Spontan entschied ich, das vertraute Chiang Mai zu verlassen und mit Rucksack mir neue, unbekannte Pfade zu erkunden. Und zwar in Laos. Zwölf Stunden im arg gekühlten Minivan, die hartes Sitzleder, viel Geduld meinerseits und viel Flexibilität meines Magens erforderten. Hartes Sitzleder, da ich unpraktischerweise den Sitz erwischt habe, den man wegen des dahinter aufgestapelten Gepäcks nicht nach hinten lehnen konnte, Geduld, da ich den Van, statt wie angekündigt nur zu zweit mit einer ganzen Horde Engländer/innen (oder vielleicht auch Australier/innen, das kann ich nicht so genau sagen) teilen musste und Flexibilität meines Magens, da dieser während der ganzen Zeit nur mit Toast-Schinken-Käse-Sandwiches von Seven Eleven gefüttert wurde. Mangelernährung schlechthin, wenn auch leckere.
Am Zoll angekommen musste ich Dank meines Thaipasses erstens nicht anstehen und zweitens nur einen einzigen US-Dollar „Eintritt“ bezahlen – im Gegensatz zu allen anderen Touristen, die satte 31 Dollar hinblättern mussten. Da fühlte ich mich als ziemliche VIP und war (muss ich beschämt zugeben) ordentlich schadenfreudig.
Nach der Grenze wurden wir mitsamt Gepäck in ein Tuk Tuk verfrachtet und das Gepäck in wackeliger Formation auf das Dach geschnallt. Einer hatte keinen Platz mehr und musste als Trittbrettfahrer hinhalten.
In Vientiane angekommen war ich überrascht über das französisch anmutende Flair der Stadt. Da ich mich wie immer vor meiner Abreise überhaupt kein bisschen informiert habe, wusste ich auch nicht, dass Laos früher französisches Protektorat war. Auch die Leute waren unglaublich freundlich und angenehm. Die Atmosphäre war eine friedliche und erholsame. Im Salon de Thé habe ich deshalb pain au chocolat genossen und Angie kennengelernt, eine Österreicherin, die über 4’500 km mit den Moped durch Südostasien gedüst ist und sich auch vor rabiaten Polizisten nicht fürchtete, die ihr keine Quittung für Bussen ausstellen und ihren Führerausweis einziehen wollten. Ihr Durchsetzungsvermögen hat gesiegt und der Polizist musste sich ob soviel vehementer Gegenwehr geschlagen geben. Angie hat mich auch überzeugt, dass Vang Vieng das nächste lohnende Ausflugsziel sei und ich deshalb kurz entschlossen den nächsten VIP Bus dahin gebucht habe. Bis zur Abfahrt liess ich mich mit laotischer Massage von einem höchstens 18 jährigen, dünnen und mindestens einem Kopf kleineren Jungen verwöhnen. Eine gute Entscheidung, denn der VIP Bus entpuppte sich als muskelverspannender Minivan. Minivans, so meine bisherige Erfahrung, waren definitiv nicht meine bevorzugten Transportmittel was lange Distanzen anging. Minivan heisst verspannter Nacken, krummer Rücken und schmerzender Hintern.
In Vang Vieng war es schon dunkel, als ich angekommen bin. Trotz Hochsaison habe ich ein wunderschönes kleines Guesthouse gefunden. Bungalows und Zimmer eingebettet in einen tropischen Garten, ein Manager, der um keinen Spruch verlegen war, Bier und ein leckeres Nachtessen. Und eine heisse Dusche. Und ein normales bequemes Bett. Seit dem vielen Busfahren kann ich den Wert eines richtigen Bettes gar nicht mehr genug schätzen, und der Spruch „Schlafen sei überbewertet“, dazu muss ich wohl gar nichts mehr sagen. Der Himmel dachte wohl was ähnliches und öffnete seine Schleusen, um mir in lautester Lautstärke ein brausendes Regenlied zum Einschlafen zu spielen.

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