Als ich kürzlich in meinen alten Kisten, die im Keller lagern, herumgewühlt habe, habe ich mein Literaturbuch aus dem Deutschunterricht meiner Berufsmaturitätszeiten gefunden. Wie musste ich Grinsen. Ich blätterte darin herum und sah, dass ich damals (huch, schon ca. vor 16 Jahren war das) sogar fleissig viele Textstellen markiert und viele Randnotizen verfasst habe. Und als ich so im Buch stöberte, zog mich eine Seite besonders an und ich schaute genauer hin. Wieder einmal bin ich auf ein Gedicht von Rilke gestossen, das mich tief berührt. So richtig mitten im Herzen.
Der Panther
Im Jardin des Plantes, Paris
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.
Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein grosser Wille steht.
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf-. Dann geht ein Bild hinein,
geht dur der Glieder angespannter Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.
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