Archiv | Dezember, 2013

Letzte Tage in Chiang Mai…

23 Dez

Die Fahrt von Luang Prabang nach Chiang Mai verlief natürlich wie immer nicht ohne Panne. Ist man sich ja mittlerweile gewohnt.

An der Grenze zu Thailand kriegte sich die Dame der Einwanderungsbehörde gar nicht mehr ein, dass ich Thai bin. Zuerst schaute sie mich zwar ziemlich missmutig an, weil ich eben Thai bin, aber kein thailändisch kann. Doch sobald ich sagte, dass mein Vater aus Ubon stammt, taute sie sofort auf und begann sogar, auf Izaan mit mir zu reden. Ha! Als ob ich das besser könnte als Thailändisch. Und dann sagte sie im Verlaufe des Gespräches sicher mindestens zehnmal: „You don’t look like a Thai“ und lachte sich halbtot dabei… Der Typ nach dem Schalter sah meinen Thaipass auch, nahm ihn mir aus der Hand, zeigte ihn seinen Kollegen, lachte ebenfalls lauthals und sagte in höchst ungläubigem und gleichzeitig sehr belustigtem Tonfall auf thailändisch, „Sie ist eine Thai! Sie ist eine Thai!“

Schön, dass ich Anlass zu so viel Heiterkeit bin.

In Chiang Mai anzukommen war wie ein nach Hause kommen. Es tat gut, bekannte Strassen zu sehen und endlich mal wieder in einem richtigen Bett zu liegen. Ich muss schon sagen, ich bin mir Rucksackreisen gar nicht gewohnt. Das ist eine äusserst anstrengende und anspruchsvolle Tätigkeit, die mir aber ausserordentlich gut gefällt.

Nach zwei schönen Tagen setzte ich mich in den Flieger nach Bangkok. Und so wie mich am ersten Tag der Shuttlebus vom internationalen zum nationalen Flughafen brachte, so brachte er mich am letzten Tag wieder zurück zum Anfangspunkt meiner Reise. Als ich am Fenster sass, mit den treibenden Tönen von Wolfman in den Ohren, schaute ich auf die weite Stadtlandschaft hinaus, liess meine Gedanken wandern und sagte ein leises „auf Wiedersehen“ zu meinem zweiten Heimatland, das mir mit jedem Besuch etwas näher ans Herz rückt…

Laotische Idylle: Luang Prabang

23 Dez

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Laos ist schon extrem vielseitig. Einerseits ruhig, friedlich, dezent und traditionell. Die Leute leben einfach und bescheiden. Andererseits findet man hier und da doch schon vom Tourismus negativ beeinflusste Einheimische, die gröbere Abzocke betreiben und allgemein ein sehr geldorientiertes Verhalten an den Tag legen. Und dann findet man noch höchste technische Errungenschaften wie den Sleeperbus.

Ein luxuriöses Gefährt mit Betten und Discobeleuchtung, das einen höchst komfortabel über die von Schlaglöchern verseuchten Strassen befördert. Auf diese kuschelige und gemütliche Weise machten wir uns auf den Weg nach Luang Prabang, natürlich nicht ohne Panne, die mir eine willkommene Pinkelpause bot und mich mit Stefan, einem Stuttgarter Zürcher, der alle Länder der Welt mindestens einmal bereisen möchte, bekannt machte. Um ca. 4.30 Uhr morgens kamen wir in der als Weltkulturerbe eingetragenen Stadt Luang Prabang an. Es war auf gut Deutsch einfach arschkalt. Höchstens 10 Grad. Ach was, mindestens gefühlte Minusgrade. Was habe ich mir bloss dabei gedacht, mich so hoch in den Norden zu begeben, anstatt bei tropischer Hitze auf einer schönen Insel dem Sonnenbaden zu frönen?

Glück im Unglück: Wir fanden ein paar Essensstände, die bereits um fünf Uhr Frühaufsteher versorgten. Mit Tee und Reissuppe (genauso, wie sie mein Vater früher immer gemacht hat) gestärkt trällerte ich noch ein bisschen Hotel California mit, das lautstark aus dem Radio dröhnte und fühlte mich insgesamt ziemlich zufrieden.

Um sechs Uhr gingen wir zum Hauptplatz, wo die Mönche auf ihrem morgendlichen Almosengang vorbeikamen. Still und leise gehen die Mönche am Strassenrand entlang, um dargebotenes Essen anzunehmen. Eine besondere Stimmung und eine schöne Zeremonie.

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Leider ist daraus auch eine Touristenattraktion geworden, die die Strassenverkäuferin für den eigenen Profit und die Touristen für ihre Bildersammlung benutzen. Nichtsdestotrotz etwas Besonderes.

Zu diesem Erlebnis habe ich ein Gedicht geschrieben.

Den Rest des frühen Morgens verbrachten wir mit dem kurzen Erkunden des Zentrums und einem Tempel auf einem Hügel.

Tempel haben immer etwas besonderes für mich. Wann immer ich in einen Tempel gehe, bete ich für meinen Vater oder widme ihm zumindest einige Gedanken, was darin resultiert, dass ich öfters mal losheulen muss. Doch trotz oder vielleicht gerade wegen der damit verbunden Emotionen gibt mir ein Tempelbesuch immer einen besonderen Frieden, den ich tief in meinem Herzen trage.

Beim ersten Tempel auf der Spitze eines Hügels stand ein älterer Mönch. Einer mit einer besonders ehrwürdigen Ausstrahlung. Und als ich heulend im Tempel vor dem Buddha sass, da drehte er sich in meine Richtung und schaute mich mit etwas Erschrockenen, jedoch unglaublich gütigen Augen an. Ein wertvolles Geschenk, dieser gütige Blick, der mich bis heute noch mit Trost erfüllt.

Mit dem Erstrahlen der Sonne hatten wir dann die Idee, auf dem Moped durch die Umgebung zu tuckern und einen Höhlentempel zu suchen. Die Fahrt war wieder unglaublich schön und wir fanden unterwegs mitten im Nirgendwo ein kleines, offenes Restaurant, in welchem sich laotische Schüler in ihrer Pause gerade ordentlich mit Bier betranken. Wir setzten uns in die Sonne und verwöhnten uns mit einem kühlen Schluck Gerstensaft und meinem neuen Lieblingsessen, der Reisnudelsuppe. Wir fanden den Fluss ohne Probleme. Mekong heisst er. Ich würde ihn eher Müllkong nennen. Eine braune Suppe mit einer ganzen Menge Unrat darin. Lecker. Auch wenn der Fluss eine Welle produzieren würde und ich zufälligerweise gerade ein Surfbrett dabeihätte, ich glaube, ich würde keinen Zeh da reinstecken.

Mit einem überraschend stabilen Langboot fuhren wir auf die andere Seite des Flusses zum Tempel. Der Tempel war echt schön. In die Felsen reingehauen, die Nischen mit Aberhunderten von Buddhastatuen bestückt. Die Fahrt hat sich auf jeden Fall gelohnt.

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Mir schien, dass die Leute in der Stadt einiges unfreundlicher und geldgieriger drauf waren, als die Menschen auf dem Land. Ich war ganz ehrlich gesagt ein bisschen von Luang Prabang als Stadt enttäuscht. Zumal ich viel Gutes darüber gehört hatte. Nach einem Spaziergang an den Mekong und dem Nebenfluss entlang kamen wir jedoch durch wunderschöne Stadtteile, die wie in Vientiane französisches Flair ausstrahlten, wo die Leute lächelten und freundlich waren und die ganze Umgebung mit ihren Tempeln, Häusern, Restaurants und Parks mich wieder Friede und Freude spüren liessen. Eine entspannende Massage war ein würdiger Abschluss eines wunderschöne Tages und zugleich Vorbereitung auf die bevorstehende 23 stündige Busfahrt zurück nach Chiang Mai.

Was soll ich dazu sagen? AUTSCH! Mein Hintern könnte momentan grad platter nicht sein.

Weisheit und die Kunst, Entscheidungen zu treffen…

23 Dez

So oft stehe ich an Kreuzungen und Weggabelungen in meinem Leben und muss Entscheidungen treffen. Links oder rechts? Vorwärts oder rückwärts? Oder gar stehen bleiben?

Wie oft wünsche ich mir, einfach ein Weisheitsbonbon essen zu können und dann zu wissen, was richtig oder falsch ist. Oder die Weisheits-Fee kommt mit ihrem Zauberstab und deutet in die richtige Richtung.

Weisheit. Was ist Weisheit? Wo finde ich Weisheit? Woher weiss ich, in welche Richtung ich zu gehen habe?

Eine Antwort gibt mir die Grinsekatze aus Alice im Wunderland:

Zwischen einer Weggabelung steht ein Baum, auf einem Ast sitzt die Grinsekatze. Alice, verwirrt über die Wahl der Richtung fragt: „Welchen Weg muss ich nehmen?“ Die Grinsekatze fragt zurück: „Weisst du denn, wohin du willst?“ „Nein.“ antwortet Alice. Da sagt die Grinsekatze: „Wenn du dein Ziel nicht kennst, spielt es keine Rolle, welchen Weg du nimmst. Du wirst so oder so ankommen.“

Wo ich Weisheit finde, habe ich nun auch herausgefunden:

„Vor langer Zeit überlegten die Götter, dass es sehr schlecht wäre, wenn die Menschen die Weisheit des Universums finden würden, bevor sie tatsächlich reif genug dafür wären. Also entschieden die Götter, die Weisheit des Universums so lange an einem Ort zu verstecken, wo die Menschen sie solange nicht finden würden, bis sie reif genug sein würden.

Einer der Götter schlug vor, die Weisheit auf dem höchsten Berg der Erde zu verstecken. Aber schnell erkannten die Götter, dass der Mensch bald alle Berge erklimmen würde und die Weisheit dort nicht sicher genug versteckt wäre. Ein anderer schlug vor, die Weisheit an der tiefsten Stelle im Meer zu verstecken. Aber auch dort sahen die Götter die Gefahr, dass die Menschen die Weisheit zu früh finden würden.

Dann äußerte der weiseste aller Götter seinen Vorschlag: “Ich weiß, was zu tun ist. Lasst uns die Weisheit des Universums im Menschen selbst verstecken. Er wird dort erst dann danach suchen, wenn er reif genug ist, denn er muss dazu den Weg in sein Inneres gehen.”

Die anderen Götter waren von diesem Vorschlag begeistert und so versteckten sie die Weisheit des Universums im Menschen selbst.“

Fazit aus den Geschichten:

Ich nehme mir die Grinsekatze als Vorbild und vertraue darauf, dass jeder Weg, den ich wähle, der Richtige ist, denn die Weisheit in mir wird mir unbewusst immer den Schubs dahin geben, wo mich meine Schritte auch hinführen sollten.

Laotische Idylle: Vang Vieng

22 Dez

Der nächste Tag war in Regen ertränkt. Wir nahmen dies zum Anlass, dem Manager des Guesthouses unsere Hoffnung auf Sonnenschein für den nächsten Tag kundzutun, worauf wir die lapidare Antwort „tomorrow never comes“ erhielten. Beim Frühstücken war gute Unterhaltung durch die lustigen Japaner geboten, die schon um 9 Uhr morgens mit der ersten grossen Bierflasche den Tag eingeläutet und dann auch den ganzen Rest vom Tag dem Alkoholkonsum gewidmet haben. Die Bierflaschen wurden alsbald von einer Whiskey-Flasche abgelöst. Dazu lautes Gelächter, japanisches Palaver und ausgiebiges Kartengespiele.

Als die Himmelschleusen für eine Weile genug Wasser ausgeschüttet hatten, haben wir die Chance gepackt, trockenen Fusses ins Dorf zu gelangen. Es war nicht viel los, die Stimmung war ruhig und beschaulich, wir genossen den Frieden. Nach soviel Gemütichkeit stieg abends dann die Lust auf mehr Lärm und Aktivität. Wir gingen deshalb frohen Mutes ins Irish Pub und schlugen uns zu Live-Musik den Bauch mit leckerem (und sehr unasiatischem) Essen voll. In kürzester Zeit haben wir auch eine Menge neuer Leute kennengelernt, darunter einen verrückten Engländer, der wie 14 aussah, eine junge Dame, die mit Mutter unterwegs war und fleissig Party machte (die Mutter war echt super gut drauf), zwei eher wortkarge, jedoch humorvolle Israelis, ein gesprächiger Deutscher und eine gemütliche Bernerin. Nach ausgiebigem Feiern war die gute Mütze Schlaf redlich verdient.

Am darauffolgenden Morgen lachte die Sonne vom Himmel. Es ist erstaunlich, wie Sonne und blauer Himmel aus einem an und für sich schon schönen Ort ein leuchtend grünes Paradies zaubern. Der warme Tag verlangte geradezu nach körperlicher Aktivität und so fuhren wir mit Rädern von zweifelhafter Qualität über Holperstrassen und Waldwege Richtung Berge. Unser Ziel: Höhlen mit Indoor- und Outdoorpool. Gesucht, gefunden. Mit zwei laotischen kleinen Jungs als unsere Führer spazierten wir durch eine atemberaubende Natur. Felder, Wälder, Berge und Teiche in perfektem Zusammenspiel. Meine Augen und meine Kamera konnten nicht genug davon kriegen. Unsere Guides führten uns in den Höhlen durch enge Gänge nach unten, an den Wänden waren Kalksteinklangkörper ausgebildet, die je nachdem, wo man drauf klopfte, verschieden hohe Töne von sich gaben. Man kann es sich als eine Art Höhlenxylophon vorstellen. Am Ende des Ganges dann ein Teich. Ich traute mich rein, fühlte mich aber nicht ganz wohl, denn der Grund war tief und es ist einfach ein bisschen beängstigend, irgendwo unter der Erde im Wasser rumzuplantschen.

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Auf dem Rückweg hörten wir vertrautes Gelächter. Ah, auch die lustigen Japaner haben den Weg nach Draussen gefunden. Ich schätze mal, der vorherige Tag war genug des Bierfrönens. Auf dem Rückweg zu unseren Rädern musste ich dringend meine Blase leeren und fand ein einsames Toilettenhäuschen mitten im Feld. Irgendwie rührend, wie die WC-Schüssel einfach so da stand.

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In Vang Vieng hatte die touristische Entwicklung bis zum letzten Jahr eine ungesunde Gestalt angenommen: Als Partyhochburg bekannt strömten Massen feierwütiger Trunkenbolde in das kleine Dorf mitten in den Bergen, um Alkohol und Drogen in rauen Mengen zu konsumieren, tagsüber in berauschtem Zustand den Fluss in alten Lastwagenreifen herunterzutreiben und nachts die zahlreichen Bars unsicher zu machen. Das wilde Treiben führte zu wüsten Verletzungen wie Knochenbrüchen und zu nicht wenigen Todesfällen. Nachdem es zu einem traurigen Rekord von 30 Toten innerhalb eines Jahres kam, wurde es den örtlichen Behörden zu bunt. Anfangs letzten Jahres wurden zahlreiche Bars abgerissen oder geschlossen und eine Nachtsperre eingeführt. Vang Vieng soll nicht für unzüchtiges, lästerliches Verhalten berühmt sein, sondern für die gemütliche Atmosphäre und die seltene Schönheit der umliegenden Natur. Vang Vieng verdient tatsächlich den Namen eines aussergewöhnlich schönen Naturparadieses.

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Laotische Idylle

21 Dez

Spontan entschied ich, das vertraute Chiang Mai zu verlassen und mit Rucksack mir neue, unbekannte Pfade zu erkunden. Und zwar in Laos. Zwölf Stunden im arg gekühlten Minivan, die hartes Sitzleder, viel Geduld meinerseits und viel Flexibilität meines Magens erforderten. Hartes Sitzleder, da ich unpraktischerweise den Sitz erwischt habe, den man wegen des dahinter aufgestapelten Gepäcks nicht nach hinten lehnen konnte, Geduld, da ich den Van, statt wie angekündigt nur zu zweit mit einer ganzen Horde Engländer/innen (oder vielleicht auch Australier/innen, das kann ich nicht so genau sagen) teilen musste und Flexibilität meines Magens, da dieser während der ganzen Zeit nur mit Toast-Schinken-Käse-Sandwiches von Seven Eleven gefüttert wurde. Mangelernährung schlechthin, wenn auch leckere.

Am Zoll angekommen musste ich Dank meines Thaipasses erstens nicht anstehen und zweitens nur einen einzigen US-Dollar „Eintritt“ bezahlen – im Gegensatz zu allen anderen Touristen, die satte 31 Dollar hinblättern mussten. Da fühlte ich mich als ziemliche VIP und war (muss ich beschämt zugeben) ordentlich schadenfreudig.

Nach der Grenze wurden wir mitsamt Gepäck in ein Tuk Tuk verfrachtet und das Gepäck in wackeliger Formation auf das Dach geschnallt. Einer hatte keinen Platz mehr und musste als Trittbrettfahrer hinhalten.

In Vientiane angekommen war ich überrascht über das französisch anmutende Flair der Stadt. Da ich mich wie immer vor meiner Abreise überhaupt kein bisschen informiert habe, wusste ich auch nicht, dass Laos früher französisches Protektorat war. Auch die Leute waren unglaublich freundlich und angenehm. Die Atmosphäre war eine friedliche und erholsame. Im Salon de Thé habe ich deshalb pain au chocolat genossen und Angie kennengelernt, eine Österreicherin, die über 4’500 km mit den Moped durch Südostasien gedüst ist und sich auch vor rabiaten Polizisten nicht fürchtete, die ihr keine Quittung für Bussen ausstellen und ihren Führerausweis einziehen wollten. Ihr Durchsetzungsvermögen hat gesiegt und der Polizist musste sich ob soviel vehementer Gegenwehr geschlagen geben. Angie hat mich auch überzeugt, dass Vang Vieng das nächste lohnende Ausflugsziel sei und ich deshalb kurz entschlossen den nächsten VIP Bus dahin gebucht habe. Bis zur Abfahrt liess ich mich mit laotischer Massage von einem höchstens 18 jährigen, dünnen und mindestens einem Kopf kleineren Jungen verwöhnen. Eine gute Entscheidung, denn der VIP Bus entpuppte sich als muskelverspannender Minivan. Minivans, so meine bisherige Erfahrung, waren definitiv nicht meine bevorzugten Transportmittel was lange Distanzen anging. Minivan heisst verspannter Nacken, krummer Rücken und schmerzender Hintern.

In Vang Vieng war es schon dunkel, als ich angekommen bin. Trotz Hochsaison habe ich ein wunderschönes kleines Guesthouse gefunden. Bungalows und Zimmer eingebettet in einen tropischen Garten, ein Manager, der um keinen Spruch verlegen war, Bier und ein leckeres Nachtessen. Und eine heisse Dusche. Und ein normales bequemes Bett. Seit dem vielen Busfahren kann ich den Wert eines richtigen Bettes gar nicht mehr genug schätzen, und der Spruch „Schlafen sei überbewertet“, dazu muss ich wohl gar nichts mehr sagen. Der Himmel dachte wohl was ähnliches und öffnete seine Schleusen, um mir in lautester Lautstärke ein brausendes Regenlied zum Einschlafen zu spielen.

in love

Zwischenwelt / In between worlds

18 Dez

Mönche im orangenen Gewand
Entlang dem Strassenrand
Die Körbe für Almosen ausgestreckt
Die Hälse der Touristen weit gereckt
Die Orangenen gleichmütig
Die Menge fotowütig
Die aufdringlichen Verkäuferinnen gierig.
Die Frage nach Moral schwierig.
Alsbald die Mönche von der Dämmerung verschluckt
Ist die Welt zurück in die Realität gerückt.

Geschrieben in Laos, nachdem ich Teil des Schauspiels war, wie Mönche jeden Morgen früh ihre Tour durch die Strassen von Luang Prabang machen. Als Gebende, als Fotowütige und als Kritisierende. Beschämt, dem Drang nachgegeben zu haben, diesen Moment fotografisch verewigen zu wollen und geehrt, Zeuge dieses ehrwürdigen Zeremoniells gewesen zu sein.

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Monks in orange robes
Walk on city roads
Baskets streched out, asking for alms
Tourists craning necks, no qualms
Scholars, even minded and serene
Tourists shooting pictures, upfront mean
Pushy vendors, greedy day in and day out
Morals and ethics? A delicate subject, no doubt
The monks, soon swallowed by the morning light
Make the world change back into reality’s sight.

Written after experiencing the beautiful morning ceremony of the monks in Luang Prabang, Laos. Giving them alms myself, craning my very own neck, taking pictures and criticizing it all at the same time. Ashamed to have given in to the urgence of wanting to perpetuate those moments and highly honored to have been given the chance to witness that sacred event.

Von Herzensfreunden und Zufällen…

16 Dez

Den nächsten Tag hab ich vor Allem damit zugebracht, Leute zu besuchen, die ich kenne. Allen voran meine liebe Kyoko. Kyoko hab ich vor ein paar Jahren in Chiang Mai kennengelernt, habe sie vorletzten Sommer in Ibiza besucht, letzten Sommer hat sie mich in Bali besucht und heute treffe ich sie wieder in Chiang Mai.

Ich hab auf meinen Reisen schon so viele so tolle Leute getroffen, die seither, auch wenn die ursprüngliche Zeit, die man miteinander verbracht hat, kurz war, Herzensfreunde geblieben sind. Und wie es unter Reisenden so ist, besucht man sich gegenseitig oder trifft sich irgendwo auf der weiten Welt wieder, ob geplant oder zufällig.

Der Kreis schliesst sich immer irgendwie, die Zeit, die zwischen dem letzten und aktuellen Aufeinandertreffen vergangen ist, löst sich blitzschnell ins Nichts auf, und man ist beste Freunde wie seit eh und je. Und gerade diese Freundschaften, die so unkompliziert sind, voller gegenseitiger Zuneigung und die nicht an Zeit und Erwartungen gebunden sind, erwärmen oft mein Herz und treiben mich an, immer wieder in die weite Welt hinauszuziehen.

Wieder zurück zu Kyoko: Wir sitzen gemütlich in einem Yoga Cafe und tauschen Neuigkeiten aus, als uns ein weiteres bekanntes Gesicht begegnet. Diesmal eines, über welches wir beide nicht allzu erfreut sind. Die Kleinheit der Welt hat manchmal auch seine Nachteile. Und wie man sich über bekannte Gesichter freut, die man irgendwo im Nirgendwo überraschenderweise wieder trifft, so laufen einem auch immer wieder Leute über den Weg, die man eigentlich gar nicht mehr sehen will.

Und so frage ich mich: Zufall oder Schicksal? Wie ist es möglich, dass man zum Beispiel in einer Millionenstadt wie Bangkok in einer kleinen, lebendigen Quergasse seiner früheren besten Schulfreundin über den Weg läuft (so meiner Mutter geschehen)? Wie ist es möglich, dass man irgendwo in Brasilien an einem kleinen weissen Sandstrand dem Bruder einer Freundin aus dem Heimatdorf begegnet, den man seit 15 Jahren nicht mehr gesehen hat? Wie ist es möglich, dass ich irgendwo im Süden Frankreichs genau zur gleichen Zeit in einem kleinen Restaurant was trinke, wie ein deutscher Freund, der auf Bali lebt?

Wäre man nur ein paar Minuten oder manchmal auch nur ein paar Sekunden später an der gleichen Stelle vorbeigegangen, so hätte man sich nicht getroffen. Es hätte Millionen und Abermillionen Möglichkeiten gegeben, wo man sich sonst hätte aufhalten können (die Welt ist schliesslich riesig).

Und so bleibt die Frage „Zufall oder Schicksal“ zwar auch nach vielem Nachdenken unbeantwortet, aber ich bin der Meinung, das nichts ohne Grund geschieht und dass die Leute, die ich immer wieder treffe – ob ich dies nun als positiv oder negativ empfinde – irgendwie zu meinem Leben gehören, aus welchem Grund auch immer.

Im Heimatland angekommen…

16 Dez

Endlich in Bangkok angekommen. Schnell auf die Toilette und Katzenwäsche gemacht, man will ja die feinen asiatischen Nasen nicht gerümpft sehen, wenn man an ihnen vorbeigeht. Als nächstes musste ich rausfinden, wie ich nun vom internationalen zum nationalen Flughafen komme. Meine Reisestrategie ist nämlich immer die, dass ich einen Schritt nach dem anderen mache. Hätte natürlich schon zu Hause mal googeln können, aber das war mir zuviel Aufwand. Also ging ich schnurstracks zur Information und bekam da auch gleich die Auskunft, dass es einen gratis Shuttlebus zum nationalen Flughafen gibt. Tolle Sache!

Es war so schön, einfach aus dem Fenster zu schauen und die asiatische Landschaft wieder mit eigenen Augen zu sehen. Kurz: Ich fühlte mich herrlich. Müde aber glücklich. Am nationalen Flughafen angekommen hab ich mir als erstes ein Pad Thai (thailändische gebratene Nudeln) und das Wasser einer jungen Kokosnuss gegönnt, hab Blogeinträge geschrieben und mich dann eine Stunde zu früh in die Abflughalle gesetzt. Frierend, trotz Jacke und Schal. Ein richtiger Kühlschrank war das da. Als es Zeit fürs Boarden war und ich auf das Flugfeld raustrat, war ich in Sekundenschnelle von der Sonne geschmort. Kam mir wie eine Bratwurst vor, die zu lange auf dem Grill lag. Die Mitarbeiter, die am Flugzeug herumwerkelten, hatten ihre Gesichter mit heruntergezogenen Wollmützen vermummt, die Augen nur durch schmale Sehschlitze sichtbar.

Kaum im Flieger, ich konnte es nicht glauben, hörte ich vertrautes Indonesisch hinter mir. Fühlte mich gerade wie Zuhause und genoss es, einfach ein bisschen dem Palaver der indonesischen Jungs hinter mir zuzuhören. Endlich angekommen war dringend eine Dusche notwendig. Es gibt nichts Schöneres, als sich nach einer langen Reise mindestens eine halbe Stunde unter den heissen Wasserstrahl zu stellen.

Auf dem Weg in die Innenstadt erkannte ich von meinen früheren Aufenthalten in Chiang Mai viele Strassen und Restaurants wieder. Auch dies trug dazu bei, dass ich mich sofort zu Hause fühlte. Überall Essensstände, das Wirrwarr verschiedenster Gerüche, das Durcheinander des Verkehrs auf den Strassen, Marktstände und last but not least: thailändische Popmusik. Die asiatische Vielfalt ist immer wieder aufs Neue beeindruckend.

Besonders fasziniert an diesem Abend hat mich eine Katze, die es sich an einem Stand zwischen zahlreichen Bananenstauden bequem gemacht hatte. Unbeeindruckt von all den Leuten und dem ganzen Lärm rundherum hielt sie seelenruhig ihr Schläfchen und liess sich auch von meiner Kamera in keinster Weise stören.

Viele Leute sagen, dass sie Katzen nicht mögen, weil sie so unabhängig und arrogant seien im Gegensatz zu Hunden, die dein bester Freund sind. Ich empfinde das Verhalten der Katzen jedoch als positiv. Weshalb sollte sich eine Katze dem Menschen unterordnen und ihm gegenüber loyal und anschmiegsam sein, und zwar ohne wenn und aber, so wie es ein Hund tut, wenn es nicht ihrem Wesen entspricht? Dies hat in meinen Augen nichts mit Arroganz zu tun, die Katze nimmt sich ganz einfach das Recht heraus, zu sein wie sie ist, sich selber zu genügen, sich Zuneigung zu holen, wann und wo sie will, und unabhängig zu sein, wenn sie das für richtig empfindet.

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Auf dem Weg nach Chiang Mai / On the way to Chiang Mai

12 Dez

Endlich wieder unterwegs. War auch Zeit. Hab schon mindestens zwei Monate am Stück gearbeitet und das geht einfach nicht. Das ist viel zu viel. Drum: Next station: Zürich Flughafen!

Crossing borders

Bei der Passkontrolle habe ich dem Polizisten meinen Thaipass hingestreckt, er blätterte drin rum und schaute mich dann mega misstrauisch an: „Wo ist Ihr Visa?“ „Welches Visa?“ „Ja, Ihre Aufenthaltsgenehmigung für die Schweiz!“ Hääää? Oh, ups, hab ihm dann meinen Schweizerpass hingestreckt und die Welt war wieder in Ordnung. Nicht zu fassen, oder? Wird man im eigenen Land der illegalen Einwanderung verdächtigt.

Ich flieg ja öfters mit Qatar Airways. Find die echt gut und krieg immer super günstige Tickets nach Bali oder Thailand. Der einzige Nachteil: Irgendwie ist das ganze in die Richtung immer sehr geruchsintensiv. Ich hoffte, dass ich dieses Mal von Schweiss und Currygerüchen verschont bleibe (das letzte Mal sass ich neben einem streng riechenden Herr). War aber nichts. Eine ganze Familie sass vor mir, die nach den Mahlzeiten der letzten drei Wochen roch. Und der Herr neben mir roch ein bisschen streng, aber nicht so krass, wie der das letzte Mal.

Nichtsdestotrotz habe ich es mir bequem gemacht und festgestellt, dass ich in der einzigen Reihe im ganzen Flieger sass, bei dem der Bildschirm bzw. das Unterhaltungsprogramm nicht funktionierte. Das liess mir die Zeit, ein ganzes Buch durchzulesen und dann den Flieger genauer unter die Lupe zu nehmen. Wollte nämlich die Sonnenblende am Fenster runterlassen und da war aber keine (vorher hatte ich schon mit dem Kopfhörer zu kämpfen, weil ich die Einstecklöcher nicht fand, mir kam da kurz der Gedanke, dass ich eventuell langsam älter werde und gewisse technische Feinheiten nicht mehr drauf habe, aber den Gedanken wollte ich dann doch nicht weiterverfolgen). Hab das Fenster nochmals von oben bis unten angeschaut. Nein, keine Sonnenblende. Dafür aber ein Knopf. Hab mal draufgedrückt. Und da haben sich doch tatsächlich die Fenster selber dunkel getönt. Wie geil ist ist das denn? Wie ein kleines Kind hab ich fleissig ein Weilchen drauf rumgedrückt um den Vorgang des heller- und dunklerwerdens voller Freude zu beobachten.

Als die Stewardessen Getränke austeilte, war ich die einzige rundherum, die Wasser nahm. Alle anderen bestellten Wein oder harten Alkohol. Vielleicht fliegen die Leute nur, damit sie gratis Alkohol kriegen?

Diesmal bin ich ein bisschen auf eine andere Art unterwegs als sonst. Mit Rucksack in 12 Tagen im Land rumdüsen. Oder so ähnlich. Plötzlich hab ich nicht mehr die Zeit, so lange an einem Ort zu verweilen, wie ich mag, und dann weiterzuziehen, wenn mir danach ist, so wie es immer auf meinen Reisen war, die mindestens 5 Monate dauern. Plötzlich bin ich in „normalen“ Ferien. Komisches Gefühl. Ich glaube, ich kann mich guten Gewissens als realitätsfremd bezeichnen, was die Dauer von Ferien betrifft.

Als ich meinen Freunden verkündet hab, dass ich wieder einmal auf Reisen geh, fragten alle, wie lange ich denn weg sei und ob ich im Januar/Februar denn schon wieder zurück sei? Die kennen mich alle schon so gut und wissen, dass ich eben immer mindestens 5 Monate unterwegs bin. Normalerweise. Immerhin haben sie mir diesmal mindestens zwei Monate zugetraut. Als ich dann ganz verzweifelt geantwortet habe, dass ich im Ganzen „nur“ 12 Tage unterwegs sein werde (ich finde das wirklich zum Verzweifeln), haben alle nur mit den Augen gerollt und gemeint: Willkommen im normalen Leben!

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English Version:

Finally, I’m off again. Was about time. Worked two months already without having holidays. What the hell. Not with me! Anyway, all went smooth, no delays, nothing. So far so good.

But then, at Zurich Airport, I showed my Thai passport at the passport control. The policeman looked at me and asked suspiciously: „Where is your Visa“? „Which Visa?“ „Your residency permit“… Ahhhhh…. Gave him my Swiss passport and all was good again. Unbelievable, isn’t it? Suspected of illegal immigration in my own country.

I frequently fly with Qatar Airways. I always get good deals for tickets to Asia. The only disadvantage: It seems that people flying in that direction always smell of curry and sweat. I hoped that this time I gonna be spared of such intense odours. Well, in front of me sat a whole family smelling of at least 3 weeks curry cooking. Anyway, it wasn’t as bad as the last time.

I made myself comfortable and noticed that my row was the only one in the whole wide plane with a malfunctioning TV screen. Well, that gave me time to read a book from start til end. And I also had plenty of time to have a good look around. I seemed to be the only one ordering water, everyone else ordered wine or other alcoholic beverages. Maybe people fly to get a drink or two for free? As the sun was a bit blinding I was looking for the sun blinds. There where none. I looked again. Nope, nothing. Just a plain window. But ah: There was a button. I was curious and pressed it – and the windows got dark automatically. What a joy. I tried it several times just to see the window darken and getting transparent again and darken again. I seem to have the impression that I’m getting old and don’t get the up to date technique anymore. Don’t want to pursue that thought any further.

I’m traveling differently this time. Suddenly, I have only 12 days and plenty of things to do instead of just taking my time to do whatever I like whenever I like. As I usually do when I’m on my months long trips. It’s a strange feeling to be on „normal“ holidays. I guess I’m a bit out of touch with reality what’s concerning holidays.

My friends wished me safe travels and asked me if I gonna be back already in February. They know me well already and would never have guessed that I’m gone for 12 days only. When I complained about that “oh my god, only 12 days” they just rolled their eyes and said: Welcome to the normal life!

A normal Saturday of a 30+

8 Dez

Yesterday was Saturday. Off work. A perfect day to do plenty of things. Such were my thoughts.

So I went to Surfari Fashion Store in Zurich to meet up with some friends, planned to do some candle dipping (didn’t manage) and some serious tea-rum drinking (managed 2 cups only, fortunately, I have to say).

As I was sitting on a bottle crate talking to a friend, a guy entered the shop, in desperate need of a toilet: Can I PLEEEEAAAASE use the loo? he asked in a pressed voice. Yes he could. He was gone for quiet a while. When he came back, I asked him, if he had a good time at the loo. He laughed and answered: That was a loooooooong shit. And went outside, dedicating himself to some more and very serious candle dipping.

I was delighted by his brashness and joined him outside to observe his candle making skills. Turned out he was a crazy (and very drunk), but absolutely hilarious South African dude working and living in Zurich, coming from a beer drinking marathon and actually on the way to watch a soccer game. FCZ. Or something like that. Anyway, he got caught up with the candles in between and found it fascinating.

As soon as he was done, he smiled at everyone, smiled some more, said thousands thanks and happily dashed off to pursue his original plan of watching the soccer game.

At that point I just thought: I love Zurich.

Next stop was my friends place. We planned to cook some green thai curry and then go for pre-party drinks and then go to a party nearby – called Glitter Gwitter – or freely translated into English: Glitter Storm.

We managed the dinner part, then started talking and talking and talking until it was too late for pre-party-drinks. Suddenly we both started yawning and yawning and yawning and questioned our plan to go out dancing. Really? I mean, REALLY? It was just midnight and we were talking of just going to sleep.

How old are we? Freaking young 31. What the hell? But still, we couldn’t stop yawning. The solution? We put two papers (party time or bed time) into a pot. I picked a paper and it was PARTYTIME!

So we felt ready to go out and party hard …. for exactly 5 minutes …. then the yawning started again.

Ok, we’re old. Defeated.

We talked some more and decided to go to bed in spite of the paper saying loud and clear that we should be out and about.

I left and wanted to take the night bus. Would be 30 min home. I waited. The bus came. I asked the bus driver if he drives to Bellevue. He pondered my question a few seconds and said yes. So we drove and drove and drove and Bellevue was nowhere to be seen. But Schlieren, a suburb of Zurich.

Asked the driver why he told me that he was driving to Bellevue when he was not? He just smiled and said: I do, it’s the final destination in the other direction. Relax and enjoy the free tour around Zurich.

Ahhhh, very funny. Did I already mention I was dead-tired? Well, I managed to get home with a 45 minute delay and fell asleep right away.

Woke up at 9 am. Felt very hungover. In spite of only 2 small cups of tea rum somewhen during the previous afternoon. REALLY?

Oh well, as I said, definitely getting old…