Archiv | Laos RSS feed for this section

Laotische Idylle: Luang Prabang

23 Dez

temple

Laos ist schon extrem vielseitig. Einerseits ruhig, friedlich, dezent und traditionell. Die Leute leben einfach und bescheiden. Andererseits findet man hier und da doch schon vom Tourismus negativ beeinflusste Einheimische, die gröbere Abzocke betreiben und allgemein ein sehr geldorientiertes Verhalten an den Tag legen. Und dann findet man noch höchste technische Errungenschaften wie den Sleeperbus.

Ein luxuriöses Gefährt mit Betten und Discobeleuchtung, das einen höchst komfortabel über die von Schlaglöchern verseuchten Strassen befördert. Auf diese kuschelige und gemütliche Weise machten wir uns auf den Weg nach Luang Prabang, natürlich nicht ohne Panne, die mir eine willkommene Pinkelpause bot und mich mit Stefan, einem Stuttgarter Zürcher, der alle Länder der Welt mindestens einmal bereisen möchte, bekannt machte. Um ca. 4.30 Uhr morgens kamen wir in der als Weltkulturerbe eingetragenen Stadt Luang Prabang an. Es war auf gut Deutsch einfach arschkalt. Höchstens 10 Grad. Ach was, mindestens gefühlte Minusgrade. Was habe ich mir bloss dabei gedacht, mich so hoch in den Norden zu begeben, anstatt bei tropischer Hitze auf einer schönen Insel dem Sonnenbaden zu frönen?

Glück im Unglück: Wir fanden ein paar Essensstände, die bereits um fünf Uhr Frühaufsteher versorgten. Mit Tee und Reissuppe (genauso, wie sie mein Vater früher immer gemacht hat) gestärkt trällerte ich noch ein bisschen Hotel California mit, das lautstark aus dem Radio dröhnte und fühlte mich insgesamt ziemlich zufrieden.

Um sechs Uhr gingen wir zum Hauptplatz, wo die Mönche auf ihrem morgendlichen Almosengang vorbeikamen. Still und leise gehen die Mönche am Strassenrand entlang, um dargebotenes Essen anzunehmen. Eine besondere Stimmung und eine schöne Zeremonie.

DSC03719

Leider ist daraus auch eine Touristenattraktion geworden, die die Strassenverkäuferin für den eigenen Profit und die Touristen für ihre Bildersammlung benutzen. Nichtsdestotrotz etwas Besonderes.

Zu diesem Erlebnis habe ich ein Gedicht geschrieben.

Den Rest des frühen Morgens verbrachten wir mit dem kurzen Erkunden des Zentrums und einem Tempel auf einem Hügel.

Tempel haben immer etwas besonderes für mich. Wann immer ich in einen Tempel gehe, bete ich für meinen Vater oder widme ihm zumindest einige Gedanken, was darin resultiert, dass ich öfters mal losheulen muss. Doch trotz oder vielleicht gerade wegen der damit verbunden Emotionen gibt mir ein Tempelbesuch immer einen besonderen Frieden, den ich tief in meinem Herzen trage.

Beim ersten Tempel auf der Spitze eines Hügels stand ein älterer Mönch. Einer mit einer besonders ehrwürdigen Ausstrahlung. Und als ich heulend im Tempel vor dem Buddha sass, da drehte er sich in meine Richtung und schaute mich mit etwas Erschrockenen, jedoch unglaublich gütigen Augen an. Ein wertvolles Geschenk, dieser gütige Blick, der mich bis heute noch mit Trost erfüllt.

Mit dem Erstrahlen der Sonne hatten wir dann die Idee, auf dem Moped durch die Umgebung zu tuckern und einen Höhlentempel zu suchen. Die Fahrt war wieder unglaublich schön und wir fanden unterwegs mitten im Nirgendwo ein kleines, offenes Restaurant, in welchem sich laotische Schüler in ihrer Pause gerade ordentlich mit Bier betranken. Wir setzten uns in die Sonne und verwöhnten uns mit einem kühlen Schluck Gerstensaft und meinem neuen Lieblingsessen, der Reisnudelsuppe. Wir fanden den Fluss ohne Probleme. Mekong heisst er. Ich würde ihn eher Müllkong nennen. Eine braune Suppe mit einer ganzen Menge Unrat darin. Lecker. Auch wenn der Fluss eine Welle produzieren würde und ich zufälligerweise gerade ein Surfbrett dabeihätte, ich glaube, ich würde keinen Zeh da reinstecken.

Mit einem überraschend stabilen Langboot fuhren wir auf die andere Seite des Flusses zum Tempel. Der Tempel war echt schön. In die Felsen reingehauen, die Nischen mit Aberhunderten von Buddhastatuen bestückt. Die Fahrt hat sich auf jeden Fall gelohnt.

landscape 3

Mir schien, dass die Leute in der Stadt einiges unfreundlicher und geldgieriger drauf waren, als die Menschen auf dem Land. Ich war ganz ehrlich gesagt ein bisschen von Luang Prabang als Stadt enttäuscht. Zumal ich viel Gutes darüber gehört hatte. Nach einem Spaziergang an den Mekong und dem Nebenfluss entlang kamen wir jedoch durch wunderschöne Stadtteile, die wie in Vientiane französisches Flair ausstrahlten, wo die Leute lächelten und freundlich waren und die ganze Umgebung mit ihren Tempeln, Häusern, Restaurants und Parks mich wieder Friede und Freude spüren liessen. Eine entspannende Massage war ein würdiger Abschluss eines wunderschöne Tages und zugleich Vorbereitung auf die bevorstehende 23 stündige Busfahrt zurück nach Chiang Mai.

Was soll ich dazu sagen? AUTSCH! Mein Hintern könnte momentan grad platter nicht sein.

Laotische Idylle: Vang Vieng

22 Dez

Der nächste Tag war in Regen ertränkt. Wir nahmen dies zum Anlass, dem Manager des Guesthouses unsere Hoffnung auf Sonnenschein für den nächsten Tag kundzutun, worauf wir die lapidare Antwort „tomorrow never comes“ erhielten. Beim Frühstücken war gute Unterhaltung durch die lustigen Japaner geboten, die schon um 9 Uhr morgens mit der ersten grossen Bierflasche den Tag eingeläutet und dann auch den ganzen Rest vom Tag dem Alkoholkonsum gewidmet haben. Die Bierflaschen wurden alsbald von einer Whiskey-Flasche abgelöst. Dazu lautes Gelächter, japanisches Palaver und ausgiebiges Kartengespiele.

Als die Himmelschleusen für eine Weile genug Wasser ausgeschüttet hatten, haben wir die Chance gepackt, trockenen Fusses ins Dorf zu gelangen. Es war nicht viel los, die Stimmung war ruhig und beschaulich, wir genossen den Frieden. Nach soviel Gemütichkeit stieg abends dann die Lust auf mehr Lärm und Aktivität. Wir gingen deshalb frohen Mutes ins Irish Pub und schlugen uns zu Live-Musik den Bauch mit leckerem (und sehr unasiatischem) Essen voll. In kürzester Zeit haben wir auch eine Menge neuer Leute kennengelernt, darunter einen verrückten Engländer, der wie 14 aussah, eine junge Dame, die mit Mutter unterwegs war und fleissig Party machte (die Mutter war echt super gut drauf), zwei eher wortkarge, jedoch humorvolle Israelis, ein gesprächiger Deutscher und eine gemütliche Bernerin. Nach ausgiebigem Feiern war die gute Mütze Schlaf redlich verdient.

Am darauffolgenden Morgen lachte die Sonne vom Himmel. Es ist erstaunlich, wie Sonne und blauer Himmel aus einem an und für sich schon schönen Ort ein leuchtend grünes Paradies zaubern. Der warme Tag verlangte geradezu nach körperlicher Aktivität und so fuhren wir mit Rädern von zweifelhafter Qualität über Holperstrassen und Waldwege Richtung Berge. Unser Ziel: Höhlen mit Indoor- und Outdoorpool. Gesucht, gefunden. Mit zwei laotischen kleinen Jungs als unsere Führer spazierten wir durch eine atemberaubende Natur. Felder, Wälder, Berge und Teiche in perfektem Zusammenspiel. Meine Augen und meine Kamera konnten nicht genug davon kriegen. Unsere Guides führten uns in den Höhlen durch enge Gänge nach unten, an den Wänden waren Kalksteinklangkörper ausgebildet, die je nachdem, wo man drauf klopfte, verschieden hohe Töne von sich gaben. Man kann es sich als eine Art Höhlenxylophon vorstellen. Am Ende des Ganges dann ein Teich. Ich traute mich rein, fühlte mich aber nicht ganz wohl, denn der Grund war tief und es ist einfach ein bisschen beängstigend, irgendwo unter der Erde im Wasser rumzuplantschen.

landscape 1

landscape 4

Auf dem Rückweg hörten wir vertrautes Gelächter. Ah, auch die lustigen Japaner haben den Weg nach Draussen gefunden. Ich schätze mal, der vorherige Tag war genug des Bierfrönens. Auf dem Rückweg zu unseren Rädern musste ich dringend meine Blase leeren und fand ein einsames Toilettenhäuschen mitten im Feld. Irgendwie rührend, wie die WC-Schüssel einfach so da stand.

DSC03693

In Vang Vieng hatte die touristische Entwicklung bis zum letzten Jahr eine ungesunde Gestalt angenommen: Als Partyhochburg bekannt strömten Massen feierwütiger Trunkenbolde in das kleine Dorf mitten in den Bergen, um Alkohol und Drogen in rauen Mengen zu konsumieren, tagsüber in berauschtem Zustand den Fluss in alten Lastwagenreifen herunterzutreiben und nachts die zahlreichen Bars unsicher zu machen. Das wilde Treiben führte zu wüsten Verletzungen wie Knochenbrüchen und zu nicht wenigen Todesfällen. Nachdem es zu einem traurigen Rekord von 30 Toten innerhalb eines Jahres kam, wurde es den örtlichen Behörden zu bunt. Anfangs letzten Jahres wurden zahlreiche Bars abgerissen oder geschlossen und eine Nachtsperre eingeführt. Vang Vieng soll nicht für unzüchtiges, lästerliches Verhalten berühmt sein, sondern für die gemütliche Atmosphäre und die seltene Schönheit der umliegenden Natur. Vang Vieng verdient tatsächlich den Namen eines aussergewöhnlich schönen Naturparadieses.

frame

Laotische Idylle

21 Dez

Spontan entschied ich, das vertraute Chiang Mai zu verlassen und mit Rucksack mir neue, unbekannte Pfade zu erkunden. Und zwar in Laos. Zwölf Stunden im arg gekühlten Minivan, die hartes Sitzleder, viel Geduld meinerseits und viel Flexibilität meines Magens erforderten. Hartes Sitzleder, da ich unpraktischerweise den Sitz erwischt habe, den man wegen des dahinter aufgestapelten Gepäcks nicht nach hinten lehnen konnte, Geduld, da ich den Van, statt wie angekündigt nur zu zweit mit einer ganzen Horde Engländer/innen (oder vielleicht auch Australier/innen, das kann ich nicht so genau sagen) teilen musste und Flexibilität meines Magens, da dieser während der ganzen Zeit nur mit Toast-Schinken-Käse-Sandwiches von Seven Eleven gefüttert wurde. Mangelernährung schlechthin, wenn auch leckere.

Am Zoll angekommen musste ich Dank meines Thaipasses erstens nicht anstehen und zweitens nur einen einzigen US-Dollar „Eintritt“ bezahlen – im Gegensatz zu allen anderen Touristen, die satte 31 Dollar hinblättern mussten. Da fühlte ich mich als ziemliche VIP und war (muss ich beschämt zugeben) ordentlich schadenfreudig.

Nach der Grenze wurden wir mitsamt Gepäck in ein Tuk Tuk verfrachtet und das Gepäck in wackeliger Formation auf das Dach geschnallt. Einer hatte keinen Platz mehr und musste als Trittbrettfahrer hinhalten.

In Vientiane angekommen war ich überrascht über das französisch anmutende Flair der Stadt. Da ich mich wie immer vor meiner Abreise überhaupt kein bisschen informiert habe, wusste ich auch nicht, dass Laos früher französisches Protektorat war. Auch die Leute waren unglaublich freundlich und angenehm. Die Atmosphäre war eine friedliche und erholsame. Im Salon de Thé habe ich deshalb pain au chocolat genossen und Angie kennengelernt, eine Österreicherin, die über 4’500 km mit den Moped durch Südostasien gedüst ist und sich auch vor rabiaten Polizisten nicht fürchtete, die ihr keine Quittung für Bussen ausstellen und ihren Führerausweis einziehen wollten. Ihr Durchsetzungsvermögen hat gesiegt und der Polizist musste sich ob soviel vehementer Gegenwehr geschlagen geben. Angie hat mich auch überzeugt, dass Vang Vieng das nächste lohnende Ausflugsziel sei und ich deshalb kurz entschlossen den nächsten VIP Bus dahin gebucht habe. Bis zur Abfahrt liess ich mich mit laotischer Massage von einem höchstens 18 jährigen, dünnen und mindestens einem Kopf kleineren Jungen verwöhnen. Eine gute Entscheidung, denn der VIP Bus entpuppte sich als muskelverspannender Minivan. Minivans, so meine bisherige Erfahrung, waren definitiv nicht meine bevorzugten Transportmittel was lange Distanzen anging. Minivan heisst verspannter Nacken, krummer Rücken und schmerzender Hintern.

In Vang Vieng war es schon dunkel, als ich angekommen bin. Trotz Hochsaison habe ich ein wunderschönes kleines Guesthouse gefunden. Bungalows und Zimmer eingebettet in einen tropischen Garten, ein Manager, der um keinen Spruch verlegen war, Bier und ein leckeres Nachtessen. Und eine heisse Dusche. Und ein normales bequemes Bett. Seit dem vielen Busfahren kann ich den Wert eines richtigen Bettes gar nicht mehr genug schätzen, und der Spruch „Schlafen sei überbewertet“, dazu muss ich wohl gar nichts mehr sagen. Der Himmel dachte wohl was ähnliches und öffnete seine Schleusen, um mir in lautester Lautstärke ein brausendes Regenlied zum Einschlafen zu spielen.

in love

Zwischenwelt / In between worlds

18 Dez

Mönche im orangenen Gewand
Entlang dem Strassenrand
Die Körbe für Almosen ausgestreckt
Die Hälse der Touristen weit gereckt
Die Orangenen gleichmütig
Die Menge fotowütig
Die aufdringlichen Verkäuferinnen gierig.
Die Frage nach Moral schwierig.
Alsbald die Mönche von der Dämmerung verschluckt
Ist die Welt zurück in die Realität gerückt.

Geschrieben in Laos, nachdem ich Teil des Schauspiels war, wie Mönche jeden Morgen früh ihre Tour durch die Strassen von Luang Prabang machen. Als Gebende, als Fotowütige und als Kritisierende. Beschämt, dem Drang nachgegeben zu haben, diesen Moment fotografisch verewigen zu wollen und geehrt, Zeuge dieses ehrwürdigen Zeremoniells gewesen zu sein.

________________

Monks in orange robes
Walk on city roads
Baskets streched out, asking for alms
Tourists craning necks, no qualms
Scholars, even minded and serene
Tourists shooting pictures, upfront mean
Pushy vendors, greedy day in and day out
Morals and ethics? A delicate subject, no doubt
The monks, soon swallowed by the morning light
Make the world change back into reality’s sight.

Written after experiencing the beautiful morning ceremony of the monks in Luang Prabang, Laos. Giving them alms myself, craning my very own neck, taking pictures and criticizing it all at the same time. Ashamed to have given in to the urgence of wanting to perpetuate those moments and highly honored to have been given the chance to witness that sacred event.