: Graziös und elegant, mit kokettem Augenaufschlag und sicherem Schritt.

Die Ladyboys in Higheels: Noch graziöser, eleganter, mit dem kokettesten Blick und sichersten Schritt, den man sich nur vorstellen kann.

Meiner Meinung nach sind balinesische Böden, ob drinnen oder draussen, einfach suspekt. Uneben, mit Löchern gespickt und Hindernissen bestückt. Mit Absicht darauf bedacht, den Füssen möglichst viel Ungemach zu bringen. Es verwundert mich schon ein bisschen, dass in Bali bis jetzt keine Epidemie von Schlaglochphobie ausgebrochen ist.

Fazit:

Balinesische Böden sind böse und Übung macht den Meister.

Bali mit neuen Augen – Zuhause und andere Geschichten

15 Feb

Bin gerade mal 48 Stunden auf der Insel und ich habe das Gefühl, nie weggewesen zu sein. Es ist wunderschön, wieder in meinem zweiten Zuhause angekommen zu sein. Die Gerüche, die Hitze, die feuchte Luft, der ganze Lärm, das ganze Durcheinander, die Leute, das Meer. Einfach Alles. Mit jedem Blick, mit jedem Atemzug sauge ich ganz Bali in mich auf.

Und doch: Es ist wahnsinnig, in welcher Geschwindigkeit sich das Bild einer Strasse oder eines Ortes ändern kann. Bekannte Restaurants und Läden sind verschwunden, dafür neue entstanden. Es herrscht einfach ein unglaubliches Tempo. Als ich heute zu einem Freund fuhr, um meine gelagerten Sachen bei ihm abzuholen, fuhr ich auf einer Strasse, die ich monatelang mehrmals täglich gefahren bin. Und erkannte sie nicht wieder. Kein bisschen. Ich wusste, dass ich auf der richtigen Strasse fahre, aber es war nicht mehr der durchlöcherte Schotterweg von früher, sondern eine geteerte Strasse mit Mittelstreifen. Das hat mich dermassen verwirrt, dass mir mein eh schon nicht sehr ausgeprägter Orientierungssinn fast gänzlich abhanden gekommen ist.

Ist mir aber gelungen, das richtige Haus zu finden. Meine drei Bretter sind wieder bei mir. Frisch ausgepackt, gewachst, mit Finnen und Leash versehen.

Wollte gerade mal zum Strand runter fahren und schauen, ob es irgendwelche surfbare Wellen gab. Und da sitzt tatsächlich ein Balinese neben einer Barriere und will IDR 2’000 fürs Parken. Es sind zwar nur 20 Rappen, aber trotzdem. Jahrelang fuhr ich hierher und es war immer frei. Aber die Banjars (das sind die Verwaltungen der Dörfer), kommen immer mehr und mehr auf den Geschmack, wo immer möglich was dazuzuverdienen. Naja, solange das Geld der Dorfbevölkerung zugute kommt, aber man weiss ja nie, in welchen Taschen sonst so das Geld verschwindet. Wie kürzlich schon einmal bemerkt: Indonesien ist auf der Rangliste der korruptesten Länder auf einem Spitzenplatz.

Um meiner Empörung noch Stärke zu verleihen, entschied sich der Wind just in diesem Moment, ein paar Sturmböen zu schicken, so dass sich die Palmen bogen. Um noch eins drauf zu setzten, liess Petrus auch gerade noch eine schöne Portion Himmelswasser runter regnen. Wer sich mit Wellen ein bisschen auskennt, weiss, dass es zu diesem Zeitpunkt bestimmt keine Wellen gibt, also ging ich zurück auf mein Zimmer und machte es mir da gemütlich. Von meinem Sitzplatz aus kann ich nämlich die Spitze einer der Strandpalmen sehen, die mir von nun an als Windmesser dient. Je nach Schwankstärke der Palmenwedel kann ich etwa abschätzen, ob sich der Gang zum Strand lohnt oder nicht. Sehr praktisch.

Am späten Nachmittag war es tatsächlich soweit, dass ein paar kleine Wellen lockten. Ich wagte es als erstes ins warme Nass und hatte bis zum Einbruch der Dunkelheit total viel Spass. Ich verdränge jetzt mal, dass meine zurzeit ziemlich schwächlichen Arme und vor allem meine Rippen nach dem Aufwachen wahrscheinlich einige giftige Schmerzpfeile abschiessen werden.

Abends beim Nachtessen im Restaurant Bow in der Jalan Batu Belig (super schön und lecker) musste ich gefühlte literweise Tränen lachen. Und zwar wegen einer tragisch-komischen Liebesgeschichte, die sich ungefähr im Jahr 1989 zugetragen hat. Erzählt mit trockenem Humor unter noch mehr Lachtränen. Eine Geschichte, die so romantisch begann, verrückt ohne Ende war und absolut tragisch endete. Ein Typ, wie er romantischer nicht sein konnte, leider auch ein Typ, wie er egoistischer bzw. narzisstischer nicht sein konnte. Wenn ich die Erlaubnis von der Dame kriege, würde ich die Geschichte gerne einmal posten.

Meine Freundin und ich gingen dann später noch einmal ins Favela, weil ich ihr unbedingt die Location zeigen wollte. Bäume, die in den Räumen wachsen, eine Aussenterrasse wie aus dem Dschungel, viel Liebe zum Detail. Ich bin begeistert. Aber die beste Entdeckung war heute die Toilette: Eine frauengerechte Toilette. Ein riesiger Raum, mit Sofas zum plaudern und sich die Nase pudern (Frauen können einfach nicht alleine aufs WC), einem alten Zahnarztstuhl (oder war es ein elektrischer Stuhl? Schwer zu sagen) und einer altmodischen Waage, die man mit Gewichten selber einstellen muss (ist mir übrigens auch in nicht alkoholisiertem Zustand nicht gelungen. Das ganze hat ein angenehmes Wohnzimmerfeeling.Heute war die Bar leer (wir wollten eigentlich schöne Männer schauen gehen). Aber freitags ist immer Party. Und dann ist es brechend voll. Vielleicht nächsten Freitag.

Bali ist einfach interessant. An jeder Ecke, überall wo man hingeht, trifft man interessante neue Leute. Man hört so viele Lebensgeschichten, Erfahrungen, es gibt so viel zu diskutieren, zu bereden, zu lachen. Bali, die kleine Insel, bietet, so wage ich zu behaupten, die dichteste Dichte an einem bunten, kreativen, geschäftigen und eben höchst interessanten Menschenmix, den es auf dieser Welt gibt.

So, in weniger als vier Stunden muss ich wieder aufstehen, da ich gerne ins Morgenyoga in Bingin will. Ein weiter Weg für ein bisschen Yoga, aber es ist eben Ted’s Yoga. Das ist guuuuuut.

Und ja, ich glaube, ich habe heute während dem Schreiben mindestens 15 Schokobons verdrückt. Mein „Bettmümpfeli“, wie man auf gut „Züri-Düütsch“ sagt. Gute Nacht Welt.

Bali mit neuen Augen – der erste Tag…

14 Feb

Der Flug nach Bali verlief dieses Mal glücklicherweise unspektakulär. Nur in Frankfurt kam ich ganz kurz ins Schwitzen, als ich noch im Schweizer Flieger sass und die Lufthansa bereits mit dem Boarding des Anschlussfluges begonnen hat. Und da fällt mir gerade ein, dass ich beim Einchecken vergessen habe, meine Tasche abzuschliessen und in Plastik einwickeln zu lassen. Hatte deshalb einen ganz kurzen Anflug von Paranoia. Ins Gepäck gesteckte Drogen und so. Alles halb so wild, meine Tasche und ich sind wohlbehütet auf der Insel angekommen.

Da Valentinstag war, haben wir alle von Singapur Airlines noch eine süsse Karte mit Schokolade gekriegt. „Love is in the air“. Sprichwörtlich.

Mein Vorsatz, Bali mit neuen Augen zu betrachten, konnte ich schon im Flughafen umsetzen. Der ist jetzt nämlich fertig renoviert bzw. umgebaut und hat nichts mehr mit dem alten Flughafen gemein. Sobald die “freischaffenden” Taxifahrer gemerkt haben, dass ich kein Neuling mehr auf Bali bin, haben sie mich höflich an den offiziellen Taxischalter verwiesen (mit mir war halt kein lohnenswertes Geld zu verdienen).

Soweit so gut. Diesmal hatte ich einen ruhigen Taxifahrer, der nichts geredet hat. Ich erinnere mich an das eine Mal, als ich zuerst über meinen Heiratsstatus ausgefragt wurde, dann ob ich einen Freund habe, und beim Verneinen kam dann der Heiratsantrag und dass er bestimmt sehr gut für mich sorgen würde. Alles ernstgemeint. Ich habe mich dann höflich bedankt und darauf hingewiesen, dass ich keine Zeit zum Heiraten habe, da ich ja die ganze Zeit Surfen muss. Diese Ausrede wurde zwar mit leichter Enttäuschung, jedoch trotzdem sehr grossmütig akzeptiert.

Ging für die erste Nacht zu meiner langjährigen Freundin Barbara. Barbara ist toll. Sie ist mittlerweile 68 Jahre alt, hat vor zwei Jahren mit Ballet begonnen, letztes Jahr zusätzlich noch mit Trapezakrobatik und dieses Jahr geht sie immer mal wieder ins Poledancing. Wenn wir zusammen Party machen, bin nicht ich diejenige, die als erstes ins Bett geht. Gestern war es jedoch sie. Nach einer 20-stündigen Reise, ein paar Stunden quatschen mit Barbara und einer hart verdienten Dusche konnte ich der Aufforderung eines Freundes, noch ein bisschen ins Nachtleben einzutauchen, nicht widerstehen. Die Suche nach einem Taxi gestaltete sich anfangs ziemlich erfolglos. Rauchende Taxifahrer wollten nicht mit Taxameter fahren, sondern einen horrenden Fixbetrag vereinbaren. Ach ja. Bali ist ja nicht mehr die Billiginsel, die sie mal war. In gewissen Regionen (wie Seminyak) können es sich die einen Einheimischen ja leisten, sich normale Fahrten durch die Lappen gehen zu lassen. Ist ja viel zu anstrengend, wenn man zahlungskräftige, weil eh alkoholisierte, Nachtschwärmer befördern kann.

Stand also ein bisschen verloren am Strassenrand. Ein aufmerksamer junger Balinese kam mit seinem Moped angedüst und offerierte mir für einen fairen Preis die Fahrt an den gewünschten Zielort. Nach einem Blick auf sein Moped (neu und glänzend), seine Kleider (Hemd) und seine Haare (gepflegte Kurzhaarfrisur) stufte ich ihn als vertrauenswürdig, beschloss, auf mein gutes Bauchgefühl zu vertrauen und sass hinten drauf. Im Null Komma nichts war ich da. In Zürich würde ich mich nie getrauen, mich einfach so von einem Fremden transportieren zu lassen. Hier ist es jedoch gang und gäbe.

Das Klubleben in Bali ist zwar nicht vergleichbar mit gutem Ausgang in unseren Breitengraden, es gibt mittlerweile jedoch schon einige gute Ecken. Waren zuerst im Townhouse und dann im Favela. Das Townhouse in Oberoi ist ganz ok. Das Favela ist toll. Immer freitags ist Party. Mehr zum Favela im nächsten Post. Bin irgendwann todmüde in das bequemste Bett ganz Indonesiens gefallen und hab wie ein Stein ganze vier Stunden lang geschlafen. Dann war es schon wieder Zeit für einen nächsten, hoffentlich ereignisreichen Tag.

Barcelona Beauty

8 Jan

Neujahr ist immer so eine Sache. Soll man wild feiern? Oder gemütlich zu Hause bleiben? Oder Neujahr gar verschlafen? Oder ignorieren? Dieses Jahr war mir nach „Er-LEBEN“ zu Mute. Deshalb hab ich vier Tage vor Jahresende ungeachtet der horrenden Ticketpreise einen Flug nach Barcelona gebucht. Da teure Hotelübernachtungen mein Budget definitiv gesprengt hätten, hab ich auf Couchsurfing nach einem kostenlosen Sofa gestöbert und auch gleich eines gefunden. Eine super Sache, die nicht nur den Geldbeutel schont, sondern auch gleich direkt Kontakte zu Locals schafft.

Leicht bepackt machte ich mich am 30.12.2013 abends auf den Weg zum Zürcher Flughafen. Wie erwartet hatten Tausende von Leuten die gleiche Idee und so herrschte ein reges Treiben. Vueling, bekannt dafür, Flüge zu überbuchen (hab ich mir sagen lassen) hat auch an meinem Abflugtag nicht enttäuscht: Ein Aufruf an Freiwillige, die erst am nächsten Morgen früh fliegen würden, bestätigte dies. Angeboten wurde eine Übernachtung im Hotel und eine Entschädigung von EUR 250. Lange überlegen musste ich nicht, denn Zeit hatte ich ja zur Genüge.

Eine gute Entscheidung. Nicht nur wegen des Geldes, denn eigentlich hat sich das Ganze wegen des unglaublichen Zeitaufwandes (2 h für alles Administrative, Umsteigen in Madrid, noch mehr Adminitratives in Spanien) gar nicht gelohnt, aber wegen meiner Mitfreiwilligen. Zwei hochinteressante Menschen, die durch ihre (harten und schmerzhaften) Erlebnisse in ihren Leben eine extrem positive Lebenseinstellung gewonnen haben. Inspirierende Begegnungen und ich hoffe, dass sich dieses erste Zusammentreffen zu einer fortdauernden Freundschaft entwickeln wird.

Am letzten Jahrestag abends habe ich meine beiden guten Bali-Freunde Gilles und Jordi getroffen. Wir gingen erstmal gemütlich in einem kleinen, charmanten, von Einheimischen frequentierten Restaurant essen. Eine Augenweide und eine Gaumenfreude war es.

Traditionellerweise schlagen zu Neujahr um Mitternacht die Glocken zwölfmal und zu jedem Glockenschlag ist eine Traube zu essen. Wir standen also kurz vor Mitternacht auf einem grossen Platz, in Erwartung eines Countdowns, der Glockenschläge und des Feuerwerkes, Trauben zum runterschlucken parat. Da Jordis Mutter erbarmen mit uns armen Touristen (Gilles und mir) hatte, die sich ja nicht gewohnt waren, so rasch so viele Trauben zu essen, hat uns diese geschält und entkernt.

Barcelona, eine Millionenstadt, ist doch überschaulich geblieben. Das Zentrum ist gut zu Fuss zu erkunden und so bin ich bestimmt mindestens gefühlte 10’000 km in meinen neuen (und einen Tick zu kleinen) Schuhen durch alle Gassen gelaufen. Liebhaber von alter Architektur kriegen hier einiges fürs Auge geboten: Wunderschön gestaltete, verschnörkelte und bemalte Fassaden, Antoni Gaudis Werke und pompöse Kathedralen und Stadtgebäude.

Barcelona Gaudi

Barcelona Fassade

In den engen Gassen sind Holztore und Eisenstore mit vielerlei Sprayereien „geschmückt“. Diese Kunstwerke sind zwar von wechselnder Qualität, tragen jedoch massgeblich zum Charme der Altstadt bei.

Auch kulinarisch hat Barcelona definitiv Köstliches zu bieten: Verschmäht man die stark frequentierten Touristenrestaurants auf der Shopping-Meile „La Ramblas“ oder in den grösseren Gassen und wendet sich stattdessen unscheinbaren einheimischen Tavernen zu, wird der Gaumen bestimmt staunen. Vollgeproppt mit Spaniern, teils mit Plastik-Stuhl-Charme, wird vergnügt Berge von Tappas verdrückt und dazu das leckere spanische Bier „Estrella“ getrunken. Das Bier gibts sogar in Frauen-Grösse, nämlich in 2 dl Flaschen, was es zu meinem Lieblingsbier für das Jahr 2014 macht.

Eine weitere Leckerei sind die „Churros“. Es scheint mir, dass diese traditionellerweise mit Chocolate und viel Sahne genossen werden. Eine Kalorienbombe sondergleichen, aber ein „Muss“ auf jedem Spanientrip. Meine Geschmacksnerven waren auf jeden Fall absolut verzückt.

Barcelona Churros full

Da der Wellengott einigermassen gnädig gestimmt war, hat er sogar ein paar Miniwellen nach Barcelona geschickt. Da ich auf ein kleines Surfvergnügen gehofft hab, hatte ich auch meinen Neoprenanzug mit dabei. Eine halbe Stunde und ein paar kleinen Wellen im kalten Wasser später war ich glücklich und hatte das Jahr 2014 zu einem guten Jahr deklariert.

Prost Neujahr!

In zwei Stunden um die Welt…

6 Jan

Wenn man will, kann man auch in zwei Stunden um die Welt reisen. 40’000 km sind das. Hab ich dieses Wochenende gemacht. Nämlich im Musuem Rietberg in Zürich. Ein wunderschönes, riesengrosses Völkerkundemusuem mit Ausstellungsstücken aus aller Welt.

Die Sonderausstellung „Sehnsucht Persien“ bringt dem Interessierten Kunst im persisch-europäischen Dialog (1590 – 1720) sowie Gegenwartskunst aus Teheran nahe. Vor allem beeindruckt war ich von der Klage-/Wunschmauer, die die israelische Klagemauer in Jerusalem und die Grenzmauer zum Gazastreifen verbindet sowie von den kunstvoll drapierten Haaren, die eigentlich die Läufe von Maschinengewehren verdecken. Leider weiss ich nicht mehr, welche Künstlerin das war, aber ich werde es posten, sobald ich die Info gefunden habe. Ich weiss eigentlich auch nicht mehr genau, welche Message die Künstlerin ausdrücken möchte, aber ich weiss, dass ich nur schon vom Anschauen der beiden Objekte extrem bewegt war.

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Auch die Sammlung, die Ausstellungsstücke sämtlicher Herren Länder zeigte, hatte einige interessante Objekte zu bieten. Vor allem uralte Objekte. Einige davon tausende von Jahren alt und immer noch in einwandfreiem Zustand. Oder 500-jährige Zeichnungen und andere erstaunliche Sachen.

Zum Schmunzeln gebracht hat mich der süsse Hintern von Balakrishna aus Indien (Krishna als Kleinkind) und die erigierten Brüste von Rati, der Göttin der Leidenschaft und Liebe aus Bali, Indonesien.

Ein gut investierter Sonntagnachmittag, obwohl man in den Räumen des Museums nichts vom Sonnenschein mitgekriegt hat.

Letzte Tage in Chiang Mai…

23 Dez

Die Fahrt von Luang Prabang nach Chiang Mai verlief natürlich wie immer nicht ohne Panne. Ist man sich ja mittlerweile gewohnt.

An der Grenze zu Thailand kriegte sich die Dame der Einwanderungsbehörde gar nicht mehr ein, dass ich Thai bin. Zuerst schaute sie mich zwar ziemlich missmutig an, weil ich eben Thai bin, aber kein thailändisch kann. Doch sobald ich sagte, dass mein Vater aus Ubon stammt, taute sie sofort auf und begann sogar, auf Izaan mit mir zu reden. Ha! Als ob ich das besser könnte als Thailändisch. Und dann sagte sie im Verlaufe des Gespräches sicher mindestens zehnmal: „You don’t look like a Thai“ und lachte sich halbtot dabei… Der Typ nach dem Schalter sah meinen Thaipass auch, nahm ihn mir aus der Hand, zeigte ihn seinen Kollegen, lachte ebenfalls lauthals und sagte in höchst ungläubigem und gleichzeitig sehr belustigtem Tonfall auf thailändisch, „Sie ist eine Thai! Sie ist eine Thai!“

Schön, dass ich Anlass zu so viel Heiterkeit bin.

In Chiang Mai anzukommen war wie ein nach Hause kommen. Es tat gut, bekannte Strassen zu sehen und endlich mal wieder in einem richtigen Bett zu liegen. Ich muss schon sagen, ich bin mir Rucksackreisen gar nicht gewohnt. Das ist eine äusserst anstrengende und anspruchsvolle Tätigkeit, die mir aber ausserordentlich gut gefällt.

Nach zwei schönen Tagen setzte ich mich in den Flieger nach Bangkok. Und so wie mich am ersten Tag der Shuttlebus vom internationalen zum nationalen Flughafen brachte, so brachte er mich am letzten Tag wieder zurück zum Anfangspunkt meiner Reise. Als ich am Fenster sass, mit den treibenden Tönen von Wolfman in den Ohren, schaute ich auf die weite Stadtlandschaft hinaus, liess meine Gedanken wandern und sagte ein leises „auf Wiedersehen“ zu meinem zweiten Heimatland, das mir mit jedem Besuch etwas näher ans Herz rückt…

Laotische Idylle: Luang Prabang

23 Dez

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Laos ist schon extrem vielseitig. Einerseits ruhig, friedlich, dezent und traditionell. Die Leute leben einfach und bescheiden. Andererseits findet man hier und da doch schon vom Tourismus negativ beeinflusste Einheimische, die gröbere Abzocke betreiben und allgemein ein sehr geldorientiertes Verhalten an den Tag legen. Und dann findet man noch höchste technische Errungenschaften wie den Sleeperbus.

Ein luxuriöses Gefährt mit Betten und Discobeleuchtung, das einen höchst komfortabel über die von Schlaglöchern verseuchten Strassen befördert. Auf diese kuschelige und gemütliche Weise machten wir uns auf den Weg nach Luang Prabang, natürlich nicht ohne Panne, die mir eine willkommene Pinkelpause bot und mich mit Stefan, einem Stuttgarter Zürcher, der alle Länder der Welt mindestens einmal bereisen möchte, bekannt machte. Um ca. 4.30 Uhr morgens kamen wir in der als Weltkulturerbe eingetragenen Stadt Luang Prabang an. Es war auf gut Deutsch einfach arschkalt. Höchstens 10 Grad. Ach was, mindestens gefühlte Minusgrade. Was habe ich mir bloss dabei gedacht, mich so hoch in den Norden zu begeben, anstatt bei tropischer Hitze auf einer schönen Insel dem Sonnenbaden zu frönen?

Glück im Unglück: Wir fanden ein paar Essensstände, die bereits um fünf Uhr Frühaufsteher versorgten. Mit Tee und Reissuppe (genauso, wie sie mein Vater früher immer gemacht hat) gestärkt trällerte ich noch ein bisschen Hotel California mit, das lautstark aus dem Radio dröhnte und fühlte mich insgesamt ziemlich zufrieden.

Um sechs Uhr gingen wir zum Hauptplatz, wo die Mönche auf ihrem morgendlichen Almosengang vorbeikamen. Still und leise gehen die Mönche am Strassenrand entlang, um dargebotenes Essen anzunehmen. Eine besondere Stimmung und eine schöne Zeremonie.

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Leider ist daraus auch eine Touristenattraktion geworden, die die Strassenverkäuferin für den eigenen Profit und die Touristen für ihre Bildersammlung benutzen. Nichtsdestotrotz etwas Besonderes.

Zu diesem Erlebnis habe ich ein Gedicht geschrieben.

Den Rest des frühen Morgens verbrachten wir mit dem kurzen Erkunden des Zentrums und einem Tempel auf einem Hügel.

Tempel haben immer etwas besonderes für mich. Wann immer ich in einen Tempel gehe, bete ich für meinen Vater oder widme ihm zumindest einige Gedanken, was darin resultiert, dass ich öfters mal losheulen muss. Doch trotz oder vielleicht gerade wegen der damit verbunden Emotionen gibt mir ein Tempelbesuch immer einen besonderen Frieden, den ich tief in meinem Herzen trage.

Beim ersten Tempel auf der Spitze eines Hügels stand ein älterer Mönch. Einer mit einer besonders ehrwürdigen Ausstrahlung. Und als ich heulend im Tempel vor dem Buddha sass, da drehte er sich in meine Richtung und schaute mich mit etwas Erschrockenen, jedoch unglaublich gütigen Augen an. Ein wertvolles Geschenk, dieser gütige Blick, der mich bis heute noch mit Trost erfüllt.

Mit dem Erstrahlen der Sonne hatten wir dann die Idee, auf dem Moped durch die Umgebung zu tuckern und einen Höhlentempel zu suchen. Die Fahrt war wieder unglaublich schön und wir fanden unterwegs mitten im Nirgendwo ein kleines, offenes Restaurant, in welchem sich laotische Schüler in ihrer Pause gerade ordentlich mit Bier betranken. Wir setzten uns in die Sonne und verwöhnten uns mit einem kühlen Schluck Gerstensaft und meinem neuen Lieblingsessen, der Reisnudelsuppe. Wir fanden den Fluss ohne Probleme. Mekong heisst er. Ich würde ihn eher Müllkong nennen. Eine braune Suppe mit einer ganzen Menge Unrat darin. Lecker. Auch wenn der Fluss eine Welle produzieren würde und ich zufälligerweise gerade ein Surfbrett dabeihätte, ich glaube, ich würde keinen Zeh da reinstecken.

Mit einem überraschend stabilen Langboot fuhren wir auf die andere Seite des Flusses zum Tempel. Der Tempel war echt schön. In die Felsen reingehauen, die Nischen mit Aberhunderten von Buddhastatuen bestückt. Die Fahrt hat sich auf jeden Fall gelohnt.

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Mir schien, dass die Leute in der Stadt einiges unfreundlicher und geldgieriger drauf waren, als die Menschen auf dem Land. Ich war ganz ehrlich gesagt ein bisschen von Luang Prabang als Stadt enttäuscht. Zumal ich viel Gutes darüber gehört hatte. Nach einem Spaziergang an den Mekong und dem Nebenfluss entlang kamen wir jedoch durch wunderschöne Stadtteile, die wie in Vientiane französisches Flair ausstrahlten, wo die Leute lächelten und freundlich waren und die ganze Umgebung mit ihren Tempeln, Häusern, Restaurants und Parks mich wieder Friede und Freude spüren liessen. Eine entspannende Massage war ein würdiger Abschluss eines wunderschöne Tages und zugleich Vorbereitung auf die bevorstehende 23 stündige Busfahrt zurück nach Chiang Mai.

Was soll ich dazu sagen? AUTSCH! Mein Hintern könnte momentan grad platter nicht sein.