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Eine kleine Selektion Balis schöner Momente… („bali – an observation“ von David Child und Katrina Parker)

31 Okt

Heute bin ich über diesen Videoclip über Bali gestolpert. Ich muss sagen: eine Minifilm-Perle. Viele schöne alltägliche Momente, wie ich sie in Bali ebenfalls genauso gesehen und erlebt habe. Eine kleine Selektion der schönen Seiten Balis:

bali – an observation
from David Child and Katrina Parker

Zwischen Himmel und Hölle – der Vulkan Gunung Agung

26 Mär

Bali wird oft mit einem Paradies gleichgesetzt. Etwas Himmlischem. Unbestreitbar Göttlichem. Wie könnte es auch anders sein, wird die Insel auch die Insel der tausend Tempel genannt. Oder die Götterinsel.

Will man dem Himmel also besonders nah sein, kann man die Nähe zu den Göttern, die durch die reine Anwesenheit auf Bali eh schon ziemlich gross ist, noch markant steigern. Indem man nämlich auf den Gipfel des heiligen Berges Gunung Agung steigt. Nachts, versteht sich. Mit Turnschuhen, dicken Pullovern, Jacke und Stirnlampe ausgerüstet.

Eine gute Idee, fanden wir, und machten uns an den halsbrecherischen Aufstieg – dem luftigen Himmel und dem wartenden Sonnenaufgang entgegen. Leichten Schrittes ging es über erdige Pfade in die Höhe. Wayan, unser ausgesprochen fröhlicher, hilfsbereiter und zuvorkommender Guide führte uns sicher über rutschige Stellen und bewahrte uns davor, Kopf voran in herabhängende Äste und Gestrüpp zu laufen.

Wayans Hund folgte uns als stiller Schatten, schwanzwedelnd und topfit.

Nach einer Weile wurde es felsiger und steiler. Teils auf allen Vieren bahnten wir unseren Weg durch das steinige Labyrinth. Ohne Guide wären wir in kürzester Zeit verloren gewesen. Die Beine wurden schwerer, der Atem auch, doch noch immer rief der Gipfel und trieb uns an. Gelegentliche Pausen mit Keksen, Bananen und Wasser liess unsere angestrengten Beine immer wieder erstarken.

Nach gut drei Stunden und einigen gedanklichen Fluchern kamen wir endlich oben an.

Unseren Augen eröffnete sich die ganze Schönheit einer stillen Nacht. Nur ein schwacher Schimmer am Horizont liess den kommenden Tag erahnen. Wayans Hund schien ebenfalls vom dieser atemberaubenden Atmosphäre verzaubert und stand erstarrt am Felsrand, den Blick gebannt auf die unter uns ausgebreitete Landschaft gerichtet.

Es ist unbeschreiblich, wie man sich da oben fühlt. Ich versuche trotzdem, einige Worte dafür zu finden. Ich kam mir so klein vor, spürte die Grösse und Mächtigkeit des Bodens und des Himmels. Und doch fühlte ich mich geborgen. Von der Dunkelheit umarmt und vom leichten Wind umsorgt.

Als die leuchtenden Strahlen den Horizont überfluteten und ihre Farbenpracht in den Himmel und die Wolken gossen, uns mit Wärme und Gold umfluteten, war ich für einige Sekunden der Wirklichkeit entrückt. Wahrlich im Himmel.

Meine Freunde, heisser Tee und noch mehr Kekse machten das Glück perfekt und liessen mich erfolgreich das Wissen verdrängen, dass nach einem dreistündigen Aufstieg eben auch der dreistündige Abstieg folgt. Aus Erfahrung weiss ich, dass mich die Hölle erwartete.

Alle rannten locker und flockig den Berg runter, so schien es mir. Der Russe und T. hatten sogar noch jede Menge Spass dabei. Immer wieder hörte ich ihr Geplauder und Gelächter, bis es irgendwann in der Ferne unter mir verschwand. Ich kämpfte mich Minischritt für Minischritt von Stein zu Stein, suchte mir im Schneckentempo meinen Weg bergabwärts, immer in Angst, auszurutschen und mit kaputtem Bein irgendwo liegen zu bleiben. Meine Knie schmerzten, meine Muskeln weinten und ich war am Verzweifeln. Und das nach nur einem Drittel der ganzen Strecke. Ich hätte heulen können und hätte es auch fast getan.

Zum Glück waren die einen so schnell und die anderen noch langsamer als ich. So konnte ich die Tortur wenigstens schweigend und in Ruhe zu ertragen versuchen.

Schritt um Schritt, Pfad um Pfad, Kurve um Kurve. Endlos. Immer ging es weiter. Und weiter. Wann immer ich gedacht hatte, dass jetzt ENDLICH der Tempel auftauchen müsste, der Fast-Endpunkt des Abstieges, eröffnete sich mir ein neuer Pfad, und noch einer, und noch einer.

Am Ende meiner Kräfte hab ich es aber doch noch geschafft. Der rettende Tempel. Nur: Es galt noch einen ziemlich lange Treppenflucht hinunterzulaufen. Die rannte ich buchstäblich runter, etwas anderes ertrugen meine Muskeln einfach nicht mehr. Die reinste Hölle.

Und dann: Endlich angekommen. Schuhe ausgezogen. Wasser getrunken. Durchgeatmet. Hingesessen. Stolz gewesen.

Da war ich wieder im Himmel.

Eine überraschende Konversation mit einem balinesischen Taxifahrer

24 Mär

An meinem letzten Tag in Bali, das war Ende Februar, liess ich mich von einem balinesischen Taxifahrer an den Flughafen fahren. Hab mit ihm frisch und fröhlich geplaudert und gefragt, warum eigentlich viele Taxifahrer nicht mehr mit Taxameter fahren wollen (eine kleine Geschichte dazu in einem meiner früheren Posts „Bali mit neuen Augen – der erste Tag“.

Anscheinend gehört das grosse Taxiunternehmen Blue Bird einem stinkreichen Indonesier aus Jakarta, der so viel mit dem Unternehmen verdient, dass kürzlich die gesamte Flotte mit neuen bequemem Autos ausgestattet wurde. Die Taxifahrer jedoch verdienen – wie könnte es anders sein – praktisch nichts. Von dem wenigen Geld, dass sie sich pro Tag er-fahren, müssen sie erstens Lizenzgebühren bezahlen, das Benzin ebenfalls und nach einem Tag Gäste rumkutschieren bleibt praktisch nichts übrig. Aus diesem Grund hat er persönlich auch beschlossen, vor einigen Jahren privater Taxifahrer zu werden. Einiges lukrativer.

Da ich mir auch schon viele Male intensiv Gedanken über die Probleme Bali’s aus meiner Sicht gemacht habe, war ich neugierig, wie er als Balinese wohl darüber denkt und hab ihn mit noch mehr Fragen gelöchert.

Die Antworten waren überraschenderweise ganz anders erwartet.

Auf die Frage, wie er den wachsenden Tourismus und die damit verbundene Infrastruktur- und Müllproblematik bzw. die laufende Zerstörung Balis empfindet, meinte er nur lapidar, dass er seit 20 Jahren Fahrer ist, damit seine Familie ernähren kann und die Touristen deshalb toll findet.

Was ihn jedoch sehr beschäftigt, sind ganz andere Angelegenheiten. Zum Beispiel die mangelnde Bereitschaft der balinesischen Regierung, die eigene Kultur zu pflegen und zu schützen. Oder gar deren aktiven Bemühungen, die eigene Kultur zu untergraben.

Es war erst kürzlich oder ist vielleicht sogar noch die Diskussion in Gange, ob die balinesische Sprache von den Schulen verbannt werden soll. Zusätzlich sprechen viele Balinesen mit ihren Kindern nur noch Indonesisch, da sie der Meinung sind, dass das Kind erstens mit mehreren Sprachen überfordert ist (woher kommt das wohl, frage ich mich?) und Indonesisch ja nun die Landessprache ist, also viel wichtiger für Bildung und Karriere.

Ihnen ist vielmals nicht bewusst, dass ein Kind erstens ohne Probleme mehrsprachig aufwachsen kann und zweitens Sprache eine wichtige Grundlage der Kultur und eigenen Identität darstellt sowie Spiegel der eigenen Identität und Kultur ist.

Im weiteren ist die balinesische Sprache – ein äusserst komplexes Konstrukt aus drei verschiedenen Höflichkeitsebenen, die wiederum jede in drei weitere Ebenen unterteilt ist – schon so weit zerfallen, dass die meisten Balinesen heute praktisch nur noch zwei Ebenen beherrschen. Die übliche Umgangssprache und eine Ebene der Höflichkeitssprache. Nur die ältere Generation spricht mindestens drei oder mehrere Ebenen, die sich teils komplett voneinander unterscheiden.

Um kurz abzuschweifen – hier zwei interessante Artikel zum Thema Sprache und Kultur:

http://www.dw.de/sprache-ist-identität/a-3137816

http://www.alumniportal-deutschland.org/deutschland/land-leute/artikel/deutsche-sprache-identitaet.html

Weiter soll der Ogoh-Ogoh verboten werden, da die Regierung Angst vor Gewalt und Randalierern hat. Beim Ogoh-Ogoh, einem karnevalsähnlichen Umzug zum Einläuten des balinesischen Neujahres Nyepi, werden riesige, selbstgebastelte Statuen mitgetragen. Diese verkörpern die bösen Geister, die vertrieben werden müssen. Der Ogoh-Ogoh-Umzug ist nicht nur grosse Touristenattraktion, sondern vor allem ein wichtiges traditionelles, religiöses und auch gesellschaftliches Ereignis, welches tief in der balinesischen Kultur verwurzelt ist. Für meinen Taxifahrer völlig unverständlich, wie die Regierung überhaupt auf die Idee kommen kann, den Umzug verbieten zu wollen.

Auch der sich von der üblichen balinesischen Bauweise entfernende Baustil bereitet ihm einiges an Sorgen. Früher mussten sämtliche neu gebauten Gebäude dem balinesischen Baustil entsprechen. Heute darf gebaut werden, wie man will. Es gibt einige Regeln wie zum Beispiel, dass nicht höher als die Bäume oder nicht näher als 100 – 150 Meter an den Strand hin gebaut werden darf, aber mit den nötigen Beziehungen und Bestechungen können auch diese problemlos umgangen werden. Mein Taxifahrer findet es schade und bedrückend, dass man in vielen Strassen nicht einmal mehr erkennen kann, dass man in Bali ist, sondern irgendwo in Indonesien sein könnte.

Die Einwanderung muslimischer Indonesier billigt er teilweise ebenfalls nicht. Nicht aus religiösen Gründen, sondern weil dem Rest Indonesiens nicht Bali und ihre Traditionen wichtig ist, sondern rein wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen. Auch so wird vor allem in den Städten und dicht besiedelten Gebieten viel von der balinesischen Kultur verdrängt.

Für mich war das Gespräch sehr interessant und aufschlussreich, da mir einmal mehr bewusst wurde, dass Bali nicht nur von den Touristenströmen und daraus resultierenden Problemen belastet ist, sondern sich auch innerhalb der balinesischen und indonesischen Gesellschaft viele Dinge abspielen, die man als Ausländer und auch als Expat nicht einmal mitkriegt.

Ich möchte jedoch an dieser Stelle ebenfalls betonen, dass sich sehr viele Ausländer und auch Einheimische auf vielerlei Weise sehr intensiv um die Lösung oder Verbesserung vieler Problematiken bemühen. Dazu vielleicht bald mehr in einem neuen Post.

Bildnachweis: http://baliskytour.files.wordpress.com/2011/06/ogoh-ogoh.jpg

Bali mit neuen Augen – Rückblick und Reflexion

1 Mär

Die letzten beiden Tage waren einfach nur schön. Die Sonne schien strahlend vom blauen Himmel, das Wasser war glatt, die Wellen klein und sauber. Ich nahm mir viel Zeit für mich. Zeit, einfach zu sein, einfach zu geniessen, über Vielerlei nachzudenken, Bali noch einmal mit allen Sinnen in mich aufzunehmen.

Es ist mir sogar gelungen, einen kleinen Song zu schreiben. Gelernt habe ich von jemandem, der sein Handwerk ohne Zweifel bestens versteht. Vier Stunden Reimen, mit einem bestimmten Beat in den Ohren, leise vor mich hinmurmelnd, bis alles gestimmt hat. Es war und ist eine unglaubliche Befriedigung, als ich fertig war und noch ein letztes Mal die Worte mit dem Beat sprach.

Das Schreiben, ob in Form eines Textes, Gedichtes oder Liedes ist eine Art der Verarbeitung von Emotionen, die sehr tiefgreifend für mich ist, mir sehr viel Schwere von der Seele nimmt und mich mit Themen abschliessen lässt, die mich aus der Vergangenheit bis in die Gegenwart verfolgen. Darüber hinaus macht mir Schreiben einfach auch eine Menge Spass.

Bali gab mir die Zeit, die Umgebung und die Menschen um mich herum, die ich brauchte, um meiner Kreativität wieder auf einer bewussteren und ausschweifenderen Weise Raum zu geben.

Ich wurde in den letzten beiden Tagen auch verschiedentlich auf meinen Blog angesprochen. Das hat mich erstaunt und auch gefreut. Dabei wurden einige Fragen gestellt.

Schreibe ich aus einem bestimmten Grund?

Ja, tue ich. Einerseits, um meine Familie, Freunde und auch Fremde an meinen Erlebnissen und Gedanken teilhaben zu lassen, andererseits, weil es Spass macht und eben, wie oben erwähnt, um Emotionales zu verarbeiten.

Reise ich aus einem bestimmten Grund?

Hier verweise ich auf meinen Eintrag „the meaningfulness of traveling“. Gereist bin ich bisher aus verschiedenen Gründen und habe dabei verschiedene Phasen durchlaufen: Spass am Reisen, Abenteuern und Neuem entdecken, vor unerträglichen Situationen davonlaufen, Glück suchen, Sinn finden. Aktuell reise ich aus Spass und weil es mich nach einer bestimmten Zeit einfach wieder woanders hinzieht.

Was ist es, was mich nach Bali zieht?

Gute Frage. Ich kann nur mit einer Gegenfrage antworten: Warum verliebt man sich in Jemanden? Ich glaube, sich verlieben ist einfach etwas Irrationales, etwas Unerklärliches, etwas Unbegründbares. So ging es mir mit Bali. Ich setzte im Jahr 2005 erstmals meinen Fuss auf die Insel und war sofort und unerklärlich verliebt, obwohl ich noch gar nichts ausser dem Flughafen gesehen hatte. Die Liebe hält bis heute an. Sie hat sich verändert. Sie ist von der enthusiastischen Begeisterung eines ersten Verliebtseins mit Schmetterlingen im Bauch in eine reifere, erwachsenere Liebe gereift. In eine, die mich nicht Alles mit rosaroter Brille sehen lässt, sondern in eine, die die negativen und positiven Aspekte bewusst wahrnimmt und akzeptiert, die gereift tief in meinem Herz sitzt, unerschütterlich.

Ich habe mir kürzlich selber die Frage gestellt, ob ich hier wirklich leben könnte. Die Antwort ist schlicht und einfach „Ja“. Will ich hier leben? Die Antwort ist „Nein, jetzt nicht“. Mir ist bewusst geworden, dass meine Wurzeln in der Schweiz liegen, dass ich noch andere Orte entdecken möchte und dass ich wohl immer eine „Nomadin“ bleiben werde. Eine, die es öfters einmal in die Ferne zieht.

Deshalb ist und bleibt die Schweiz meine Basis, meine Heimat. Und der Rest der Welt mein Spielplatz.

Wo sehe ich mich in 10 Jahren?

Ganz ehrlich? Keine Ahnung. Es lohnt sich für mich überhaupt nicht, auch nur im Entferntesten soweit in die Zukunft zu denken. Weshalb? Weil ich genau weiss, dass sich meine Pläne innerhalb eines Lidschlages komplett ändern können. Das Wichtigste ist: Ich möchte immer zufrieden auf mein Leben zurückblicken können.

Und wenn ich jetzt auf mein bisheriges Leben zurückblicke, dann kann ich höchstzufrieden sagen, dass es bis anhin ein tolles Leben war (und hoffentlich auch bleibt). Ich befand und befinde mich auf einem Weg, der zwar oft mit Schlaglöchern und Hindernissen gespickt ist, jedoch auch von Schönheit und vielen positiven Überraschungen nur so strotzt. Ein Weg, der lehrt und ein Weg, der schenkt.

Bali mit neuen Augen: Die Verrücktheiten des Strassenverkehrs

23 Feb

Wer denkt, er könnte nie und nimmer eine Strasse flicken und ausbessern, der irrt sich gewaltig. Das kann jeder, ohne Zweifel. Zumindest in Bali. Wirklich JEDER! Und den Formen und Auswüchsen sind keine Grenzen gesetzt. Die einzige Regel: Die Flickstellen müssen möglichst gut sichtbar sein und den Rädern des Mopeds so viele Schwierigkeiten wie möglich bereiten. Dabei sollte auch die künstlerische und kreative Seite nicht zu kurz kommen: Wellig, hügelig, dellig – alles erlaubt, nur nicht flach und gerade.

Eine weitere Besonderheit im balinesischen Strassenverkehr sind die irren Überholmanöver. Als Mopedfahrer schwebt man in ständiger, ununterbrochener Lebensgefahr. Busse kommen einem hupend und dröhnend auf der eigenen Strassenseite entgegen im Wissen, dass sie mit ihrer Grösse in jedem Fall überlegen sind. Als einzige mögliche Reaktion bleibt nur noch das Ausweichen an den Strassenrand. Kurven sind in der Beliebtheitsskala der Überholorte bei Männern ganz oben. Ich wage mal zu behaupten, der Testosteron- und Adrenalinspiegel spielt dabei eine nicht ganz kleine Rolle.

An Ampeln ist es immer wichtig, die absolute Poleposition innezuhaben. Durchdrängeln um jeden Preis, bis man ganz zuvorderst steht, den Blick starr auf die Ampel gerichtet, um schon zwei Sekunden vor Grünschaltung mit Vollgas losrasen zu können.

Übrigens gibt es in Bali tatsächlich Geschwindigkeitsbegrenzungen. Nur hält sich erstens keiner dran und zweitens gibt es schlichtweg keine Geschwindigkeitskontrollen.

Polizeikontrollen gibt es jedoch zuhauf. Der Trick, einer Kontrolle aus dem Weg zu gehen (z.B. wenn man keinen internationalen Führerausweis mit dabei hat oder ohne Helm fährt), sich möglichst hinter einem Lastwagen verstecken, damit die Polizisten nicht sehen, dass ein Ausländer angefahren kommt. Und wenn sie trotzdem mit ihren Trillerpfeifen schrillen und einen rauswinken, den Blick einfach abwenden, stur weiterfahren, einen eleganten Bogen um den Polizisten herum fahren und einfach davon düsen. Wenn das einem dummerweise einmal nicht gelingt, immer freundlich lächeln, erzählen wie schön Bali ist, wie gut es einem gefällt und sich entschuldigen, dass man die nötigen Papiere nicht dabei hat oder ohne Helm gefahren ist, einen IDR 50’000-Schein (ca. EUR 5) hinstrecken, überschwänglich versichern, dass man sich gleich um die nötigen Massnahmen zur Erlangung der Gesetzestreue bemüht und nett fragen, ob man denn nun weiterfahren darf.

Stau ist auch ein oft gesehenes Übel auf balinesischen Strassen. Einerseits wegen engen oder löchrigen Strassen, auf denen zwei Autos nur ganz knapp und mit viel Manövrieren aneinander vorbeikommen, andererseits wegen Fahrern, die ihre Autos, Lastwagen oder Motorräder irgendwo am Strassenrand parken und keinen Gedanken daran verschwenden, dass sie so den flüssigen Verkehr erheblich erschweren. An Kreuzungen gibt es keine Vortrittsregel oder Reissverschlussprinzip, sondern es wird von allen Seiten gedrängelt, bis man irgendwie durchgekommen ist. Oder eben auch nicht. Dann geht einfach mal eine halbe Stunde nichts, weil niemand weder vor noch zurück kommt. Irgendwie entwirrt sich das Knäuel schlussendlich aber doch.

Absoluten Vorrang haben balinesische Zeremonien. Ganze Prozessionen gehen dann gemütlich in ihrem Tempo auf der Strasse entlang. Egal welche Strasse. Egal wie stark befahren. Egal, ob dadurch ein mindestens 3-stündiger Stau ausgelöst wird. Die Prozession hat Vorrang, die Strasse wird einfach gesperrt oder – falls es die breite der Strasse erlaubt – der Verkehr nur noch einspurig durchgelassen.

Gemäss Statistik sterben jeden Tag 8 Personen im balinesischen Strassenverkehr. Auf einer Insel, die flächenmässig nur ca. 1/8 der Schweiz ausmacht und über 3 Millionen Einwohner beherbergt, die Touristenströme nicht miteingerechnet. Zum Vergleich: Auf Schweizer Strassen stirbt pro Tag eine Person.

Und doch scheint das Chaos einer gewissen Ordnung zu folgen und der Verkehr funktioniert trotz Ignorieren der meisten Verkehrsregeln erstaunlich gut.

balinese-people

Bali mit neuen Augen – Higheels in Bali

17 Feb

Highheels sind was schönes. Sexy. Ein unverzichtbares Accessoire für eine Frau. WENN man darin Laufen kann. Ich habe es nun das erste Mal in Bali gewagt, meine Highheels, die ich immer dabei hab, auch wirklich einmal anzuziehen.

Ich in Highheels: Wie auf Eierschalen, panisch nach jeder Möglichkeit suchend, sich irgendwo festhalten zu können, den Blick starr auf den Boden gerichtet.

Die anderen in Higheels: Graziös und elegant, mit kokettem Augenaufschlag und sicherem Schritt.

Die Ladyboys in Higheels: Noch graziöser, eleganter, mit dem kokettesten Blick und sichersten Schritt, den man sich nur vorstellen kann.

Meiner Meinung nach sind balinesische Böden, ob drinnen oder draussen, einfach suspekt. Uneben, mit Löchern gespickt und Hindernissen bestückt. Mit Absicht darauf bedacht, den Füssen möglichst viel Ungemach zu bringen. Es verwundert mich schon ein bisschen, dass in Bali bis jetzt keine Epidemie von Schlaglochphobie ausgebrochen ist.

Fazit:

Balinesische Böden sind böse und Übung macht den Meister.

Bali mit neuen Augen – Zuhause und andere Geschichten

15 Feb

Bin gerade mal 48 Stunden auf der Insel und ich habe das Gefühl, nie weggewesen zu sein. Es ist wunderschön, wieder in meinem zweiten Zuhause angekommen zu sein. Die Gerüche, die Hitze, die feuchte Luft, der ganze Lärm, das ganze Durcheinander, die Leute, das Meer. Einfach Alles. Mit jedem Blick, mit jedem Atemzug sauge ich ganz Bali in mich auf.

Und doch: Es ist wahnsinnig, in welcher Geschwindigkeit sich das Bild einer Strasse oder eines Ortes ändern kann. Bekannte Restaurants und Läden sind verschwunden, dafür neue entstanden. Es herrscht einfach ein unglaubliches Tempo. Als ich heute zu einem Freund fuhr, um meine gelagerten Sachen bei ihm abzuholen, fuhr ich auf einer Strasse, die ich monatelang mehrmals täglich gefahren bin. Und erkannte sie nicht wieder. Kein bisschen. Ich wusste, dass ich auf der richtigen Strasse fahre, aber es war nicht mehr der durchlöcherte Schotterweg von früher, sondern eine geteerte Strasse mit Mittelstreifen. Das hat mich dermassen verwirrt, dass mir mein eh schon nicht sehr ausgeprägter Orientierungssinn fast gänzlich abhanden gekommen ist.

Ist mir aber gelungen, das richtige Haus zu finden. Meine drei Bretter sind wieder bei mir. Frisch ausgepackt, gewachst, mit Finnen und Leash versehen.

Wollte gerade mal zum Strand runter fahren und schauen, ob es irgendwelche surfbare Wellen gab. Und da sitzt tatsächlich ein Balinese neben einer Barriere und will IDR 2’000 fürs Parken. Es sind zwar nur 20 Rappen, aber trotzdem. Jahrelang fuhr ich hierher und es war immer frei. Aber die Banjars (das sind die Verwaltungen der Dörfer), kommen immer mehr und mehr auf den Geschmack, wo immer möglich was dazuzuverdienen. Naja, solange das Geld der Dorfbevölkerung zugute kommt, aber man weiss ja nie, in welchen Taschen sonst so das Geld verschwindet. Wie kürzlich schon einmal bemerkt: Indonesien ist auf der Rangliste der korruptesten Länder auf einem Spitzenplatz.

Um meiner Empörung noch Stärke zu verleihen, entschied sich der Wind just in diesem Moment, ein paar Sturmböen zu schicken, so dass sich die Palmen bogen. Um noch eins drauf zu setzten, liess Petrus auch gerade noch eine schöne Portion Himmelswasser runter regnen. Wer sich mit Wellen ein bisschen auskennt, weiss, dass es zu diesem Zeitpunkt bestimmt keine Wellen gibt, also ging ich zurück auf mein Zimmer und machte es mir da gemütlich. Von meinem Sitzplatz aus kann ich nämlich die Spitze einer der Strandpalmen sehen, die mir von nun an als Windmesser dient. Je nach Schwankstärke der Palmenwedel kann ich etwa abschätzen, ob sich der Gang zum Strand lohnt oder nicht. Sehr praktisch.

Am späten Nachmittag war es tatsächlich soweit, dass ein paar kleine Wellen lockten. Ich wagte es als erstes ins warme Nass und hatte bis zum Einbruch der Dunkelheit total viel Spass. Ich verdränge jetzt mal, dass meine zurzeit ziemlich schwächlichen Arme und vor allem meine Rippen nach dem Aufwachen wahrscheinlich einige giftige Schmerzpfeile abschiessen werden.

Abends beim Nachtessen im Restaurant Bow in der Jalan Batu Belig (super schön und lecker) musste ich gefühlte literweise Tränen lachen. Und zwar wegen einer tragisch-komischen Liebesgeschichte, die sich ungefähr im Jahr 1989 zugetragen hat. Erzählt mit trockenem Humor unter noch mehr Lachtränen. Eine Geschichte, die so romantisch begann, verrückt ohne Ende war und absolut tragisch endete. Ein Typ, wie er romantischer nicht sein konnte, leider auch ein Typ, wie er egoistischer bzw. narzisstischer nicht sein konnte. Wenn ich die Erlaubnis von der Dame kriege, würde ich die Geschichte gerne einmal posten.

Meine Freundin und ich gingen dann später noch einmal ins Favela, weil ich ihr unbedingt die Location zeigen wollte. Bäume, die in den Räumen wachsen, eine Aussenterrasse wie aus dem Dschungel, viel Liebe zum Detail. Ich bin begeistert. Aber die beste Entdeckung war heute die Toilette: Eine frauengerechte Toilette. Ein riesiger Raum, mit Sofas zum plaudern und sich die Nase pudern (Frauen können einfach nicht alleine aufs WC), einem alten Zahnarztstuhl (oder war es ein elektrischer Stuhl? Schwer zu sagen) und einer altmodischen Waage, die man mit Gewichten selber einstellen muss (ist mir übrigens auch in nicht alkoholisiertem Zustand nicht gelungen. Das ganze hat ein angenehmes Wohnzimmerfeeling.Heute war die Bar leer (wir wollten eigentlich schöne Männer schauen gehen). Aber freitags ist immer Party. Und dann ist es brechend voll. Vielleicht nächsten Freitag.

Bali ist einfach interessant. An jeder Ecke, überall wo man hingeht, trifft man interessante neue Leute. Man hört so viele Lebensgeschichten, Erfahrungen, es gibt so viel zu diskutieren, zu bereden, zu lachen. Bali, die kleine Insel, bietet, so wage ich zu behaupten, die dichteste Dichte an einem bunten, kreativen, geschäftigen und eben höchst interessanten Menschenmix, den es auf dieser Welt gibt.

So, in weniger als vier Stunden muss ich wieder aufstehen, da ich gerne ins Morgenyoga in Bingin will. Ein weiter Weg für ein bisschen Yoga, aber es ist eben Ted’s Yoga. Das ist guuuuuut.

Und ja, ich glaube, ich habe heute während dem Schreiben mindestens 15 Schokobons verdrückt. Mein „Bettmümpfeli“, wie man auf gut „Züri-Düütsch“ sagt. Gute Nacht Welt.

Bali mit neuen Augen – der erste Tag…

14 Feb

Der Flug nach Bali verlief dieses Mal glücklicherweise unspektakulär. Nur in Frankfurt kam ich ganz kurz ins Schwitzen, als ich noch im Schweizer Flieger sass und die Lufthansa bereits mit dem Boarding des Anschlussfluges begonnen hat. Und da fällt mir gerade ein, dass ich beim Einchecken vergessen habe, meine Tasche abzuschliessen und in Plastik einwickeln zu lassen. Hatte deshalb einen ganz kurzen Anflug von Paranoia. Ins Gepäck gesteckte Drogen und so. Alles halb so wild, meine Tasche und ich sind wohlbehütet auf der Insel angekommen.

Da Valentinstag war, haben wir alle von Singapur Airlines noch eine süsse Karte mit Schokolade gekriegt. „Love is in the air“. Sprichwörtlich.

Mein Vorsatz, Bali mit neuen Augen zu betrachten, konnte ich schon im Flughafen umsetzen. Der ist jetzt nämlich fertig renoviert bzw. umgebaut und hat nichts mehr mit dem alten Flughafen gemein. Sobald die “freischaffenden” Taxifahrer gemerkt haben, dass ich kein Neuling mehr auf Bali bin, haben sie mich höflich an den offiziellen Taxischalter verwiesen (mit mir war halt kein lohnenswertes Geld zu verdienen).

Soweit so gut. Diesmal hatte ich einen ruhigen Taxifahrer, der nichts geredet hat. Ich erinnere mich an das eine Mal, als ich zuerst über meinen Heiratsstatus ausgefragt wurde, dann ob ich einen Freund habe, und beim Verneinen kam dann der Heiratsantrag und dass er bestimmt sehr gut für mich sorgen würde. Alles ernstgemeint. Ich habe mich dann höflich bedankt und darauf hingewiesen, dass ich keine Zeit zum Heiraten habe, da ich ja die ganze Zeit Surfen muss. Diese Ausrede wurde zwar mit leichter Enttäuschung, jedoch trotzdem sehr grossmütig akzeptiert.

Ging für die erste Nacht zu meiner langjährigen Freundin Barbara. Barbara ist toll. Sie ist mittlerweile 68 Jahre alt, hat vor zwei Jahren mit Ballet begonnen, letztes Jahr zusätzlich noch mit Trapezakrobatik und dieses Jahr geht sie immer mal wieder ins Poledancing. Wenn wir zusammen Party machen, bin nicht ich diejenige, die als erstes ins Bett geht. Gestern war es jedoch sie. Nach einer 20-stündigen Reise, ein paar Stunden quatschen mit Barbara und einer hart verdienten Dusche konnte ich der Aufforderung eines Freundes, noch ein bisschen ins Nachtleben einzutauchen, nicht widerstehen. Die Suche nach einem Taxi gestaltete sich anfangs ziemlich erfolglos. Rauchende Taxifahrer wollten nicht mit Taxameter fahren, sondern einen horrenden Fixbetrag vereinbaren. Ach ja. Bali ist ja nicht mehr die Billiginsel, die sie mal war. In gewissen Regionen (wie Seminyak) können es sich die einen Einheimischen ja leisten, sich normale Fahrten durch die Lappen gehen zu lassen. Ist ja viel zu anstrengend, wenn man zahlungskräftige, weil eh alkoholisierte, Nachtschwärmer befördern kann.

Stand also ein bisschen verloren am Strassenrand. Ein aufmerksamer junger Balinese kam mit seinem Moped angedüst und offerierte mir für einen fairen Preis die Fahrt an den gewünschten Zielort. Nach einem Blick auf sein Moped (neu und glänzend), seine Kleider (Hemd) und seine Haare (gepflegte Kurzhaarfrisur) stufte ich ihn als vertrauenswürdig, beschloss, auf mein gutes Bauchgefühl zu vertrauen und sass hinten drauf. Im Null Komma nichts war ich da. In Zürich würde ich mich nie getrauen, mich einfach so von einem Fremden transportieren zu lassen. Hier ist es jedoch gang und gäbe.

Das Klubleben in Bali ist zwar nicht vergleichbar mit gutem Ausgang in unseren Breitengraden, es gibt mittlerweile jedoch schon einige gute Ecken. Waren zuerst im Townhouse und dann im Favela. Das Townhouse in Oberoi ist ganz ok. Das Favela ist toll. Immer freitags ist Party. Mehr zum Favela im nächsten Post. Bin irgendwann todmüde in das bequemste Bett ganz Indonesiens gefallen und hab wie ein Stein ganze vier Stunden lang geschlafen. Dann war es schon wieder Zeit für einen nächsten, hoffentlich ereignisreichen Tag.

The most popular word in Bali…

24 Nov

A friend of mine asked for help on facebook. He wanted to know which of the below mentioned words is the most popular in Bali these days:

A) Mahal (expensive) or B) Habis (out of stock, or, as the Indonesians say: We don’t have…)

The answers were hilarious, so many words I remember from my travels and I can tell you: You hear them a million times every day! They so reflect a big part of their culture and they’re thinking. It’s typical for Asians (I know, I’m half Asian myself). If not today, then some other time. And anyway, there’s no rush and ANYWAY, I don’t know AND ANYWAY, TOMORROW’S ANOTHER DAY! Don’t worry, be happy and take it easy.

And thus, foreigners who live and work in Bali might get a hysterical fit if they hear those words one more time unless they adopted the Asian easy going way of thinking, which by the way, can be strenuous but let’s be honest: It does good to most Westeners to let go a bit and see life from a brighter and happier side! AND TO BE MORE PATIENT! (I can say that, I never had to work with Balinese together as an employer, so I can say crap like that, hahahaha).

So, here’s a little list of words, you can see where it goes:

Tidak tahu (I don’t know)
Belum (not yet)
Mungking (maybe)
Tidak bisa (not possible, can’t do it)
Kosong (which is the same as „habis“ – out of stock)
Lupa (forgot)
Tungu Tungu (wait wait as in please be patient)
Tidak boleh (not allowed as in not possible or you can’t do it)
Maaf (sorry)
Besok (tomorrow)

Ohhhhhhh gitu (ahhhhhhh it’s like that) (accompanied by a vigorous nod of the head)

Habis pak, maaf, coba besok mungkin (It’s out of stock Sir, sorry, maybe you try it again tomorrow?)

Inspiring people I’ve met in Bali

27 Aug

There’s loads of inspiring people I’ve met in Bali – or – in one case – haven’t met at all but heard just awesome feedback. So I’d like to share those so you can meet them as well!

Teddy Sun – http://www.lightthepathyoga.com/ He’s teaching Yoga classes in the South of Bali in a very beautiful open space overlooking the Bukit. He’s also teaching personal classes. Not only is he a great teacher, he’s also just super awesome, very down to earth, very warmhearted!

Steve – http://www.baliprivateyoga.com/ He’s teaching private Yoga classes an doing Yoga retreats in Bali as well as in New Zealand. He’s a very mellow and enthusiastic person. Had super cool conversations with him. Get yourself in Yoga-shape with Steve!

Paul Dumais – A Surfer, Qi-Gong-Teacher and one of the most vibrant person I’ve ever met so far. He’s truly inspiring. Always up for some good fun and a hearty laugh! Based in Byron Bay, Australia, he lives in Bali for a few months every year. You can probably reach him through the following facebook event page to get up to date about his Qi Gong classes  (if not, just message me and I’ll send you his contact): https://www.facebook.com/events/538379716198675/

Tom Cronin – a meditation teacher – http://tomcronin.com/ He approached me in a restaurant where we were eating at the same time because he saw me in a shop the other day. Wasn’t really in the mood for talking to a stranger, but then, something about him made me go back to his table. A very good decision indeed. He’s a very caring person, full of positive energy. He’s based in Sydney, Australia but also teaches and speaks on retreats in Bali.

Rick Cowley – http://www.surflifewith.us – Never met him personally. But his a good friend of Paul Dumais (the Qi Gong Teacher) and so I found the Facebookpage and Website of Surf Life. From what I’ve heard, his retreats are life changing. He posted some photos with guest feedbacks. This is my favorite:

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Danny Clayton – A Kiwi-Girl and founder of Saltgypsy – www.saltgypsy.com Met her at a BBQ at a friend’s house. Very inspiring how she founded Saltgypsy and where the story went from there. They make awesome surfleggins and always find and write about other brands and surf peeps who have the „certain something“. Fresh, creative, BEAUTIFUL!!!