Je weiter östlicher wir kommen, desto simpler wird alles. Moskaus Luxus und Glitzer sind in der 13 Mio. km2 großen Ländlichkeit Sibiriens nur noch eine entfernte Erinnerung.
Im Winter versinkt Novosibirsk während rund 6 Monaten in gleißendes Weiß. Es ist weitere 3 Monate kühl. Der Sommer dauert 3 Monate. Es regnet viel. Sibirien sei unberechenbar, erzählt unsere Guidin, heute könne es 15 Grad sein, morgen 35 und im Winter gute -35 Grad. Die Frauen tragen gerne Fellmäntel (einer reicht nicht, es müssen schon 2 – 4 sein), die ihnen natürlich die Männer schenken müssen (da sieht man mal, für was die Russen eigentlich arbeiten müssen). Da man sich nach ein paar Monaten weißer Pracht doch langsam deprimiert fühlt, werden überall in öffentlichen Gebäuden und im eigenen Heim Pflanzengärten geschaffen. Im Sommer herrscht ein reger Wettbewerb, wer in dieser kurzen Zeit am meisten Gemüse und Früchte ziehen kann. Seit das Land für Handel offen ist, kommt die Region nun auch in den Genuss von Früchten und Gemüse aus dem nahe liegenden asiatischen Teil, vor allem China.
Wir schauen uns noch einige Monumente an, unter anderem eine riesige Statue eines Mannes, der eine Flamme trägt und einer Frau, die eine Ähre in die Luft hält. Ursprünglich ein Symbol für die junge Region und deren Entwicklungspotential, interpretieren es die Jugendlichen ganz anders: Die Frau mit der Ähre symbolisiert Arbeit, die Flamme des Mannes Muße. Ganz daneben liegen sie wohl mit dieser Interpretation nicht.
Im Geologiemuseum kommen wir in den Genuss einer Führung mit einer berühmten russischen Forscherin. Mit viel Leidenschaft zeigt und erklärt sie uns die vielen Naturressourcen, die in Sibirien abgebaut werden. Da wird echt alles Mögliche in Rauen Mengen abgebaut. Kurz zusammengefasst: Ich glaube nicht, dass es der Welt ohne Russlands Ressourcen so gut gehen würde.
Zwischendurch mache ich einen kurzen Ausflug auf die Toilette. Nach unzähligen endlos langen Gängen finden wir nur die Männertoilette und entscheiden uns, nicht zimperlich zu sein. Unser Mut wird hart auf die Probe gestellt, in der ersten Toilettenschüssel liegt eine derartig große Stinkwurst, dass alles Spülen nichts nützen würde. Ich habe es aus Angst vor nachfolgender Überflutung auch gar nicht versucht. Auch die zweite Toilette wies überall deutliche braune Schmierspuren auf. Was soll ich sagen, gepinkelt haben wir, berührt aber nichts. Also liebe Frauen, besser nicht auf russische Männertoiletten gehen!

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