Laos ist schon extrem vielseitig. Einerseits ruhig, friedlich, dezent und traditionell. Die Leute leben einfach und bescheiden. Andererseits findet man hier und da doch schon vom Tourismus negativ beeinflusste Einheimische, die gröbere Abzocke betreiben und allgemein ein sehr geldorientiertes Verhalten an den Tag legen. Und dann findet man noch höchste technische Errungenschaften wie den Sleeperbus.
Ein luxuriöses Gefährt mit Betten und Discobeleuchtung, das einen höchst komfortabel über die von Schlaglöchern verseuchten Strassen befördert. Auf diese kuschelige und gemütliche Weise machten wir uns auf den Weg nach Luang Prabang, natürlich nicht ohne Panne, die mir eine willkommene Pinkelpause bot und mich mit Stefan, einem Stuttgarter Zürcher, der alle Länder der Welt mindestens einmal bereisen möchte, bekannt machte. Um ca. 4.30 Uhr morgens kamen wir in der als Weltkulturerbe eingetragenen Stadt Luang Prabang an. Es war auf gut Deutsch einfach arschkalt. Höchstens 10 Grad. Ach was, mindestens gefühlte Minusgrade. Was habe ich mir bloss dabei gedacht, mich so hoch in den Norden zu begeben, anstatt bei tropischer Hitze auf einer schönen Insel dem Sonnenbaden zu frönen?
Glück im Unglück: Wir fanden ein paar Essensstände, die bereits um fünf Uhr Frühaufsteher versorgten. Mit Tee und Reissuppe (genauso, wie sie mein Vater früher immer gemacht hat) gestärkt trällerte ich noch ein bisschen Hotel California mit, das lautstark aus dem Radio dröhnte und fühlte mich insgesamt ziemlich zufrieden.
Um sechs Uhr gingen wir zum Hauptplatz, wo die Mönche auf ihrem morgendlichen Almosengang vorbeikamen. Still und leise gehen die Mönche am Strassenrand entlang, um dargebotenes Essen anzunehmen. Eine besondere Stimmung und eine schöne Zeremonie.
Leider ist daraus auch eine Touristenattraktion geworden, die die Strassenverkäuferin für den eigenen Profit und die Touristen für ihre Bildersammlung benutzen. Nichtsdestotrotz etwas Besonderes.
Zu diesem Erlebnis habe ich ein Gedicht geschrieben.
Den Rest des frühen Morgens verbrachten wir mit dem kurzen Erkunden des Zentrums und einem Tempel auf einem Hügel.
Tempel haben immer etwas besonderes für mich. Wann immer ich in einen Tempel gehe, bete ich für meinen Vater oder widme ihm zumindest einige Gedanken, was darin resultiert, dass ich öfters mal losheulen muss. Doch trotz oder vielleicht gerade wegen der damit verbunden Emotionen gibt mir ein Tempelbesuch immer einen besonderen Frieden, den ich tief in meinem Herzen trage.
Beim ersten Tempel auf der Spitze eines Hügels stand ein älterer Mönch. Einer mit einer besonders ehrwürdigen Ausstrahlung. Und als ich heulend im Tempel vor dem Buddha sass, da drehte er sich in meine Richtung und schaute mich mit etwas Erschrockenen, jedoch unglaublich gütigen Augen an. Ein wertvolles Geschenk, dieser gütige Blick, der mich bis heute noch mit Trost erfüllt.
Mit dem Erstrahlen der Sonne hatten wir dann die Idee, auf dem Moped durch die Umgebung zu tuckern und einen Höhlentempel zu suchen. Die Fahrt war wieder unglaublich schön und wir fanden unterwegs mitten im Nirgendwo ein kleines, offenes Restaurant, in welchem sich laotische Schüler in ihrer Pause gerade ordentlich mit Bier betranken. Wir setzten uns in die Sonne und verwöhnten uns mit einem kühlen Schluck Gerstensaft und meinem neuen Lieblingsessen, der Reisnudelsuppe. Wir fanden den Fluss ohne Probleme. Mekong heisst er. Ich würde ihn eher Müllkong nennen. Eine braune Suppe mit einer ganzen Menge Unrat darin. Lecker. Auch wenn der Fluss eine Welle produzieren würde und ich zufälligerweise gerade ein Surfbrett dabeihätte, ich glaube, ich würde keinen Zeh da reinstecken.
Mit einem überraschend stabilen Langboot fuhren wir auf die andere Seite des Flusses zum Tempel. Der Tempel war echt schön. In die Felsen reingehauen, die Nischen mit Aberhunderten von Buddhastatuen bestückt. Die Fahrt hat sich auf jeden Fall gelohnt.
Mir schien, dass die Leute in der Stadt einiges unfreundlicher und geldgieriger drauf waren, als die Menschen auf dem Land. Ich war ganz ehrlich gesagt ein bisschen von Luang Prabang als Stadt enttäuscht. Zumal ich viel Gutes darüber gehört hatte. Nach einem Spaziergang an den Mekong und dem Nebenfluss entlang kamen wir jedoch durch wunderschöne Stadtteile, die wie in Vientiane französisches Flair ausstrahlten, wo die Leute lächelten und freundlich waren und die ganze Umgebung mit ihren Tempeln, Häusern, Restaurants und Parks mich wieder Friede und Freude spüren liessen. Eine entspannende Massage war ein würdiger Abschluss eines wunderschöne Tages und zugleich Vorbereitung auf die bevorstehende 23 stündige Busfahrt zurück nach Chiang Mai.
Was soll ich dazu sagen? AUTSCH! Mein Hintern könnte momentan grad platter nicht sein.









