Archiv | März, 2014

Wie mir das Glück vor die Füsse fiel…

30 Mär

Im heutigen Beitrag möchte ich kurz über das Glück sprechen. Eine Erkenntnis teilen, die ich heute hatte. Ich muss aber zuerst ein bisschen ausholen, bevor ich auf das eigentliche Thema zu sprechen komme. Inspiriert dazu hat mich – ganz simpel – die Sonne.

Der Frühling hat sich bis anhin von seiner allerbesten Seite gezeigt. Es ist unglaublich, was ein bisschen Sonne ausrichten kann. Sind an kalten und garstigen Tagen die Schweizer Strassen und Parks wie leergefegt – und man fragt sich, wo denn die über 7 Millionen Einwohner geblieben sind – strömt bei Wärme und Sonnenschein nach Draussen, wer kann.

Heute ist der erste Tag der Sommerzeit. Sonnig. Dazu ein Sonntag. Was für ein wunderbares Gefühl, dass die Dämmerung erst so kurz vor 20:00 Uhr beginnt.

Der heutige Tag begann damit, dass ich morgens erst einmal auf Entdeckungstour ging. Joggen wollte ich im nahen Wald, in dem ich noch nie war. Die Stimmung war so unglaublich friedlich, das Licht der Sonne erhellte das zarte Grün der spriessenden Knospen und erleuchtete die farbigen Blüten ringsum. Die Strahlen haben bereits eine solche Kraft, dass sie angenehm warm auf die Haut scheinen. Ich könnte mich stundenlang einer solchen Sonne hingeben.

Die Stimmung war perfekt, vielen Gedanken nachzuhängen und mir viele Fragen zu stellen. Fragen zu mir, zu meinen Wünschen, Zielen und Problemen. Ich möchte hier nicht weiter darauf eingehen, als dass mir diese morgendliche Runde Joggen viele Antworten und Einsichten gebracht hat.

Gutgelaunt lief ich am Ende der Runde durch die Schrebergärten. Ein alter Mann kam mir zu Fuss entgegen, ein schnittiges Fahrrad schiebend. Er lächelte mich an und fragte: „Kommen Sie gerade vom Joggen?“. „Ja“ hab ich geantwortet, ich sei das erste Mal hier und war auf der Suche nach dem Vitaparcours. Da lachte er und meinte, den sei er schon im Jahr 1972 gerannt, als er neu erstellt wurde und erzählte mir über seine sportlichen Aktivitäten in jungen Jahren.

Solche kurzen, spontanen Begegnungen, wo es einfach darum geht, ein Lachen und ein paar freundliche Worte auszutauschen und dann weiter seinen Weg zu gehen, empfinde ich als extrem befriedigend und macht mich für den Moment einfach glücklich. Es gibt Kraft und Energie und ein gutes Gefühl.

Ich ging danach mit ein paar Freundinnen ins Kino. „I wanna Surf“. Ein Schweizer Surffilm. Hat einerseits Spass gemacht, andererseits haben die Aussagen der darin vorkommenden Schweizer Surfer mein eigenes Dilemma so total auf den Punkt gebracht, dass ich mit einem Lächeln aus dem Kino raus bin. Voll ins Schwarze getroffen. Zwar keine Lösung für einige meiner Probleme, jedoch eine wertvolle Erkenntnis und das Wissen, dass so viele andere genau gleich empfinden.

Den Rest des Tages habe ich dem guten Essen, dem Lesen und der Sonne gewidmet. Einfach geniessen und sein.

Nun komme ich zum Thema:

Viele suchen nach dem grossen Glück. Was ist das eigentlich, das grosse Glück? Glück ist für jeden anderes, es ist ein subjektives Empfinden, ein Gefühl, das man selber hat. Meistens sind damit grosse Themen wie Liebe, Beziehungen, Familie, Arbeit, Geld, Freiheit, etc. verbunden.

„Der Maulwurf ist blind, aber er gräbt in die richtige Richtung.“ Eine weit verbreitete Art, nach dem Glück zu suchen. Es ist eine Jagd, eine Verfolgung, ohne genau zu Wissen, wonach eigentlich.

Und so verliert man sich in einem unerklärlichen Gefühl von Unglücklichsein, in dem Gefühl, dass etwas fehlt, in dem Gefühl, dass das Glück irgendwo in der Nähe ist, man es nur zu fassen bekommen muss.

Auch mir passiert das hin und wieder. Dieses Verirren in einem Unglücklichsein, das theoretisch eigentlich gar keines ist.

Aber heute ist mir einmal mehr bewusst geworden, dass durch die Aneinanderreihung von vielen kleinen „Glücks“ eben ein grosser Haufen „Glück“ entsteht.

Das „grosse“ Glück, oder nicht?

Windgetöse

29 Mär

Eine zarte Blume wiegt sich im lauen Wind
Und zerreisst in einem wilden Sturm
Ein starker Baum raschelt im lauen Wind
Und zersplittert im Orkangeschrei
Ich steh wie ein Fels im lauen Wind
Und widerstehe der stärksten Bö‘
Im Traum.
Im wahren Leben?

Geschrieben in Zürich am 14.3.2014.

Zwischen Himmel und Hölle – der Vulkan Gunung Agung

26 Mär

Bali wird oft mit einem Paradies gleichgesetzt. Etwas Himmlischem. Unbestreitbar Göttlichem. Wie könnte es auch anders sein, wird die Insel auch die Insel der tausend Tempel genannt. Oder die Götterinsel.

Will man dem Himmel also besonders nah sein, kann man die Nähe zu den Göttern, die durch die reine Anwesenheit auf Bali eh schon ziemlich gross ist, noch markant steigern. Indem man nämlich auf den Gipfel des heiligen Berges Gunung Agung steigt. Nachts, versteht sich. Mit Turnschuhen, dicken Pullovern, Jacke und Stirnlampe ausgerüstet.

Eine gute Idee, fanden wir, und machten uns an den halsbrecherischen Aufstieg – dem luftigen Himmel und dem wartenden Sonnenaufgang entgegen. Leichten Schrittes ging es über erdige Pfade in die Höhe. Wayan, unser ausgesprochen fröhlicher, hilfsbereiter und zuvorkommender Guide führte uns sicher über rutschige Stellen und bewahrte uns davor, Kopf voran in herabhängende Äste und Gestrüpp zu laufen.

Wayans Hund folgte uns als stiller Schatten, schwanzwedelnd und topfit.

Nach einer Weile wurde es felsiger und steiler. Teils auf allen Vieren bahnten wir unseren Weg durch das steinige Labyrinth. Ohne Guide wären wir in kürzester Zeit verloren gewesen. Die Beine wurden schwerer, der Atem auch, doch noch immer rief der Gipfel und trieb uns an. Gelegentliche Pausen mit Keksen, Bananen und Wasser liess unsere angestrengten Beine immer wieder erstarken.

Nach gut drei Stunden und einigen gedanklichen Fluchern kamen wir endlich oben an.

Unseren Augen eröffnete sich die ganze Schönheit einer stillen Nacht. Nur ein schwacher Schimmer am Horizont liess den kommenden Tag erahnen. Wayans Hund schien ebenfalls vom dieser atemberaubenden Atmosphäre verzaubert und stand erstarrt am Felsrand, den Blick gebannt auf die unter uns ausgebreitete Landschaft gerichtet.

Es ist unbeschreiblich, wie man sich da oben fühlt. Ich versuche trotzdem, einige Worte dafür zu finden. Ich kam mir so klein vor, spürte die Grösse und Mächtigkeit des Bodens und des Himmels. Und doch fühlte ich mich geborgen. Von der Dunkelheit umarmt und vom leichten Wind umsorgt.

Als die leuchtenden Strahlen den Horizont überfluteten und ihre Farbenpracht in den Himmel und die Wolken gossen, uns mit Wärme und Gold umfluteten, war ich für einige Sekunden der Wirklichkeit entrückt. Wahrlich im Himmel.

Meine Freunde, heisser Tee und noch mehr Kekse machten das Glück perfekt und liessen mich erfolgreich das Wissen verdrängen, dass nach einem dreistündigen Aufstieg eben auch der dreistündige Abstieg folgt. Aus Erfahrung weiss ich, dass mich die Hölle erwartete.

Alle rannten locker und flockig den Berg runter, so schien es mir. Der Russe und T. hatten sogar noch jede Menge Spass dabei. Immer wieder hörte ich ihr Geplauder und Gelächter, bis es irgendwann in der Ferne unter mir verschwand. Ich kämpfte mich Minischritt für Minischritt von Stein zu Stein, suchte mir im Schneckentempo meinen Weg bergabwärts, immer in Angst, auszurutschen und mit kaputtem Bein irgendwo liegen zu bleiben. Meine Knie schmerzten, meine Muskeln weinten und ich war am Verzweifeln. Und das nach nur einem Drittel der ganzen Strecke. Ich hätte heulen können und hätte es auch fast getan.

Zum Glück waren die einen so schnell und die anderen noch langsamer als ich. So konnte ich die Tortur wenigstens schweigend und in Ruhe zu ertragen versuchen.

Schritt um Schritt, Pfad um Pfad, Kurve um Kurve. Endlos. Immer ging es weiter. Und weiter. Wann immer ich gedacht hatte, dass jetzt ENDLICH der Tempel auftauchen müsste, der Fast-Endpunkt des Abstieges, eröffnete sich mir ein neuer Pfad, und noch einer, und noch einer.

Am Ende meiner Kräfte hab ich es aber doch noch geschafft. Der rettende Tempel. Nur: Es galt noch einen ziemlich lange Treppenflucht hinunterzulaufen. Die rannte ich buchstäblich runter, etwas anderes ertrugen meine Muskeln einfach nicht mehr. Die reinste Hölle.

Und dann: Endlich angekommen. Schuhe ausgezogen. Wasser getrunken. Durchgeatmet. Hingesessen. Stolz gewesen.

Da war ich wieder im Himmel.

Eine überraschende Konversation mit einem balinesischen Taxifahrer

24 Mär

An meinem letzten Tag in Bali, das war Ende Februar, liess ich mich von einem balinesischen Taxifahrer an den Flughafen fahren. Hab mit ihm frisch und fröhlich geplaudert und gefragt, warum eigentlich viele Taxifahrer nicht mehr mit Taxameter fahren wollen (eine kleine Geschichte dazu in einem meiner früheren Posts „Bali mit neuen Augen – der erste Tag“.

Anscheinend gehört das grosse Taxiunternehmen Blue Bird einem stinkreichen Indonesier aus Jakarta, der so viel mit dem Unternehmen verdient, dass kürzlich die gesamte Flotte mit neuen bequemem Autos ausgestattet wurde. Die Taxifahrer jedoch verdienen – wie könnte es anders sein – praktisch nichts. Von dem wenigen Geld, dass sie sich pro Tag er-fahren, müssen sie erstens Lizenzgebühren bezahlen, das Benzin ebenfalls und nach einem Tag Gäste rumkutschieren bleibt praktisch nichts übrig. Aus diesem Grund hat er persönlich auch beschlossen, vor einigen Jahren privater Taxifahrer zu werden. Einiges lukrativer.

Da ich mir auch schon viele Male intensiv Gedanken über die Probleme Bali’s aus meiner Sicht gemacht habe, war ich neugierig, wie er als Balinese wohl darüber denkt und hab ihn mit noch mehr Fragen gelöchert.

Die Antworten waren überraschenderweise ganz anders erwartet.

Auf die Frage, wie er den wachsenden Tourismus und die damit verbundene Infrastruktur- und Müllproblematik bzw. die laufende Zerstörung Balis empfindet, meinte er nur lapidar, dass er seit 20 Jahren Fahrer ist, damit seine Familie ernähren kann und die Touristen deshalb toll findet.

Was ihn jedoch sehr beschäftigt, sind ganz andere Angelegenheiten. Zum Beispiel die mangelnde Bereitschaft der balinesischen Regierung, die eigene Kultur zu pflegen und zu schützen. Oder gar deren aktiven Bemühungen, die eigene Kultur zu untergraben.

Es war erst kürzlich oder ist vielleicht sogar noch die Diskussion in Gange, ob die balinesische Sprache von den Schulen verbannt werden soll. Zusätzlich sprechen viele Balinesen mit ihren Kindern nur noch Indonesisch, da sie der Meinung sind, dass das Kind erstens mit mehreren Sprachen überfordert ist (woher kommt das wohl, frage ich mich?) und Indonesisch ja nun die Landessprache ist, also viel wichtiger für Bildung und Karriere.

Ihnen ist vielmals nicht bewusst, dass ein Kind erstens ohne Probleme mehrsprachig aufwachsen kann und zweitens Sprache eine wichtige Grundlage der Kultur und eigenen Identität darstellt sowie Spiegel der eigenen Identität und Kultur ist.

Im weiteren ist die balinesische Sprache – ein äusserst komplexes Konstrukt aus drei verschiedenen Höflichkeitsebenen, die wiederum jede in drei weitere Ebenen unterteilt ist – schon so weit zerfallen, dass die meisten Balinesen heute praktisch nur noch zwei Ebenen beherrschen. Die übliche Umgangssprache und eine Ebene der Höflichkeitssprache. Nur die ältere Generation spricht mindestens drei oder mehrere Ebenen, die sich teils komplett voneinander unterscheiden.

Um kurz abzuschweifen – hier zwei interessante Artikel zum Thema Sprache und Kultur:

http://www.dw.de/sprache-ist-identität/a-3137816

http://www.alumniportal-deutschland.org/deutschland/land-leute/artikel/deutsche-sprache-identitaet.html

Weiter soll der Ogoh-Ogoh verboten werden, da die Regierung Angst vor Gewalt und Randalierern hat. Beim Ogoh-Ogoh, einem karnevalsähnlichen Umzug zum Einläuten des balinesischen Neujahres Nyepi, werden riesige, selbstgebastelte Statuen mitgetragen. Diese verkörpern die bösen Geister, die vertrieben werden müssen. Der Ogoh-Ogoh-Umzug ist nicht nur grosse Touristenattraktion, sondern vor allem ein wichtiges traditionelles, religiöses und auch gesellschaftliches Ereignis, welches tief in der balinesischen Kultur verwurzelt ist. Für meinen Taxifahrer völlig unverständlich, wie die Regierung überhaupt auf die Idee kommen kann, den Umzug verbieten zu wollen.

Auch der sich von der üblichen balinesischen Bauweise entfernende Baustil bereitet ihm einiges an Sorgen. Früher mussten sämtliche neu gebauten Gebäude dem balinesischen Baustil entsprechen. Heute darf gebaut werden, wie man will. Es gibt einige Regeln wie zum Beispiel, dass nicht höher als die Bäume oder nicht näher als 100 – 150 Meter an den Strand hin gebaut werden darf, aber mit den nötigen Beziehungen und Bestechungen können auch diese problemlos umgangen werden. Mein Taxifahrer findet es schade und bedrückend, dass man in vielen Strassen nicht einmal mehr erkennen kann, dass man in Bali ist, sondern irgendwo in Indonesien sein könnte.

Die Einwanderung muslimischer Indonesier billigt er teilweise ebenfalls nicht. Nicht aus religiösen Gründen, sondern weil dem Rest Indonesiens nicht Bali und ihre Traditionen wichtig ist, sondern rein wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen. Auch so wird vor allem in den Städten und dicht besiedelten Gebieten viel von der balinesischen Kultur verdrängt.

Für mich war das Gespräch sehr interessant und aufschlussreich, da mir einmal mehr bewusst wurde, dass Bali nicht nur von den Touristenströmen und daraus resultierenden Problemen belastet ist, sondern sich auch innerhalb der balinesischen und indonesischen Gesellschaft viele Dinge abspielen, die man als Ausländer und auch als Expat nicht einmal mitkriegt.

Ich möchte jedoch an dieser Stelle ebenfalls betonen, dass sich sehr viele Ausländer und auch Einheimische auf vielerlei Weise sehr intensiv um die Lösung oder Verbesserung vieler Problematiken bemühen. Dazu vielleicht bald mehr in einem neuen Post.

Bildnachweis: http://baliskytour.files.wordpress.com/2011/06/ogoh-ogoh.jpg

Eine Sekunde – und das Tram ist weg.

15 Mär

Unsinngedicht Nr. 3

1 Sekunde
und das Licht ist aus
1 Sekunde
ich bin zu spät
1 Sekunde
das Tram ist weg

10 Sekunden
ich denke nach
10 Sekunden
ich steh noch immer da
10 Sekunden
ich geh zur Wartebank

100 Sekunden
meine Finger werden kalt
100 Sekunden
mein Hintern auch
100 Sekunden
blödes Tram

1000 Sekunden
ich höre was
1000 Sekunden
das nächste kommt
1000 Sekunden
diesmal steig ich ein.

Kennst du den Moment, wenn du noch einigermassen weit von der Haltestelle entfernt bist, das Tram (die Strassenbahn) kommen siehst, so schnell rennst wie du kannst, deinen Finger ausstreckst, das Licht des Türöffners ausgeht, wenn dein Finger noch genau EINEN Millimeter davon entfernt ist und das blöde Ding vor deiner Nase abfährt? Ah, wusste ich’s doch!

Wenn Worte nur Worte wären…

11 Mär

Worte, Erleichterung
Worte, schwere Last
kratzen an der Oberfläche
sinken tief ein
schnell vergessen
für immer eingebrannt

Worte, Erklärung
Worte, stiften Verwirrung
helfen zu verstehen
verletzen und schmerzen
werfen Fragen auf
schenken Antworten

Worte im Überfluss
Worte fehlen
Sehnsucht nach Aufmerksamkeit
Angst vor Zurückweisung
füllen Leere
glänzen durch Abwesenheit

Worte

Geschrieben während der letzten Stunde der heutigen Weiterbildung, nach einem anstrengenden 13-Stunden-Tag, als ich einfach keine Worte mehr aufnehmen konnte und stattdessen dieses Gedicht gekritzelt hab.

Supersucks

3 Mär

Unsinngedicht Nr. 2:

Mein Blick schweift über die blaue Bucht
Mein Denken eine schwarze Kluft
Die Luft steht still, ist heiss und drückend
Fliege um Fliege die grasenden Kühe schmückend
Das Badezimmer ist der Sand
Das Toilettenpapier die grüne Wasserwand
Meine Freunde sagen, der Spot ist wie ein „Coliflower“
Da überläuft meine Haut ein kühler Schauer
Hermes singt ein Supersucks-Lied, nachdrücklich und laut
So dass es mich fast vom Stuhl runterhaut
„Supersucks really sucks“ meint er, da muss ich lächeln
Und mir gleichzeitig ganz viel Luft zufächeln
Der Schweiss rinnt, die Mücken stechen, die Fliegen surren
Doch für das schöne Surferleben erträgt man alles ohne Murren.

Geschrieben am 8. April 2012 in Sumbawa beim Surfspot „Supersucks“, irgendwo im Nirgendwo, keine Welle weit und breit.

Wenn die Welle läuft, sieht es so aus:

Supersucks

Gegangen

3 Mär

Die Sekunde, der Schock, die ernsten Gesichter
Weisser Raum, weisse Kittel, grelle Lichter
Eine einzige Sekunde verändert die Zeit
Eine einzige Sekunde birgt soviel Leid
Im Kopf, schwarze Monster, wuchern und fressen
Nichts kann sich je mit ihrem Fresswahn messen
Maximal ein Jahr, lassen wir uns sagen
Kann man so denn noch Hoffnung tragen?
OP, Chemo, ein Drogenberg
Tausende von Franken, Lebens-Wert?
Verzweiflung, Wut, schwarze Tränen in Strömen
Wir flehen Gott an, doch der ist nur am Gähnen
Niemand kann helfen, guter Rat ist selten
Alleine gelassen in anderen Welten
Alles ist Shit, was sollen wir nur machen
Sollen wir dem Krebs ins Gesicht reinlachen?

Das launische Leben spuckt uns manchmal vor die Füsse
Die rieselnde Zeit schickt uns fiese Todesgrüsse
Die fragende Vergangenheit zupft an unsrer Schuld
Die traurige Gegenwart erschöpft unsre Geduld

Vater, warum lächelst du noch immer?
Vater, hast du keinen Hoffnungsschimmer?
Vater, hast du keine Angst vor dem Gehn?
Vater, kannst du denn den Tod schon sehn?

Die Sprache verschwindet, das Leben wird schwerer
Dein Körper wird dünner, dein Geist immer leerer
Und doch bist du da, stark bis zum Schluss
Du zeigst uns deine Liebe, gibst uns einen Kuss
Der Tod schwebt über dir, mit ihm ist nicht zu scherzen
Der Tod und die Sense, sie sind nicht auszumerzen
Die Zeit ist begrenzt, sie ist das Schönste was wir haben
Wir halten uns fest, versuchen es zu wagen
Der Hoffnung einen neuen Namen zu geben
Den steinigen Weg mit Zuversicht zu ebnen
Statistiken und Mathe, was soll das denn schon heissen?
Wir wollen dich den tötenden Krallen entreissen
Du bäumst dich nochmal auf, kämpfst mit aller Kraft
Versuchst dich zu befreien aus der Krankheitshaft
Das Monster gewinnt, doch deine Seele findet Frieden
Du bist bei uns, für immer und in Liebe.

Das launische Leben spuckt uns manchmal vor die Füsse
Die rieselnde Zeit schickt uns fiese Todesgrüsse
Die fragende Vergangenheit zupft an uns’rer Schuld
Die traurige Gegenwart erschöpft uns’re Geduld

Wir, deine Kinder, brauchen dich noch
Wir, deine Family, vermissen dich doch
Wir, deine Liebsten, wollen dich sehn
Vater, warum musstest du schon gehn?

Im Andenken an meinen Vater, der im Alter von nur 62 Jahren am 23.3.2010 diese Welt verlassen hat, nachdem ihm nur 6 Monate Zeit blieben, gegen einen tobenden Hirntumor zu kämpfen. Eine harte Zeit, die jedoch auch voller schöner Momente war. Eine Zeit, in der wir erleben konnten, was Familie, Liebe und bedingungsloser Zusammenhalt bedeutet. Ich habe noch nie etwas über dieses Thema geschrieben, nur mal versucht, auf einem Post-it-Zettel ein paar schöne Erinnerungen in Stichworten zu notieren. Vor ein paar Tagen, im Flieger von Bali zurück nach Zürich, ist es mir das erste Mal gelungen, einige Zeilen zu schreiben. Es fühlt sich gut an. RIP Daddy.

Mein Vater, als er jung war.

Bali mit neuen Augen – Rückblick und Reflexion

1 Mär

Die letzten beiden Tage waren einfach nur schön. Die Sonne schien strahlend vom blauen Himmel, das Wasser war glatt, die Wellen klein und sauber. Ich nahm mir viel Zeit für mich. Zeit, einfach zu sein, einfach zu geniessen, über Vielerlei nachzudenken, Bali noch einmal mit allen Sinnen in mich aufzunehmen.

Es ist mir sogar gelungen, einen kleinen Song zu schreiben. Gelernt habe ich von jemandem, der sein Handwerk ohne Zweifel bestens versteht. Vier Stunden Reimen, mit einem bestimmten Beat in den Ohren, leise vor mich hinmurmelnd, bis alles gestimmt hat. Es war und ist eine unglaubliche Befriedigung, als ich fertig war und noch ein letztes Mal die Worte mit dem Beat sprach.

Das Schreiben, ob in Form eines Textes, Gedichtes oder Liedes ist eine Art der Verarbeitung von Emotionen, die sehr tiefgreifend für mich ist, mir sehr viel Schwere von der Seele nimmt und mich mit Themen abschliessen lässt, die mich aus der Vergangenheit bis in die Gegenwart verfolgen. Darüber hinaus macht mir Schreiben einfach auch eine Menge Spass.

Bali gab mir die Zeit, die Umgebung und die Menschen um mich herum, die ich brauchte, um meiner Kreativität wieder auf einer bewussteren und ausschweifenderen Weise Raum zu geben.

Ich wurde in den letzten beiden Tagen auch verschiedentlich auf meinen Blog angesprochen. Das hat mich erstaunt und auch gefreut. Dabei wurden einige Fragen gestellt.

Schreibe ich aus einem bestimmten Grund?

Ja, tue ich. Einerseits, um meine Familie, Freunde und auch Fremde an meinen Erlebnissen und Gedanken teilhaben zu lassen, andererseits, weil es Spass macht und eben, wie oben erwähnt, um Emotionales zu verarbeiten.

Reise ich aus einem bestimmten Grund?

Hier verweise ich auf meinen Eintrag „the meaningfulness of traveling“. Gereist bin ich bisher aus verschiedenen Gründen und habe dabei verschiedene Phasen durchlaufen: Spass am Reisen, Abenteuern und Neuem entdecken, vor unerträglichen Situationen davonlaufen, Glück suchen, Sinn finden. Aktuell reise ich aus Spass und weil es mich nach einer bestimmten Zeit einfach wieder woanders hinzieht.

Was ist es, was mich nach Bali zieht?

Gute Frage. Ich kann nur mit einer Gegenfrage antworten: Warum verliebt man sich in Jemanden? Ich glaube, sich verlieben ist einfach etwas Irrationales, etwas Unerklärliches, etwas Unbegründbares. So ging es mir mit Bali. Ich setzte im Jahr 2005 erstmals meinen Fuss auf die Insel und war sofort und unerklärlich verliebt, obwohl ich noch gar nichts ausser dem Flughafen gesehen hatte. Die Liebe hält bis heute an. Sie hat sich verändert. Sie ist von der enthusiastischen Begeisterung eines ersten Verliebtseins mit Schmetterlingen im Bauch in eine reifere, erwachsenere Liebe gereift. In eine, die mich nicht Alles mit rosaroter Brille sehen lässt, sondern in eine, die die negativen und positiven Aspekte bewusst wahrnimmt und akzeptiert, die gereift tief in meinem Herz sitzt, unerschütterlich.

Ich habe mir kürzlich selber die Frage gestellt, ob ich hier wirklich leben könnte. Die Antwort ist schlicht und einfach „Ja“. Will ich hier leben? Die Antwort ist „Nein, jetzt nicht“. Mir ist bewusst geworden, dass meine Wurzeln in der Schweiz liegen, dass ich noch andere Orte entdecken möchte und dass ich wohl immer eine „Nomadin“ bleiben werde. Eine, die es öfters einmal in die Ferne zieht.

Deshalb ist und bleibt die Schweiz meine Basis, meine Heimat. Und der Rest der Welt mein Spielplatz.

Wo sehe ich mich in 10 Jahren?

Ganz ehrlich? Keine Ahnung. Es lohnt sich für mich überhaupt nicht, auch nur im Entferntesten soweit in die Zukunft zu denken. Weshalb? Weil ich genau weiss, dass sich meine Pläne innerhalb eines Lidschlages komplett ändern können. Das Wichtigste ist: Ich möchte immer zufrieden auf mein Leben zurückblicken können.

Und wenn ich jetzt auf mein bisheriges Leben zurückblicke, dann kann ich höchstzufrieden sagen, dass es bis anhin ein tolles Leben war (und hoffentlich auch bleibt). Ich befand und befinde mich auf einem Weg, der zwar oft mit Schlaglöchern und Hindernissen gespickt ist, jedoch auch von Schönheit und vielen positiven Überraschungen nur so strotzt. Ein Weg, der lehrt und ein Weg, der schenkt.